LED ZEPPELIN: Physical Graffiti [3CD Deluxe Edition][Re-Release]

Der Re-Release von "Physical Graffiti" macht alles richtig und stürmt verdient die Charts.

Ja ja, ich hab nie den Hype um LED ZEPPELIN´s Doppel-LP Physical Graffiti verstehen können. Bei mir standen von Anfang an immer II und IV ganz vorne. Peinliche Ausrede: der kleine WOSFrank hatte das Album zu Ostern bekommen, der Osterhase kannte sich aus. Nur war der kleine WOSFrank so stolz darauf, dass er es ins Fenster stellte, damit es die ganze Welt sehen kann – und die pralle Frühlingssonne auch! Die verpasste den Platten ein eher psychedelisches Design im 75er Stil, das mit dem Abspielen hatte sich erledigt… Warum es nie nachgerüstet wurde, nun, wir reden von Zeiten, als die Rockmusik explodiert ist und so spannend war, dass man mit dem Taschengeld einfach nicht mehr hinterher kam. Man musste ja auf die Sabotage sparen, auf die Wish You Were Here und natürlich auf die heiß erwartete On The Level (gestern erst wieder gehört)! Siehste, solche Re-Releases sind doch gut, wenn sie große Alben zurück in Dein Leben bringen, egal ob nun Megaseller oder kultiges aus dem Underground. Denn warum Physical Graffiti immer als Meilenstein der Bandgeschichte abgefeiert wurde, das wird schnell klar. Keine Ahnung, warum so viele das Doppelalbum oft auf Kashmir reduzieren, sicher ein Klassiker epischen Hard Rocks, aber nur einer von vielen großen Songs auf dem Doppelalbum.

Mit dem simplen, zappelig-knackigen Rocker Custard Pie als Opener macht man es sich und den Fans einfach, catchy und melodisch hat The Rover mehr zu bieten, viele spätere Bands erkennt man in diesem Song. Dass LED ZEPPELIN an dem Punkt angekommen sind, wo sie eh machen können, was sie wollen, zeigt der 11-Minüter In My Time Of Dying, bluesig, spinnig, zappelig und dabei hoch interessant. Ja, irgendwie passt Houses Of The Holy besser in diese breite Sammlung auf einem Doppelalbum als auf das gleichnamige Album. Funky können sie auch, die Engländer, man ist ja fast mehr in den USA zuhause. Trampled Under Foot zuckt und zappelt, da glüht die heimische Tanzfläche. Das angeblich übermächtige Kashmir, natürlich ganz groß und eine Vorlage für alle späteren Epic-Rocker, aber eben doch nur einer von vielen großen Songs auf Physical Graffiti. Hätte ich damals gewusst, dass sich das zweite Album nach verschenkten zwei Minuten in einen der ersten Doom-Groover erhebt, In The Light wäre sicher ein Grund gewesen, das Album sofort neu zu kaufen. Dann hätte mich das kurze Akustikstück Bron-Yr-Aur sicher erfolgreich zum Träumen gebracht. Interessant auch Down By The Seaside, ein folkiger Country-Song trifft auf BEATLES-Melodien, den Mittelteil wird man einige Jahre später nochmal beim ALAN PARSONS PROJECT hören. Folgend gibt es simplen Rock`n´Roll und einen Schunkelboogie, bei Boogie With Sue haut Ian Steward, Mitgründer der ROLLING STONES, in die Pianotasten. Noch mehr Folk, ein kraftvoller Rausschmeißer, und es gibt The Wanton Song. Für mich ein oft übersehener Hard Rocker, so groovy, so knackig, ein heimlicher Klassiker. Es gibt auf dem Doppelalbum also weitaus mehr zu entdecken als nur Kashmir, jeder Song hat seinen eigenen Charme, die Band bewegt sich vollkommen frei nach Lust und Laune. Man hatte Songs aus vier Jahren gesammelt, und das hört man dem bunten Mix an.

Die Companion-CD kann natürlich nicht mehr überraschen, man weiß ja von den vorherigen Re-Releases, was man erwarten kann. Frühe Rough-Mixes von Trampled Under Food und In The Light unter anderen Arbeitstiteln, ein kurzer Einblick in die Grundidee zu Sick Again. Dazu weitere alternative Versionen, Hinhören lohnt sich. Das Booklet enthält tolle Bilder, die Verpackung ist der Original-Hülle angepasst mit den Einschubfenstern, die man nach Tageslaune wechseln kann. Schade, hätte man auch ein Bild vom kleinen WOSFrank mit reinpacken können! Ansonsten wie erwartet ein rundum gelungener Re-Release eines Doppel-Albums, das in keiner Rocksammlung fehlen sollte. Wie erwartet kann auch der Sound wieder überzeugen, da Mainman Jimmy Page den Grundsound mit Gefühl heutigen Erwartungen anpasst, ohne dass es auch nur Ansatzweise modern klingt. Man hat permanent das Gefühl, einen ganz großen Klassiker aus den 70ern zu hören, und nicht ein totproduziertes altes Album, das man unbedingt in die heutige Zeit hochpushen will. Das geht schließlich oft voll daneben, Beispiele gibt es ja genug.

Der Re-Release von Physical Graffiti macht alles richtig und stürmt verdient die Charts. Er erscheint auch als Download, als Doppel-CD bzw. Doppel-Vinyl sowie als Deluxe Edition mit drei Vinyl-Platten. Fans sollten natürlich wie gehabt zur Deluxe-Edition greifen. Die Companion-CDs mögen nicht essentiell wichtig sein, runden das Paket aber stimmig ab. Infos zu den Versionen gibt es in dieser hier:
News bei  vampster: LED ZEPPELIN – Re-Release von Physical Graffiti

Veröffentlichungstermin: 20.02.2015

Spielzeit: 39:25 / 43:34 / 41:32 Min.

Line-Up:
Robert Plant – Vocals
Jimmy Page – Guitars
John Paul Jones – Bass
John Bonham – Drums

Produziert von Jimmy Page
Label: Atlantic/Swan Songs/Warner Music

Homepage: http://www.ledzeppelin.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/ledzeppelin

Tracklist:
CD 1:
1. Custard Pie
2. The Rover
3. In My Time Of Dying
4. Houses Of The Holy
5. Trampled Under Foot
6. Kashmir

CD 2:
1. In The Light
2. Bron-Yr-Aur
3. Down By The Seaside
4. Ten Years Gone
5. Night Flight
6. The Wanton Song
7. Boogie With Stu
8. Black Country Woman
9. Sick Again

Companion LP:
1. Brandy & Coke (Trampled Under Foot – Initial Rough Mix)
2. Sick Again (Early Version)
3. In My Time Of Dying (Initial Rough Mix)
4. Houses Of The Holy (Rough Mix With Overdubs)
5. Everybody Makes It Through (In The Light Early Version/In Transit)
6. Boogie With Stu (Sunset Sound Mix)
7. Driving Through Kashmir (Kashmir Rough Orchestra Mix)