LED ZEPPELIN: In Through The Out Door – Deluxe Edition [2CD][Re-Releases]

Aus unbefangenem Blickwinkel gibt es ein paar durchaus gelungene Songs, die aber kaum wiederspiegeln, wofür diese große, wegweisende Band steht. Das heißt nicht, dass man dieses Album nicht haben sollte, es rundet die Sammlung natürlich stimmig ab.

Keine Frage, Presence, das siebte Studioalbum der Rock-Dinos LED ZEPPELIN durch den Re-Release neu zu entdecken, das hat sich definitiv gelohnt. Höchste Zeit also, auch dem letzten echten, mir bisher unbekannte Album In Through The Out Door die Chance zu geben. Wo der Vorgänger unter schwierigen Voraussetzungen entstand wie dem Unfall von ROBERT PLANT, wenig Zeit, Unsicherheit, ob man als Band überhaupt weiter machen will, drehte sich hier wieder mal alles anders. Der Punk war fett angesagt als Gegenbewegung zu den ach so edlen Superstarbands, und das Interesse an LED ZEPPELIN war in ihrer Heimat England drastisch gesunken. Dazu kamen Probleme wegen fehlender Steuerzahlungen und ausbleibenden Touren. Jimmy Page und John Bonham waren voll in der Krise, Alkoholexzesse und Heroinmissbrauch haben vor allen bei den beiden Spuren hinterlassen. Robert Plant war halt nur Sänger, konnte instrumental nicht viel beisteuern, so konnte und wollte sich hier Basser John Paul Jones voll ausleben, der auf Presence ungewohnt zurückhaltend war als Song- und Soundtüftler und dort nur einen guten Bassisten ablieferte. So beruht das Album weitestgehend auf die Zusammenarbeit von Jones und Plant. Aufgenommen wurde Ende 1978, diesmal in Stockholm, erschienen ist das Album erst im August 1979.

Das Album lässt dann schnell erkennen, das hier was falsch oder zumindest anders läuft, je nach persönlichem Geschmack. In The Evening zeigt sich noch als gut reinlaufender Rocker, als wollte man den Fans zuhause im UK zeigen wir sind immer noch LED ZEPPELIN!. Ein kurz eingeschobener psychedelischer Moment, noch dezent aber durchgehend mitwabberde Keyboards, ein neuer Roland-Synthesizer war das erklärte Lieblingsspielzeug von John Paul Jones bei den Aufnahmen. Mit South Bound Saurez ein schmissiger Boogie-Woogie mit reichlich Pianoeinlage, der eher zu Bands wie SLADE oder SAILOR gepasst hätte als zu Urvätern des Hard Rock. Fool In The Rain als einzige Single, Plant liegt gern mal stimmlich voll daneben, alles klingt betont amerikanisch, wenn man dann noch locker-flockig Jamaica-Flair aufkommen lässt, Idee gut, Umsetzung na ja… Die B-Seite Hot Dog, muss Plant jetzt auch noch den ELVIS machen??? Nett, lustig, die Band hat sicher ihren Spaß, LED ZEPPELIN mit zuckersüßen female Backvocals, swingendem Beat, müssen denn alle Rocker Grease-Fans sein? Das überlange Carouselambra, eine Überdosis an Synthesizerspielereien, da greift man doch lieber gleich zu MIKE OLDFIELD oder JEAN MICHEL JARRE. Wieder ein Quoten-Psychedelic-Part, der viel zu schnell wieder kitschig weggedingelt wird. Den Song All My Love widmete Robert Plant seinem Sohn Karac, der 1977 mit nur fünf Jahren an einem Virusinfekt gestorben war. Ein netter Song, wenig überraschend getragen von zu viel Keyboards mit gruseligem, damals natürlich voll up-to-date Synthie-Fanfaren. Wie man wirklich ergreifende Balladen schreibt, das haben die Herren doch oft genug gezeigt. Beim abschließenden, bluesigen I´m Gonna Crawl erkennt man dann doch nochmal, wo man hier gerade ist. Bluesig, auch eher schmalzig als intensiv, aber zumindest mal mit tragenden Gitarren. Hier wird einem klar, wie massiv sich der fehlende Input von Jimmy Page ausgewirkt hat und der fehlende Punsch von John Bonham, der zum Gesamtsound auch kaum gepasst hätte. Hier spielt er eher ein zurückhaltendes, fast Lustloses Drumming, das natürlich hin und wieder trotzdem aufhorchen lässt. Gleich drei Songs haben es gar nicht mehr auf das Album geschafft, eher aus Platzgründen, Wearing And Tearing, Darlene und Ozone Baby finden sich letztendlich doch noch auf dem allerletzten LED ZEPPELIN-Album Coda. Letztendlich hatten Jimmy Page und Bonzo Bonham den Plan, danach wieder ein echtes Rock-Album zu machen. Durch den Tod von John Bonham am 25. September 1980 ist dies ja leider nicht mehr möglich gewesen.

