LED ZEPPELIN: IV [Re-Release][2CD Deluxe Edition]

Gäbe es nur ein LED ZEPPELIN-Album, es müsste dieses sein. Man mag von diesen Re-Release-Wellen denken was man will, diese Neuauflage ist klasse, Pflichtkauf!

Und weiter geht es mit der Re-Release-Reihe aus dem Haus LED ZEPPELIN, bei den Erfolgen der Wiederveröffentlichung der ersten drei Alben ja kein Wunder. Auch hier hat Gitarrist/Produzent Jimmy Page wieder selbst Hand angelegt und das Album mit Feingefühl klanglich überarbeitet, und auch hier gibt es wieder eine Bonus-CD mit alternativen Mixen und Outtakes. Ein Schlaumeier hat mich mal gefragt, warum sie nicht einfach einen Bonussong weglassen und die beiden eh kurzen CDs nicht auf eine packen, ist doch reine Geldmacherei. Also ich sehe das anders, find es so genau richtig. Wenn ich das Album hören will, dann will ich genau das hören, so wie immer, nur im schöneren Klangbild. Und wenn ich mir Gedanken machen will über die alternativen Versionen oder zu den Instrumental-Outtakes nicht schön aber laut den eh falschen Text mitsingen will, dann kommt die Companion Audio Disc ins Spiel bzw. in den Player. So halt auch hier beim vierten Album, das ja damals jeder nach Wunsch benannte, einfach IV, um bei den Durchnummerierungen der ersten drei Scheiben zu bleiben, andere nannten es Four Symbols nach den natürlich unaussprechlichen Symbolen auf dem LP-Label, für jeden Musiker eins. LEDDie Textfreie LP-Hülle des Originals – hier in der Neuauflage natürlich auch – war damals ein Stinkefinger Richtung Musikpresse, die sich von Beginn an gegen LED ZEPPELIN verschworen hatte. Und mit dem unklaren Titel war die Verwirrung perfekt arrangiert. Allgemein sorgte das Warten auf das neue Album für genug Gerede, immerhin hatten LED ZEPPELIN Ende 1970 mit III ein eher umstrittenes, unbeliebtes Album herausgebracht, während BLACK SABBATH mit ihrem fantastischen Debüt und bald darauf Paranoid ebenso wie DEEP PURPLE mit In Rock und Fireball genauso wie die immer etwas unterbewerteten URIAH HEEP mit den ersten LPs endgültig in den englischen Boden meißelten, was zur Grundlage der kompletten späteren Metal-Szene wurde. Konnten da LED ZEPPELIN Ende ´71 wieder aufschließen?

Fragen gab es dann keine mehr, ROBERT PLANT verspricht uns eindringlich, dass wir Schwitzen und Grooven werden, so sei es. Das Riff vom Opener Black Dog, eigentlich vom immer etwas unterschätzten , kreativen Basser John Paul  Jones, der sich oft nicht nur auf seine vier Saiten beschränkte, braucht einen Takt, und man ist wieder voll drin im LED ZEPPELIN-Modus. Alles was man bei III möglicherweise zu nörgeln hatte, Black Dog lässt es mit fettem Groove sofort vergessen. Damals unfassbar heavy, aus heutiger Sicht allenfalls Rock`n´Roll, wie auch der gleichnamige Song, von jedem Gitarristen meiner musikalischen Timeline garantiert öfter gecovert als Smoke On The Water. Beide Songs sind als Auftakt ein pures Kraftpaket, da ist das folkige The Battle of Evermore reine Entspannung. PLANT hatte anscheinend eine Vorliebe für Tolkiens Fantasiegeschichten, Jimmy Page zeigt noch deutlicher seine Verehrung für die heimische Folklore und greift zur Mandoline. Backing Vocals gibt es von Sandy Denny von den englischen Folkrockern FAIRPORT CONVENTION, die mit nur 31 Jahren nach einem Unfall  1978 verstarb.

Dann ist es soweit, die wahrscheinlich größte Rockballade aller Zeiten: egal ob Pop-Fan, Country-Rocker, Klassikfanatiker oder auch Death Metal-Zombie, bei Stairway To Heaven entschwebt wohl jeder Musikfan jeder Geschmackslinie seinem Alltag, wie viele spätere Hard`n´Heavy-Helden mögen zu diesen ergreifenden Tönen gezeugt worden sein. Ein Jahrhundertkuschelklassiker, der sich von zarten Beginn bis zum eigentlich ungeplanten ausufernden Gitarrensolo so konstant, harmonisch und eindringlich steigert und so die Passform für alle folgenden Rockballaden festlegte – die aber so gut wie nie annähernd erreicht wurde. Hm, warum möchte ich genau jetzt QUEENSRYCHE´s Silent Lucidity hören? Egal, wir sind bei LED ZEPPELIN: Misty Mountain Hop klingt so komisch, irgendwie kaputt, Four Sticks so funky und zappelig, die Engländer sind auf ihrem musikalischen Höhepunkt, machen und können alles, egal was die Fans erwarten, LED ZEPPELIN können immer noch überraschen. Entspannung wieder mit zarten, großen Folk-Tönen, Going To California klingt nach Fernweh, Sehnsucht, Hippieschönheiten und Sonnenuntergang am Strand. Bluesig zäh mit Slideguitar und rückwärts gespielter Harmonika beendet das lange When The Levee Breaks ein Album, das nicht umsonst als eines der allergrößten Monumente der Rockgeschichte gilt, in den USA sogar das drittmeistverkaufte Album überhaupt ist. Es kann keine Rock- und Hard`n´Heavy-Sammlung geben, wo dieses Album fehlt, und wenn doch, dann muss diese unverständliche Lücke spätestens mit diesem Re-Release gefüllt werden.

Dann wird man auch mit einem guten Sound belohnt. Was mir persönlich sehr gut gefällt, bezogen auf die gesamte bisherige Re-Release-Reihe: Technisch kann man heute jede Müllaufnahme aufpusten bis zum Boxenkiller. Jimmy Page hingegen ist bei den Aufnahmen mit viel Feingefühl vorgegangen, der neue Mix ist differenzierter, sauberer, aber nicht totpoliert oder überproduziert. Und auch hier hat er sich wieder für die Bonus-CD andere Versionen der Songs vorgenommen und ins rechte Licht gestellt. Black Dog bekam weitere Gitarrenspuren verpasst und klingt dadurch fetter, fast so, wie man es sich für alle härteren Songs der Band wünschen könnte. Auch die beiden Folksongs klingen durch massiven Mandoline/Gitarreneinsatz voller, Stairway To Heaven hingegen irgendwie introvertierter, zurückhaltender als das eh schon ergreifende Original, eine sehr schöne Version! Das macht halt diese Companion Audio Discs in dieser Re-Release-Reihe aus: es macht einfach Spaß, hier mal genauer hinzuhören und dadurch auch die Größe der Originale neu zu entdecken.

IV oder auch Four Symbols gehört in jede Rock- und Heavy-Sammlung, sehr gern in Form dieses Re-Releases, dabei natürlich die 2CD-Deluxe-Version. Gäbe es nur ein LED ZEPPELIN-Album, es müsste dieses sein. Man mag von diesen Re-Release-Wellen denken was man will, diese Neuauflage ist klasse, Pflichtkauf! Passend zu den Re-Releases hat das ROLLING STONE-Magazin gerade eine lesenswerte Sammlerausgabe über LED ZEPPELIN herausgebracht.

Veröffentlichungstermin: 24.10.2014

Spielzeit: 42:38 / 40:35 Min.

Line-Up:
Robert Plant – Vocals
Jimmy Page – Guitars, Mandoline
John Paul Jones – Bass, Piano, Mandoline
John Bonham – Drums

Gäste:
Sandy Denny – Backing Vocals (3)

Produziert von Jimmy Page
Label: Swan Song / Atlantic Records / Warner

Homepage: http://www.ledzeppelin.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/ledzeppelin

Tracklist:
1. Black Dog
2. Rock And Roll
3. The Battle of Evermore
4. Stairway To Heaven
5. Misty Mountain Hop
6. Four Sticks
7. Going To California
8. When The Levee Breaks

Companion Audio Disc
1. Black Dog – Basic Track With Guitar Overdubs
2. Rock And Roll – Alternate Mix
3. The Battle Of Evermore – Mandolin/Guitar Mix From Headley Grange
4. Stairway To Heaven – Sunset Sound Mix
5. Misty Mountain Hop – Alternate Mix
6. Four Sticks – Alternate Mix
7. Going To California – Mandolin/Guitar Mix
8. When The Levee Breaks – Alternate UK Mix