Es gibt entspannende Musik wie z.B. von Bands à la DELERIUM und ENIGMA, die man nach Feierabend laut aufgedreht zum Relaxen hören kann, um Abstand zu gewinnen von allem weltlichen Übel. Und es gibt Ambient. Ambient, wie ROBERT RICH ihn spielt. Ambient, bei dem nicht viel passiert außer Glucksen, Rauschen und Zirpen. Bei Songs wie „Mantis Intentions“ und „Dante’s Anthropomorphic Zoo“ bekommt man den Eindruck, mitten in ein Feuchtbiotop geplatscht zu sein, so sehr dominieren quakende und zwitschernde Geräusche, die von ROBERT RICH ausgebreiteten Soundflächen.
Gelegentlich ist gar ein Rhythmusgeflecht in all dem Gluckern erkennbar, ansonsten beschränkt sich das, was da den Weg in des Hörers Ohren findet, auf reine Geräuschkulisse. Hier und da noch vielleicht etwas, das entfernt an eine Ethnomelodie erinnert, so z.B. in „Nesting On Cliffsides“ und „Carapace Hides The Delicacy“. Doch im Großen und Ganzen fehlt vor allem eines: Songs. Vollständige, nachvollziehbare Songs, die mehr vermögen als nur an einem vorbeizuplätschern, im wahrsten Sinne des Wortes in diesem Fall. Und genau deshalb fällt es schwer, „Bestiary“ volle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
„Bestiary“ ist nicht durchgehend fesselnd
Als klangliche Ergänzung einer Videoinstallation oder als Soundtrack für einen beklemmenden, experimentellen Film könnte die Platte durchaus noch mittels Symbiose ihre Bestimmung finden, doch für sich alleine stehend ist sie nicht mehr als das akustische Pendant zu einer Lavalampe, und wer schaut sich so ein Teil schon 53 Minuten lang am Stück voll konzentriert an? Nun gut, ich möchte ROBERT RICH nicht Unrecht tun, zur inneren Einkehr oder zum Meditieren mag „Bestiary“ vielleicht Ambientfreunde verleiten können, doch der Welt zugewandtere Seelen dürften allemals in den Mittagsschlaf statt ins Nirwana befördert werden beim Hören dieses Albums. Da bevorzuge ich zur Entspannung dann doch eher obengenannte Ethnokünstler.
Spielzeit: 53:09 Min.
Line-Up:
Robert Rich – Synthies, Steel guitar, Glurp (??????)
Forrest Fang – Marxolin, Hichiriki (äh….)
Andrew McGowan – Bass
Haroun Serang – Gitarre
Produziert von Robert Rich
Label: Release Entertainment
ROBERT RICH „Bestiary“ Tracklist
- Mantis Intentions
- Nesting On Cliffsides
- Dante’s Anthropomorphic Zoo
- Bestiary
- Carapace Hides The Delicacy
- Folded Space
- Sharpening Her Talons
- Premonition Of Circular Clouds