Unübersehbar, die ehrliche Begeisterung für den gesamten Katalog der LED ZEPPELIN-Alben und somit auch der gelungenen Re-Release-Reihe hält sich hier nun doch in Grenzen. Im Vergleich zu den wirklich großen Klassikern und auch zur Resteverwertung auf dem allerletzten LED ZEP-Album Coda steht In Through The Out Door gaaanz weit hinten an. Für den bisher ausnahmslos gezogenen Pflichtkauf reicht es hier nur mit Sicht auf eine komplette Sammlung. Als Entscheidungshilfe mag sicher auch wieder die Companion-CD beitragen, die wie bisher natürlich auch wieder von Jimmy Page remasterte alternative bzw. unveröffentlichte Versionen der Albumsongs enthält. Auch hier gibt es wie beim Vorgänger nur dezent andere Versionen der Albumtitel als Rohmix, wirklich spannende Entdeckungen wie bei den Re-Releases der ersten Alben gibt es auch hier nicht.

Genörgele hin oder her, In Through The Out Door verkaufte sich damals vor allem in den USA hervorragend und belagerte erfolgreich dort die Charts. Aus unbefangenem Blickwinkel gibt es ein paar durchaus gelungene Songs, die aber zumindest an mir trotz zahlloser Durchgänge eher kalt vorbei gehen und kaum wiederspiegeln, wofür diese große, wegweisende Band steht. Das heißt nicht, dass man dieses Album nicht haben sollte, es rundet die LED ZEPPELIN-Sammlung natürlich stimmig ab, wer will die schon unvollständig haben bei einer so wertigen Reihe an Re-Releases. Wer das Album eh stehen hat, der sollte aber zumindest nochmal reinhören und für sich entscheiden, ob sich ein Nachrüsten wegen des Remasters lohnt. Freunde eben dieses Albums wird es sicher genug geben. Zumal die Aufmachung wieder recht nett ist, diesmal kommt die Deluxe-Version wie schon die originale LP in einer Versandtasche, mit der man als Sammler und Liebhaber aber vorsichtig hantieren sollte. Gehört man nicht zu diesem Kreis, dann kann man hier ausnahmsweise mal ohne allzu schlechtes Gewissen auch einfach zur einfachen Albumversion greifen, wegen dem guten Sound natürlich aber zum Re-Release!

Veröffentlichungstermin: 31.07.2015

Spielzeit: 42:37 / 42:52 Min.

Line-Up:
Robert Plant – Vocals
Jimmy Page – Guitars
John Paul Jones – Bass
John Bonham – Drums

Produziert von Jimmy Page

Label: Swan Songs/Warner Music

Homepage: http://www.ledzeppelin.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/ledzeppelin

Tracklist:
1. In The Evening
2. South Bound Saurez
3. Fool In The Rain
4. Hot Dog
5. Carouselambra
6. All My Love
7. I´m Gonna Crawl

Companion-CD:
1. In The Evening (Rough Mix)
2. Southbound Piano (South Bound Saurez – Rough Mix)
3. Fool In The Rain (Rough Mix)
4. Hot Dog (Rough Mix)
5. The Epic (Carouselambra – Rough Mix)
6. The Hook (All My Love – Rough Mix)
7. Blot (I´m Gonna Crawl – Rough Mix)