MANOWAR: Warriors of the World

MANOWAR: Warriors of the World

Es wurde in den letzten Wochen schon so viel über das neue MANOWAR-Album Warriors of the World geschrieben und gesagt, dass ich mich ganz ernsthaft gefragt habe, wozu ich denn überhaupt noch ein Review zu dieser Scheibe schreiben soll. Denn im Grunde genommen dürfte inzwischen ja wirklich jeder wissen, was einen auf dem neuen MANOWAR-Werk erwartet. Und doch muss ich einfach noch ein paar Worte zu Warriors of the World verlieren, denn insgesamt fällt mir der Großteil der Reviews eindeutig zu positiv aus.

Das angekündigte Hammeralbum ist Warriors of the World nämlich beileibe nicht geworden, vergleicht man die Scheibe mit den großartigen Werken, die die Band in der frühen Bandgeschichte geschrieben hat. Um meine Hauptkritik in einem Satz zusammenzufassen: das, was MANOWAR hier abliefern, hat die Band zum großen Teil früher schon mal gemacht, nur deutlich besser.

Dabei sprang mein Herz aus Stahl bei den ersten Klängen des Openers Call to Arms doch vor Freude wie wild in meinem Brustkorb, denn das was ich da hörte, war genau das was ich mir erhofft hatte: ein treibender MANOWAR-Stampfer in bester Blood of my Enemies-Tradition mit mächtigen Chören und einem eingängigen Refrain. Genau so liebe ich meine vier stählernen Krieger, genau das ist der Sound, den ich von den Jungs hören möchte. Und für ein paar Minuten glaubte ich wirklich, dass meine Träume dieses Album betreffend wahr werden würden.

Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Denn bereits mit Fight for Freedom zeigte sich die Band wieder von einer Seite, mit der ich so gar nichts anfangen kann. Fast schon musicalmäßig beginnt der Song recht ruhig und steigert sich zu einem furchterregenden Schlager-Refrain, der auch schon Courage zu einem der schrecklichsten MANOWAR-Songs der Bandgeschichte werden ließ.

Nach diesem Schock ist das Puccini-Opernstück Nessun Dorma eine echte Wohltat, bei der Eric Adams mal wieder seine ganze Klasse zeigen darf. Ja, er ist eben nach wie vor einer der besten Metalsänger, die es gibt und dennoch denke ich, dass es MANOWAR inzwischen eigentlich nicht mehr nötig haben, ständig ihre Klasse unter Beweis stellen zu müssen, denn genau so wirkt dieser Song letzten Endes auf mich: schaut was wir drauf haben! Im Gegensatz zu Uli Jon Roths SKY OF AVALON haben MANOWAR übrigens darauf verzichtet, den Song ins englische zu übersetzen und im italienischen Original belassen. Ein starker Gimmick-Song der meiner Meinung nach aber eher als spezieller Bonustrack auf das Album gepasst hätte.

Hoffnung, dass Warriors of the World dann aber doch noch ein episches Metalmeisterwerk werden könnte, gewann ich dann wieder mit Valhalla, dem mächtigen Orchesterintro zum Song Swords in the Wind, das sehr vielversprechend beginnt. Verdammt schwer legt das Stück los und vor allem Joey´s Bassteile geben Swords in the Wind zunächst eine enorme Tiefe. Die Wikingertexte passen da nur perfekt, doch dann mussten MANOWAR auch diesen Song leider mit einem viel zu verweichlichten Refrain ausstatten, der den grandiosen Ansätzen einfach nicht gerecht werden kann. Absolut schade, denn ich denke, dass dieses Stück durchaus das Potential gehabt hätte, eine der besten Kompositionen zu werden, die MANOWAR seit dem Kings of Metal-Album abgeliefert hat.

