OSI: Office Of Strategic Influence

OSI ist völlig anders, als man es erwarten könnte.

Auf den ersten Blick wirkt OSI natürlich wieder wie eines dieser unzähligen ProgRock Allstar Projekte. Namentlich sind hier Kevin Moore (CHROMA KEY), Jim Matheos (FATES WARNING), Mike Portnoy (DREAM THEATER) und Sean Malone (GORDIAN KNOT) am Werk. Das ist natürlich eine überragende Besetzung. Aber OSI ist völlig anders, als man es erwarten könnte.

Den Anfang macht The New Math (what he said), ein recht hektischer Song, der die klangliche Richtung von OSI klar macht: Keyboard und Programmierung sind wichtige Elemente der Musik während Gitarre und Drums ein gleichbleibendes Gerüst darstellen. Voicesamples bilden den Hintergrund für ein langsam prägnanter werdendes Keyboard, das dann von Jim Matheos Gitarren unterbrochen wird, bis alles gemeinsam wieder einsetzt. Die Gitarren und das Drumming treiben den Song voran und bekommen durch die vielen Effekte ein Thema verliehen. Der Track OSI fängt dann etwa dort an, wo der Opener aufgehört hat, verfällt dann aber in einen etwas langsameren Groove. Der Gesang kommt von Kevin Moore und ist – ähnlich wie bei CHROMA KEY – mehr Stilmittel. Das ruhige und düstere When You`re Ready bringt dann von der Gitarre nur Strings hervor und Mike Portnoy`s Drums fungieren hier nur als Percussion. Horseshoes and B52`s ist ein sphärisches Instrumental, zu dem auch ein Video auf der CD enthalten ist. Danach folgt mit Head einer der absolut herausstechenden Songs, in dem ein asiatisches Thema die Basis ist. Eine etwas entspanntere Ballade folgt dann mit Hello, Helicopter. Auch zu den Akustik Gitarren machen sich die Effekte sehr gut und insgesamt vermittelt der verträumte Song eine positive Stimmung. Das ändert sich danach sofort. Das morbide 10-Minuten-Werk shutDOWN beginnt mit einem Piano Moll-Akkord und bedrohlichen Samples. Die Stimme von Gastsänger Steve Wilson (PORCUPINE TREE) kämpft immer wieder gegen schwere Gitarren und wirkt in den ruhigen Passagen sehr zerbrechlich. Danach baut Dirt From A Holy Place eine Horror-Film Atmosphäre auf. Die Gitarre darf hier auch mal in die Melodieführung eingreifen. Memory Daydream Lapses baut dann eine düstere, spannende Atmosphäre auf, die vorallem von Samples getragen wird. Mit Standby (looks like rain) folgt dann ein Song, der auf mich atmosphärisch leicht deplatziert wirkt und etwas belangenlos wirkt. Auf der Bonus CD der limited Edition befinden sich neben den beiden Coversongs Set The Controls For The Heart Of The Sun (PINK FLOYD) und New Mama (NEIL YOUNG) auch ein weiterer Track namens The Thing That Never Was, die Original Looks Like Rain Demo von Jim Matheos und Mike Portnoy. 17 Minuten lang spielen die beiden oft ohne Keyboards und Effekte, was bei OSI eine Seltenheit ist.

Was erwartet man von OSI und was liefert die Band? Auf der kompletten Scheibe gibt es weder Drum-, Bass-, Gitarren- oder Keyboardsolos noch abgefahrene unisono Linien in wirren Jazz Scales. Alles ist der Atmosphäre untergeordnet, die meistens zwischen spannend, düster und morbide wandelt. Dies ist im Sinne von Frickelorgien keine progressive Scheibe, was schon eine Überraschung darstellt. Mike Portnoy spielt auch sehr songdienlich – so wie er vorher noch nie zu hören waren. Jim Matheo`s Gitarren sind mit Mike Portnoy`s Drums eine Art Basis auf die vielfältige Programmierung, Keyboards, Sound und Samples gesetzt werden, die den Stücken dann ihren individuellen Charakter verleihen. Progressiv ist die Scheibe in der Hinsicht, dass man etwas derartiges vorher noch nicht gehört hat, vielleicht ansatzweise bei CHROMA KEY. Die Musik ist natürlich handwerklich absolut perfekt gemacht und die Atmosphäre wurde ebenfalls perfekt umgesetzt. Der Sound geht auch absolut in Ordnung, alles ist präzise rauszuhören und die ganzen Samples usw. wirken zu keiner Zeit billig. Kritikpunkt ist die etwas einfältige Arbeit an der Gitarre. Man kann darüber streiten, ob das als stilistisches Mittel gesehen werden sollte. Ich bin der Überzeugung, dass trotzdem mehr drin sein könnte. Die Gitarrenarbeit ähnelt sich in allen Tracks stark, was keine Kritik an Jim Matheos sein soll. Er hat auch bei den Keyboards und bei der Programmierung mitgearbeitet, was zeigt, wo der Schwerpunkt von OSI liegt. Auch das Bassspiel von Sean Malone wurde dem angepasst. Er spielt nicht zu kompliziert und verwendet ab und zu mal einen Effekt, was bei Sean Malone allgemein doch recht selten ist. Dazu kommen einige Stick Passagen. Das führt auch schon zum zweiten Kritikpunkt. Die ganze Platte hätte schon etwas abwechslungsreicher gestaltet werden können und etwas mehr Feintuning an den Sonstrukturen benötigt, obwohl die einzelnen Arrangements überzeugen. Thematisch befindet man sich bei OSI im Krieg und in diesem Stil sind auch Artwork und Inlay gehalten, die nicht unbedingt begeistern und teilweise leicht wirr erscheinen, aber dennoch in Ordnung gehen.

Unter dem Strich bleibt schon ein faszinierendes Stück Musik, dem noch etwas Feintuning und Abwechslung fehlt. Leute, die gerne über den Tellerrand blicken und mal etwas atmosphärisches mit Anspruch hören wollen, sollten zugreifen. Wer bei OSI allerdings etwas im Stile des LIQUID TENSION EXPERIMENTS erwartet, wird hier mit Sicherheit enttäuscht. Die Spielzeit – ohne Bonus CD – hätte auch durchaus etwas länger sein dürfen.

Veröffentlichungstermin: 10.02.2003

Spielzeit: 76:05 Min.

Line-Up:
Jim Matheos – Guitars, Keyboards, Programming

Kevin Moore – Keyboards, Vocals, Programming

Mike Portnoy – Drums

Sean Malone – Bass, Stick

Produziert von Kevin Moore & Jim Matheos
Label: InsideOutMusic

Homepage: http://www.osiband.com

Tracklist:
1. The New Math (what he said) (03:36)

2. OSI (03:48)

3. When You`re Ready (04:09)

4. Horseshoes and B-52`s (04:18)

5. Head (05:17)

6. Hello, Helicopter! (03:44)

7. shutDOWN (10:25)

8. Dirt From A Holy Place (05:10)

9. Memory Daydream Lapses (05:56)

10. Standby (looks like rain) (02:19)

— Limited Edition Bonus CD —

1. Set The Controls For The Heart Of The Sun (08:49)

2. New Mama (02:22)

3. The Thing That Never Was (17:21)