LED ZEPPELIN: Coda – Deluxe-Edition [3CD][Re-Release]

Das letzte Album der Reihe ist natürlich auch ein Pflichtkauf, zumal "Coda" als reine Resteverwertung durchaus das ein oder andere reguläre Album in den Schatten stellt.

Die Re-Release-Reihe der LED ZEPPELIN-Studioalben hat sicher jeden Fan und so manchen Jung-Rocker begeistert, aber wie so oft geht halt jedes Fest mal zu Ende. So soll nun mit dem letzten offiziellen Album Schluss sein, wobei Coda ja kein übliches Bandalbum war. Nach dem Tod von Drummer John Bonham 1980 wollte die Band nicht weitermachen, der Vertrag des Bandlabels Swan Song mit dem Riesen Universal Records forderte aber noch ein weiteres Album. So zog Jimmy Page noch nicht veröffentlichte Aufnahmen von Studiosessions und Liveaufzeichnungen aus der ganzen Bandhistorie zusammen, um eben jenes Album Ende ´82 abliefern zu können.

Ok, irgendwie reichte es nur für acht Songs, aber der Deal mit Atlantic war erledigt, und die Songs waren viel zu gut, um ungehört zu bleiben. Das kurze, feurige We´re Gonna Groove aus den Sessions zum zweiten Album heizt gleich ordentlich ein. Genauer ist dies eine Liveaufnahme, bei der die Gitarren im Studio neu eingespielt wurden, vielleicht wirkt der Song deshalb so knackig und lebendig. Poor Tom, etwas folkig, aus Led Zeppelin III-Zeiten, ganz nett. I Can´t Quit You Baby, ein richtig cooler Blues, mitgeschnitten beim gleichen Konzert wie We´re Gonna Groove, aber echt und herrlich lebendig, obwohl das Publikum ausgeblendet wurde. Die Gitarren von Page, wild und laut, da weiß man schnell wieder, was einem beim letzten Album In Through The Out Door so vermisst hat! Walter´s Walk, ein knackiger Rocker, hörbar aus der Houses Of The Holy-Zeit. Ozone Baby, Darlene und das abschließende Wearing And Tearing sind Überreste aus der Session zu In Through The Out Door, allesamt echte Rocker ohne Synthiegewabbere. Sowas auf dem Originalalbum, und so mancher Fan hätte seine Freude daran gehabt. Krass, mit wie viel Southern Rock Darlene daher kommt, man denkt eher an Rock`n´Rollende LYNYRD SKYNYRD oder auch an die ALLMAN BROTHERS oder auch THE BLACK CROWES als an LED ZEPPELIN. Wearing And Tearing hingegen kommt so wild und ungezügelt, da wollte man wohl auch ein paar Fans der aktuellen Punk-Welle wieder auf das Luftschiff aufmerksam machen. Letztendlich war es ja der Wunsch von Jimmy Page und Drumgott Bonzo Bonham, als nächstes endlich wieder ein deutlich rockigeres Album zu machen. Daraus wurde bekanntlich nichts, Bonham wurde am 25. September 1980 im Haus von Jimmy Page tot aufgefunden, der Teufel Alkohol hatte sich das Vorbild für so viele Drummer endgültig geholt. Ohne ihn wollte die Band nicht weiter machen, vielleicht war man auch froh, sich aus den festgefahrenen LED ZEPPELIN-Flugbahnen befreien zu können. Aber Bonham wird auch auf Coda nochmal gewürdigt, mit Bonzo´s Montreux gibt es eine Aufnahme, die aus einem Schlagzeugsolo besteht, das Jimmy Page mit ein paar Spielereien aufgepeppt hat. Hier zeigt sich wieder, wie groß Bonzo war, dieses Solo ist fast ein eigenes Lied und erzählt eine eigene Geschichte, was für ein Drummer, was für ein Verlust! Zum Album Coda kann man ganz klar sagen, dass es keine billige Resteverwertung war, dass die Band selbst in alten Schubladen noch genug große Lieder hatte, viel zu schade, um dort ungehört zu vergammeln. Somit eine gute Idee, die Bandgeschichte hiermit zu beenden, anstatt zwangsweise irgendwas neu aufzunehmen mit einem neuen Drummer. Ein runder Abschluss, eine LED ZEPPELIN-Sammlung ohne Coda ist undenkbar!