Und dann folgt das Grauen: An American Trilogy. Nein, nein, nein! So was will ich von dieser Band einfach nicht hören, und da mag Joey noch so ein großer Elvis-Fan sein! Irgendwo als Hidden-Bonus-Track, wäre das ganze ja ´ne witzige Sache, aber als reguläres Albumstück kommt mir hier leider nur das große Würgen. Schon alleine, wenn ich Eric Zeilen wie Oh I wish I was a Dixie singen höre zieht sich bei mir alles zusammen. Dieser Song war wirklich absolut unnötig.

Ähnlich entbehrlich ist dann leider auch das Orchesterstück The March ausgefallen, in dem die Band noch einmal ihre Liebe zur klassischen Musik deutlich machen wollte. Nun, ist ja ganz nett, aber wirklich ergreifend ist dieses Stück nicht gerade geworden und ich denke, dass MANOWAR damit auch keinen Klassikexperten vom Hocker reißen können. Da wäre mir ein witziges Joey-Bass-Solo doch ganz klar lieber gewesen.

Ein echter Lichtblick ist dann wieder die erste Singleauskopplung Warriors of the World United in seiner schlichten Genialität. Wirklich viel minimalistischer hätte die Band diesen Song nicht beginnen können und dennoch packt einen der einfache Beat vom ersten Moment und der mit MANOWAR-typischen Chören unterlegte Refrain ist endlich mal wieder ein echter Volltreffer, genauso wie der Battle Hymns-mäßige ruhige Mittelteil.

Da steigen doch wieder die Erwartungen und wenn man dann einen Titel wie Hand of Doom ließt, dann darf man doch auch einen entsprechend deftigen Song erwarten, der er aber leider nicht geworden ist. Ein guter Abgeh-Track mit einigen coolen Gesangsteilen – sicher. Aber im Grunde genommen halt eher MANOWAR-Durchschnitt ohne mit den alten Klassikern wirklich mithalten zu können.

Und genau dasselbe gilt auch für die beiden Abschlusssongs House of Death (in dem auch eine kleine Hommage an das geniale Bridge of Death eingebaut wurde) und Fight Until we die. Ganz klar gute Songs, aber weder haben MANOWAR mit diesen Stücken die Grenzen des Metal, noch den Bandsound an sich neu definiert, ganz im Gegenteil. Mit den drei harten Abschlusstracks ist die Band einfach noch mal auf Nummer sicher gegangen und hat das abgeliefert, was die Fans von MANOWAR gewohnt sind und was bisher auf dem Album noch keinen Platz gefunden hat. Ich erwarte da einfach mehr!

Mag ja sein, dass sich meine Herangehensweise an ein neues MANOWAR-Album über die letzten Jahre geändert hat und vielleicht erhebe ich auch die völlig falschen Ansprüche. Wenn ich mir dann aber wieder Alben wie Hail to England oder Into Glory Ride anhöre und wie schon früher in höheren Sphären schwebe, dann wird mir recht schnell klar, dass die Band nicht ganz unschuldig daran ist, dass ich mich für ihre neuen Werke nicht mehr derartig begeistern kann.

Ich für meinen Teil schaue den weiteren MANOWAR-Alben nun jedenfalls aus einem ganz neuen Blickwinkel entgegen. Denn auch wenn ich die Hoffnung nie so ganz aufgeben will befürchte ich, dass ich wohl nie mehr ein Album der Jungs zu hören bekommen werde, das mich in in seiner Ganzheit begeistern wird. Und das find ich einfach schade.

Fierce

Veröffentlichungstermin: 27.05.02

Line-Up:
Eric Adams—Vocals

Scott Columbus—Drums, Percussion

Karl Logan—Guitars, Keyboards

Joey DeMaio—Bass Guitars, Keyboards

Produziert von Manowar &Ronald Prent
Label: Nuclear Blast

Hompage: http://www.manowar.com

Tracklist:
1. Call to Arms

2. Fight for Freedom

3. Nessun Dorma

4. Valhalla

5. Swords in the Wind

6. An American Trilogy

7. The March

8. Hand of Doom

9. House of Death

10. Fight Until we Die

Fierce
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