MASTODON: Medium Rarities

MASTODON: Medium Rarities

Oh je, wo fangen wir da an? Vielleicht erstmal ganz allgemein? Bitteschön. MASTODON gehören auch nach vielen Jahren und nach einigen qualitativen Verlusten zu den Bands, die ich sehr gerne höre. Ihr Einfluss auf die Metalwelt in den 2000ern, vor allem mit „Leviathan“, ist unbestreitbar und dank „Emperor of Sand“ haben wir nach zwei schwächeren Alben wieder zusammen gefunden. Nun ist es längst Zeit für etwas Neues, aber leider bieten MASTODON uns nur die Compilation „Medium Rarities“, die zäh, aufgebläht, halbgar und blutleer daher kommt.

Eine Zusammenstellung von rarem Kram der US-Amerikaner hätte wirklich Potenzial gehabt und Sinn gemacht – wenn sie denn richtig angegangen worden wäre. MASTODON haben im Laufe ihrer Karriere eine Menge Material veröffentlicht, das nicht auf den regulären Alben, sondern auf limitierten Vinylausgaben stand, zum Beispiel zu diversen Record Store Days. Doch nicht alles davon findet sich auf „Medium Rarities“. Beispiel gefällig? Da wären die Covers „Just Got Paid“ von ZZ TOP, „The Bit“ der MELVINS und „Stairway To Heaven“, das MASTODON vergangenes Jahr als Tribut für ihren verstorbenen Manager Nick John aufnahmen. Stattdessen ist jede Menge verzichtbares Zeug auf „Medium Rarities“ gelandet.

„Medium Rarities“ lässt einige wichtige Songs missen, bietet dafür viel unnötiges Füllmaterial.

Aber nun der Reihe nach. Die meisten Coverstücke, „A Commotion“ (FEIST), „A Spoonful Weighs A Ton“ (THE FLAMING LIPS) und „Atlanta“ (BUTTHOLE SURFERS mit deren Sänger Gibby Hayes), machen Spaß und zeigen, wie wandlungsfähig MASTODON sind; von wegen primitive Redneck-Sludge-Truppe. Gerade das FEIST-Cover erstaunt. Auch das Gänsehaut erzeugende, fast neofolkige „White Walker“, das in „Game of Thrones“ zu hören war, findet sich auf „Medium Rarities“, allerdings nur in der normalen Version und nicht in der Acapella-Version (die B-Seite der Vinylauflage). Ein anderes, altes und gesuchtes Stück, ist das chaotische „Cut You Up With A Linoleum Knife“ vom „Aqua Team Hunger Force“-Soundtrack, das MASTODON fies wie nie zeigt. Und dann ist da natürlich der Opener „Fallen Torches“, bei dem sich SCOTT KELLY gesanglich die Ehre gibt. Eine starke, kraftvolle und komplexe Nummer, mit eingängigem Refrain, die sich auch auf „Emperor Of Sand“ gut gemacht hätte.

Die Liveversionen von „Capillarian Crest“, „Cycle of Cysquatch“, „Blood & Thunder“, „Crystal Skull“ und „Iron Tusk“, das während des Songs sogar ausgefaded wird, sind steinalt und klingen wie lieblose Mischpultmitschnitte. Das braucht niemand. Definitiv. Richtiggehend entnervend sind außerdem die Instrumentalversionen einiger Songs, die absolut keinen Mehrwert bieten. Vielleicht sind sie mit zusätzlichen Synthesizern angereichert, aber definitiv sind sie größtenteils öde. Ach ja, einer der Coversongs, „Orion“ von METALLICA, ist natürlich auch ein Instrumental. Es ist zum Verzweifeln. Besonders nervig ist, dass die seltenen Songs, Covers, Instrumentals und Liveversionen nicht sauber beisammen stehen, sondern durchgemischt wurden. Ich vermute, hier spielt Streaming eine Rolle. Dass es mehr Plays gibt, wenn der Kram unsortiert nebeneinander steht. Vielleicht entwickle ich im Alter auch nur authistische Züge,

Einiger Perlen zum Trotz ist „Medium Rarities“ von MASTODON ein Compilation-Desaster.

Das Urteil zu „Medium Rarities“ ist somit kein Gutes: MASTODON haben hier viel Potenzial verschenkt und bieten zu wenig wirklich interessante Songs. Dafür nehmen unnötige Instrumentals und allerhöchstens halbgare Liveversionen über die Hälfte der Spielzeit ein, während einige essentielle Beiträge schlicht fehlen. Die meisten Covers, „Fallen Torches“ und „White Walker“ entschädigen zumindest ein wenig dafür, aber am Ende bleibt ein Ärgernis. Bleibt nur zu hoffen, dass das kommende MASTODON-Album wieder liebevoller ausfällt als dieses Compilation-Desaster.

Wertung: Ach, lassen wir das.

VÖ: 11. September 2020

Spielzeit 70:16

Line-Up:
Troy Sanders – Vocals, Bass
Brent Hinds – Vocals, Guitars
Bill Kelliher – Guitars, Vocals
Brann Dailor – Drums, Vocals

Label: Reprise Records

MASTODON „Medium Rarities“ Tracklist:

1. Fallen Torches (Official Video)
2. A Commotion (FEIST-Cover)
3. Asleep in The Deep (Instrumental)
4. Capillarian Crest (Live)
5. A Spoonful Weighs A Ton (THE FLAMING LIPS-Cover)
6. Toe To Toes (Instrumental)
7. Cycle of Cysquatch (Live)
8. Atlanta (BUTTHOLE SURFERS-Cover)
9. Jaguar God (Instrumental)
10. Cut You Up With A Linoleum Knife
11. Blood & Thunder (Live)
12. White Walker
13. Halloween (Instrumental)
14. Crystal Skull (Live)
15. Orion (METALLICA-Cover)
16. Iron Tusk (Instrumental)

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Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle