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PIKE VS. THE AUTOMATON: Pike vs. The Automaton

Die unermüdliche Riffmaschine MATT PIKE gilt in Fach- und Fankreisen als Legende und bedarf daher keiner weiteren Vorstellung. Für diejenigen, die den Namen trotzdem zum ersten Mal hören: Ja, das ist genau der Typ, der 1998 “Dopesmoker/Jerusalem” mit SLEEP aufnahm und 20 Jahre später mit HIGH ON FIRE einen Grammy gewann. Ansonsten einfach ein angenehmer bodenständiger Dude, den man ganz spontan gerne auf einen Grillabend im heimischen Garten einladen würde. Nun fliegt seine erste Soloplatte ins Haus, die Pike selbst eher im psychedelischen Bereich verortet.

Krautrock? Eher nein.

Pike goes Psych? Klingt spannend, und ich war tatsächlich sehr auf das Ergebnis gespannt. Diejenigen, die so etwas wie EARTHLESS, HAWKWIND oder U.S. CHRISTMAS erwarten, können sich allerdings wieder entspannen und laut „bruh!“ sagen, denn so etwas hat der Onkel Pike heute nicht im Angebot. Psychedelisch ist hier vor allem die kaleidoskopartige stilistische Vielfalt der Musik, die dem Hörer buchstäblich ins Gesicht geschleudert wird und seine Synapsen ununterbrochen mit immer neuen Reizen flutet. Die Palette reicht von Crust Punk („Throat Cobra“) über Stoner Metal („Alien Slut Mum“) und sludgigen Blues Rock („Land“) mit einer deutlichen WEEDEATER Referenz bis hin zum wirklich psychedelischen „Latin American Geological Formation“ und dem monumental epischen Schlusstrack. Neben Musik hat die Platte allerdings noch zwei weitere Leckerbissen in petto.

“Pike vs. The Automaton” trumpft mit Oldschool Authentizität…

Nehmen wir zuerst den organischen, erdigen Sound von Billy Anderson, der mittlerweile ebenfalls als Szeneikone gilt und Pike seit „Dopesmoker“ (SLEEP) und „The Art of Self Defense“ (HIGH ON FIRE) treu begleitet. Wie kein anderer Soundingenieur steht Anderson für den warmen, fuzz-verzerrten analogen Klang, der zur Pikes Musik wie gegossen passt. Dadurch klingt die Scheibe trotz sauberer Abmischung, wenn man so will, entfesselt und roh. Als hätte man Matt Pike mit der E-Gitarre für eine Woche im Studio eingesperrt, und „Pike vs. The Automaton“ ist eben das, was dabei rauskam. Das weckt die schönen Erinnerungen an die Anfangstage von HIGH ON FIRE und die Hochphase von SLEEP, wo man sich kaum um den bis zum Anschlag polierten Sound kümmerte, sondern versuchte die einzigartige Studioatmosphäre einzufangen. Das Feeling, das HIGH ON FIRE auf dem Zenit ihres Schaffens leider allmählich abhandengekommen ist.

…und illustrer Gästeliste auf

Das zweite große Highlight ist die Gästeliste, die ausschließlich aus engen Freunden, Nachbarn, Verwandten, Tourkameraden und einfach guten Musikern besteht. Dabei sind unter anderen die Matt Pikes Ehefrau, Brent Hinds (MASTODON), Jeff Matz (HIGH ON FIRE, MUTOID MAN) und Todd Burdette (TRAGEDY), die allesamt einen wichtigen Beitrag leisteten und das Album in der Form erst möglich gemacht haben.

Trotz einzelner Macken eine Menge Spaß

Obwohl hier ganz klar der Spaß im Vordergrund steht, ist “Pike vs. The Automaton” durchaus ernst gemeint. Ich hatte nie den Eindruck, mit einer halbherzigen Compilation von Studioabfällen verwöhnt zu werden. Im Gegenteil: Das Album fühlt sich von erster Minute als eine Herzensangelegenheit für Matt Pike an. Trotzdem muss sich das Material trotz solider Qualität klar hinter SLEEP und den besten HIGH ON FIRE Scheiben anstellen. Zum einen gibt es neben starken Songs auch Durchhänger, so habe ich “Acid Test Zone” nie verstanden, und es wird wohl dabei bleiben, und zum anderen ist es leider so, dass mir die Distanz zum “regulären” Matt Pike Zeug zu gering erscheint. Sprich, mehr Eigenständigkeit wie zum Beispiel auf “Land” hätte dem Output keinesfalls geschadet.

Bin ich deswegen enttäuscht? Keinesfalls. Ich habe nie erwartet, dass damit eine komplett neue Schaffensphase beginnt, die Matt Pike in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt. Vielmehr ist es ein Rückblick auf seine lange Karriere mit allen Höhen und Tiefen und auf sein bewegtes Tourleben, wo viele Freundschaften und Bündnisse geschlossen wurden, die auch heute noch bestehen. “Pike vs. The Automaton” ist damit ein Zeitdokument, in dem die Essenz des Matt Pike festgehalten wird und wo der Fokus auf seinen musikalischen Vorlieben und Einflüssen liegt. Alles in allem aber eine kurzweilige Platte, die jedem Heavy-Metal-Fan ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern wird.

Release: 18.02.2022

Spielzeit: 62:00 Minuten

Produziert von: Billy Anderson

Line-Up: 

Matt Pike: Guitars, Vocals, Bass

Gäste und Sessionmusiker:

Alyssa Maucere-Pike
Brent Hinds
Jeff Matz
Billy Anderson
Chad Hartgrave
Todd Burdette
Josh Greene
Steve McPeeks
Jon Reid

Label: MNRK Heavy (ehemals eOne Music)

Bandcamp: Pike vs. The Automaton

PIKE VS. THE AUTOMATON: “Pike vs. The Automaton” Tracklist:

01. Abusive
02. Throat Cobra
03. Trapped In A Midcave
04. Epoxia
05. Land (Video auf YouTube)
06. Alien Slut Mum (Video auf YouTube)
07. Apollyon
08. Acid Test Zone
09. Latin American Geological Formation
10. Leaving the Wars of Woe

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