KROKUS: Hellraiser

KROKUS klingen auch anno 2006 frisch wie in den guten alten Zeiten – trotz erneuter Besetzungswechsel.

Das schweizer Uhrwerk ist trotz vieler Rückschläge einfach nicht kaputtzukriegen – und das ist gut so. Dass Besetzungswechsel in der Band keine Seltenheit sind und waren, dürfte bekannt sein, nur war die Anspannung vor dem Release des nunmehr 15. Albums wohl gleichermaßen bei Fans und Band groß. Wie kann man den Abgang von Fernando von Arb kompensieren, der bis auf dem Debut Krokus auf allen Alben zu hören war und die Band sprichwörtlich ins neue Jahrtausend rettete?

Die gute Nachricht: KROKUS klingen auch anno 2006 frisch wie in den guten alten Zeiten. Mit Mandy Meyer (ex-ASIA, ex-GOTTHARD), Anfang der Achtziger schon einmal als Tourgitarrist für KROKUS aktiv, hat man absolut gleichwertigen Ersatz für von Arb gefunden und mit Stefan Schwarzmann (ex-U.D.O., ex-HELLOWEEN, ex-ACCEPT, ex-RUNNING WILD) einen Drummer, der seinen Vorgänger Patrick Aeby technisch locker in die Tasche steckt.

Nach dem Opener Hellraiser dürfte eigentlich jeder Fan breit grinsen: KROKUS klingen nach wie vor nach KROKUS. Schnörkelloser, grooviger, rifforientierter, purer Hardrock. Too wired to sleep schließt nahtlos an den Titeltrack an und macht einfach nur gute Laune. Rocker a la Midnite fantasy und Justice grooven sich im Midtempo durch die Gehörgänge und bleiben dort auch hängen. Langsamere, teils balladeske Momente wie Hangman, Angel of my dreams (Singleauskoppelung) oder So long lassen den Zuhörer kurz durchschnaufen, ehe es mit Uptempo-Granaten wie No risk no gain, Spirit of the night (endlich wieder Doublebass) oder Rocks off wieder in die Vollen geht. In Fight on werden teils auch düstere Momente eingestreut und in Love will survive wagt man sich auch in Boogie-Gefilde vor.

KROKUS bieten auf Hellraiser einen bunten Blumenstrauß, in dem sämtliche Tempi und Stimmungen vorhanden sind. Einziger Wermutstropfen ist, dass mit Angel of my dreams der schwächste Song als Single veröffentlicht wurde. Hangman oder Love will survive wären besser gewesen, oder gleich mal wieder einen richtigen Rocker wie Hellraiser oder No risk no gain.

Auch wenn das Album Rock The Block von 2003 alles in Allem noch einen Tick besser war, ist Hellraiser ein starkes, frisches, toll produziertes Album geworden, das zeigt, dass KROKUS noch lange nicht zum alten Eisen gehören.
Von diesem hoffentlich länger bestehenden Line-Up darf man noch Einiges erwarten und für all diejenigen, die KROKUS immer wieder als AC/DC-Plagiat oder AC/DC für Arme (was für ein Schwachsinn) abstempeln, sei gesagt: Das hohe Level der beiden letzten KROKUS-Scheibchen muss AC/DC erst einmal erreichen. Punkt.

Der limitierte Digipack enthält übrigens zudem einen Bonustrack (Walking In The Spirit), Wallpapers und zwei Videos (Livemitschnitte von Hellraiser und Rock City aus dem Jahre 2005).

Gastreview von Metallmonster

Veröffentlichungstermin: 15.09.2006

Spielzeit: 58:35 Min.

Line-Up:
Vocals: Marc Storace
Lead Guitar: Mandy Meyer
Rhythm Guitar: Dominique Favez
Bass: Tony Castell
Drums: Stefan Schwarzmann

Produziert von Dennis Ward
Label: AFM Records

Homepage: http://krokusonline.seven49.net

Tracklist:
1.Hellraiser
2.Too wired to sleep
3.Hangman
4.Angel of my dreams
5.Fight on
6.So long
7.Spirit of the night
8.Midnite fantasy
9.No risk no gain
10.Turnin´ inside out
11.Take my love
12.Justice
13.Love will survive
14.Rocks off
15.Walking in the spirit (Bonus Track)