Die Deluxe-Edition zu Coda wird mit gleich zwei Companion-CDs beworben. Auch hier gibt es wieder Rohmixe, alternative Versionen usw. von teils unveröffentlichten Aufnahmen, die über die Jahre liegengeblieben waren, teils noch mit anderem Arbeitstitel. If It Keeps On Raining, die Urfassung von When The Leeve Breaks als Rough Mix, wurde ja bereits im Vorfeld als Appetizer für die Re-Releases veröffentlicht. John Bonham bei einer Frühversion auf der Suche nach dem richtigen Mix von seinem Bonzo´s Montreux zuzuhören ist interessant. Baby Come On Home klingt mehr nach Beat Club und tanzenden 60ties-Miezen als nach den Rock-Dinos LED ZEPPELIN, wie auch das zappelige Sugar Mama, beide unveröffentlicht aus der Session zum Debütalbum übriggeblieben. Sehr cool auch der Travelling Riverside Blues aus einer BBC-Session im magischen Sommer ´69, auf das WOODSTOCK Festival hätten LED ZEPPELIN natürlich gut gepasst. Allein für diese Songs lohnt sich schon die Zusatz-CD. Die zweite Zugabe lädt uns ein, mit den Herren gleich zweimal nach Indien zu reisen, nett anzuhören, ein gut präsenter exotischer Trip für zwischendurch. Aufgenommen haben Four Hands (angelehnt an Four Sticks vom vierten Album) und Friends (von III) Page und Plant ´72 auf einem Indientrip, passend mit dem Bombay Orchestra. Dazu gibt es einige Rohmixe von härter rockenden Band-Oldies. Hm, bei Walter´s Walk muss ich nun an frühen MOTÖRHEAD-Rumpel-Rock denken, natürlich wurden auch die von LED ZEPPELIN beeinflusst. Bei diesem Bonus-Material macht es definitiv wieder mehr Spaß, genauer hinzuhören als vielleicht auf den letzten beiden Re-Releases Presence und In Through The Outdoor, da ist der Griff zur Deluxe-Version unverzichtbar. Aber: das mit den zwei Companion-CDs ist Bauernfängerei, das Material hätte sehr gut und stimmig auf eine CD gepasst.

Die Re-Release-Reihe der Studioalben von LED ZEPPELIN war fantastisch, keine Frage, gerade auch wegen des von Jimmy Page mit Feingefühl verbesserten, aber nicht aufgeblasen wirkenden guten Sounds und den zahlreich zu findenden Raritäten auf den Companion-CDs. Da ist das letzte Album der Reihe natürlich auch ein Pflichtkauf, zumal Coda als reine Resteverwertung durchaus das ein oder andere reguläre Album in den Schatten stellt. Auch die Aufmachung mit reichlich Bildern aus der Bandgeschichte, wie eben bei der Original-LP, ist super, dazu gibt’s ein Booklet, ebenfalls mit Bildern und ausführlichen Credits. Und auch hier ist wieder der Griff zur Deluxe-Edition Pflichtprogramm!

Veröffentlichungstermin: 31.07.2015

Spielzeit: 33:05 / 30:40 / 33:29 Min.

Line-Up:
Robert Plant – Vocals
Jimmy Page – Guitars
John Paul Jones – Bass
John Bonham – Drums

Produziert von Jimmy Page

Label: Swan Songs/Warner Music

Homepage: http://www.ledzeppelin.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/ledzeppelin

Tracklist:
1. We´re Gonna Groove
2. Poor Tom
3. I Can´t Quit You Baby
4. Walter´s Walk
5. Ozone Baby
6. Darlene
7. Bonzo´s Montreux
8. Wearing And Tearing

Companion-CDs:
CD 1:
1. We´re Gonna Groove (Alternate Mix)
2. If It Keeps On Raining (When The Leeve Breaks – Rough Mix)
3. Bonzo´s Montreux (Mix Construction In Progress)
4. Baby Come On Home
5. Sugar Mama (Mix)
6. Poor Tom (Instrumental Mix)
7. Travelling Riverside Blues (BBC Session)
8. Hey, Hey, What Can I Do

CD 2:
1. Four Hands (Four Sticks – Bombay Orchestra)
2. Friends (Bombay Orchestra)
3. St. Tristan´s Sword (Rough Mix)
4. Desire (The Wanton Song – Rough Mix)
5. Bring It On Home (Rough Mix)
6. Walter´s Walk (Rough Mix)
7.Everybody Makes It Through (In The Light – Rough Mix)