KILLSWITCH ENGAGE: Killswitch Engage [2009]

Ein gelungener Befreiungsschlag, den nur die glattgebügelte Produktion ein wenig abbremst.

Seien wir mal ehrlich, nach dem hochklassigen Vorgänger war das streckenweise unfertig wirkende “As Daylight Dies” vor drei Jahren eine mittelschwere Enttäuschung. Eine halbherzige Fortsetzung des grandiosen “The End Of Heartache“, das in vielerlei Hinsicht auf der Stelle trat und vor allem eines klar stellte: KILLSWITCH ENGAGE steuerten mit ihrem Metalcore direkt in eine Sackgasse, aus der sie ohne entsprechende Kurskorrektur nicht wieder herauskommen würden. Offenbar war das dem Quartett aus Massachusetts selbst bewusst geworden, denn der Befreiungsschlag, die unabdingbare Neuausrichtung, findet nun mit dem zweiten selbst betitelten Album statt.

Dabei sollte man den Begriff Neuausrichtung aber nicht überbewerten. KILLSWITCH ENGAGE sind immer noch KILLSWITCH ENGAGE und bleiben auch 2009 ihren eigenen Trademarks treu. Dennoch schafft es die Band durch einen unverbrauchten Ansatz und interessante Stilelemente so frisch wie lange nicht mehr zu klingen. Davon zeugt bereits der geradlinige Opener “Never Again”, der direkt nach vorn geht und sich nicht in einem, für die Band typischen, epischen Chorus verheddert, sondern lediglich mit kurz-prägnanten Klargesang-Einsätzen den Song an sich an erste Stelle rückt.

In fast jedem Song dominiert Sänger Howard Jones

Aber natürlich muss man auch auf dem neuen “Killswitch Engage” nicht auf solch charakteristische Refrains verzichten. So gibt es mit dem ruhigen “The Return” und dem fast schon hymnischen “The Forgotten” mehr als genug Material zum Mitsingen. Überhaupt hat der Anteil an Klargesang im Gesamten stark zugenommen. Ob nun im stark schmalzigen “Lost”, beim göteborg-inspirierten “A Light In A Darkened World” oder im gedrosselten “Take Me Away”, nahezu in jedem Song dominiert schlussendlich Howard Jones’ Singstimme. Dass trotz seiner zweifellos grandiosen Leistung unweigerlich der Härtegrad der Scheibe leidet, ist ein Nebeneffekt, den man wohl oder übel in Kauf nehmen muss.

Bis zu einem gewissen Grad ist dies jedoch auch ein Produkt Brendan O’Briens. Der Produzent, der vor kurzem auch für den Sound von MASTODONs grandiosem “Crack The Skye” verantwortlich war, hat den neuen KILLSWITCH ENGAGE einen glatten, ja geradezu braven Sound verpasst. Ecken und Kanten sucht man vergebens; alles ist schön glatt gebügelt und versucht gar nicht erst aufzufallen. Das ist ein wenig ärgerlich, da dies die Platte im Gesamtbild fast schon zu rund und zu harmonisch klingen lässt. Da ist man letzten Endes vor allem Drummer Justin Foley zu Dank verpflichtet, der hinter seinem Kit sein Bestmöglichstes tut, um dem Album bei Songs wie dem klassischen “Reckoning” oder “I Would Do Anything” mit Blastbeats und allerlei Fills doch noch eine ordentliche Packung Härte zu verpassen.

“Killswitch Engage” ist etwas zu glatt geschliffen

KILLSWITCH ENGAGE ist ohne Zweifel ein gutes bis sehr gutes Album gelungen, das den Vorgänger weit hinter sich lässt und musikalisch definitiv den richtigen Weg eingeschlagen hat. Dass die Platte trotzdem nicht den gewünschten Hitcharakter vergangener Großtaten entwickelt, liegt hingegen nicht etwa am Recycling des Albumtitels oder dem eigentlich formidablen Songmaterial, sondern einzig und allein an der gefälligen und zu glatt geschliffenen Produktion. Irgendwie ironisch, findest du nicht?

Veröffentlichungstermin: 26.06.2009

Spielzeit: 38:32 Min.

Line-Up:
Howard Jones: Vocals
Adam Dutkiewicz: Guitar
Joel Stroetzel: Guitar
Mike D’Antonio: Bass
Justin Foley: Drums

Produziert von Brendan O’Brien
Label: Roadrunner Records

Homepage: http://www.killswitchengage.com

KILLSWITCH ENGAGE “Killswitch Engage” Tracklist

01. Never Again
02. Starting Over (Video bei YouTube)
03. The Forgotten
04. Reckoning
05. The Return
06. A Light In A Darkened World
07. Take Me Away
08. I Would Do Anything
09. Save Me
10. Lost
11. This Is Goodbye