OCEANS: We Are Nøt Okay [EP]

OCEANS zeigen Charakter: “We Are Not Okay” besinnt sich auf die musikalischen Stärken der Alternative / Nu Metal-Band und kämpft dabei für Aufklärung im Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Manchmal ist der Perspektivwechsel ungemein schwer. Das mussten nicht zuletzt Studierende aus Heidelberg erfahren, als in einer Videokonferenz im Zuge der Corona-Pandemie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann entgegnete, dass es für sie – verglichen mit der Situation anderer Menschen – keinen Grund dafür gebe, depressiv zu werden. Unverständnis wie dieses kann schmerzhaft sein, insbesondere weil sich Depression und psychische Belastung nicht so einfach wegdiskutieren lässt.

Es braucht daher starke Stimmen, um die unbequeme Wahrheit zu transportieren. Wo Betroffene keinen Ausweg sehen, reichen OCEANS die Hand; wo der emotionale Zugang fehlt, suchen sie den Dialog. „We Are Not Okay“ ist daher Statement und Mission zugleich: Es ist okay, mit den eigenen Dämonen zu ringen. Und es ist kein Einzelkampf. Bestehen kann man vor allem im Verbund und mit Zusammenhalt, weshalb sich OCEANS diesmal für jeden der vier Songs Unterstützung ins Boot geholt haben.

Die Gastfeatures auf “We Are Not Okay” überzeugen auf ganzer Linie

Dabei beweist das Quartett ein ausgezeichnetes Gespür, denn nicht nur Lena Scissorhands (INFECTED RAIN) hinterlässt mit ihrem Gastbeitrag in „Voices“ Spuren. Zwischen heftigen Ausbrüchen und nachdenklichen Passagen bringt die Sängerin eine zusätzliche Tiefe in den ohnehin recht dynamischen Track.

Grundsätzlich bleiben OCEANS auf „We Are Not Okay“ ihren bisherigen Stärken treu: Musikalisch aufgeschlossen treibt die Band zwischen Nu, Modern und Death Metal umher und umgibt sich dabei mit einer oftmals bedrückenden Grundstimmung, die uns schon im eröffnenden Titelstück nach unten ziehen will. Die tief gestimmten Gitarren, die verbitterten Growls sowie die beherzten Vocals von CALIBAN-Fronter Andy Dörner reiben uns auf und lassen uns kaum Zeit, unsere Wunden zu lecken. Nachholen können wir das im konsternierten „Everyone I Love Is Broken“: Es wäre übertrieben, von einem Ruhepol zu sprechen, doch mit seinem getragenen Refrain und den feinfühligen Clean-Arrangements weben OCEANS zusammen mit Robb Flynn (MACHINE HEAD) deutliche Dark Metal-Anleihen in ihren Sound ein.

OCEANS zeigen Charakter

Schlüssig bleibt „We Are Not Okay“ dennoch, obwohl „Shark Tooth“ – auch dank der Singstimme Christopher Wieczoreks (ANNISOKAY) – zum Schluss nochmal Post Hardcore-Melodien und tief gestimmte Nu Metal-Gitarren mit „Sea Shanty“-Ästhetik mixt. Es handelt sich dabei nur um kurze Einsprengsel, kleine Details, die aber im Gedächtnis bleiben und dem Song Charakter verleihen.

Selbigen zeigen OCEANS dann auch mit diesem Finale: Denn so schwer das Auseinandersetzen mit der eigene Psyche manchmal wiegen mag, es gibt immer einen Weg nach vorne: „We fight the sickness, we rise to speak.“, heißt es im Refrain, der aus den Herzen der Musiker spricht: „We Are Not Okay“ will helfende Hand und Aufforderung zum Dialog sein. Ein weiterer Schritt, psychische Krankheit nicht nur zum Thema, sondern auch begreifbar zu machen. Ein großes Ziel, das natürlich mehr braucht als vier Songs – und doch ist „We Are Not Okay“ ein wichtiger Beitrag zu diesem Diskurs. Vielleicht sollte Winfried Kretschmann mehr OCEANS hören.

Veröffentlichungstermin: 30.04.2021

Spielzeit: 16:08

Line-Up

Timo Rotten – Vocals, Guitar
Patrick Zarske – Guitar
Thomas Winkelmann – Bass
J.F. Grill – Drums

Label: Nuclear Blast

Homepage: https://www.oceansofficial.com
Facebook: https://www.facebook.com/oceansofficialde/

OCEANS “We Are Not Okay” Tracklist

1. WE ARE NØT OKAY (feat. Andy Dörner from CALIBAN) (Video bei YouTube)
2. EVERYONE I LOVE IS BROKEN (feat. Robb Flynn)
3. VOICES (feat. Lena Scissorhands) (Visualizer bei YouTube)
4. SHARK TOOTH (feat. Christoph Wieczorek) (Audio bei YouTube)