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KEYS TO THE ASTRAL GATES AND MYSTIC DOORS / BLOODY KEEP / SANGUINE WOUNDS – s/t [Split-LP]

Was für eine schöne Überraschung: Von Grime Stone Records kommt eine vampirische Dreier-Split, auf der gleich drei vielversprechende Raw-Black-Metal-Projekte auf einmal einen ordentlichen Qualitätssprung machen und so richtig zu sich finden.

Alle drei hatte ich als Jäger obskurer Schätze im Internet natürlich längst auf dem Schirm, aber alle drei hatten mich bisher nicht begeistern können: zu räudig der Sound, zu uninteressant die Musik: KEYS TO THE ASTRAL GATES AND MYSTIC DOORS wollte ich wegen ihres innovativen Logos und des feisten Namens sehr gern haben, aber ich konnte kaum mehr als ein indifferentes Rauschen vernehmen; BLOODY KEEP, Abysmal Specters (OLD NICK, CURTA’N WALL) „seriösestes“ Projekt (wenn man beim Thema „Vampire“ von Seriosität sprechen möchte), hatte mich mit dem Album „Rats Of Black Death“, das sämtliche Räudigkeit produktionstechnisch über Bord warf und als Ausgleich dafür ein unfassbar hässliches Cover hatte, nachhaltig irritiert, und zwar nicht zum Guten; SANGUINE WOUNDS waren bislang an mir vorbei geflattert, ohne ihre Beißerchen nachhaltig in mir zu versenken.

Schlüssel zu den Astraltoren und mystischen Türen

Nun also diese Split – mit einem fantastischen Covergemälde ausgestattet und auf dem sympathischen Label Grime Stone, da hör ich doch mal rein, hab ich mir gedacht, und was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt. KEYS TO THE ASTRAL GATES AND MYSTIC DOORS eröffnen den vampirischen Reigen mit zwei bockstarken Hymnen triumphalen Black Metals (und leider einem Ambient-Stück), wie man ihn z.B. auch aus Russland kennen könnte, aber da man dort oft dummerweise nur äußerst wenige Berührungsängste mit Nazis hat, wenn es um Black Metal geht, mache ich da meist einen Bogen rum und freue mich dafür umso mehr, dass die Astraltore und mystischen Türen hier so sehr zum Faust-in-die-Luft-recken und Schunkeln verleihen, ohne dabei jedoch auch nur irgendeinen Anschein von Kommerz oder Pop zu verbreiten, denn es rauscht zwar nicht mehr die ganze Zeit, aber der Klang ist nach wie vor eher Kassettenrekorder als Hochglanzstudio, und das ist auch gut so, denn nur so gelingt die Illusion, mit dieser Musik in fremde, heroische Welten einzutauchen, so gut wie sie nun einmal gelingt.

Blutige Festung

BLOODY KEEP machen danach produktionstechnisch gegenüber dem Vorgänger einen Schritt zurück – interessanterweise ebenso wie ja auch CURTA’N WALL nach dessen Hochglanzalbum „YR GWYDDBWYLL“ – und dadurch direkt zwei nach vorne, denn so stört mich das künstliche Schlagzeug gar nicht mehr so dolle, und überhaupt hat der simple Ufftata-Black-Metal so einfach deutlich mehr Charme. Zusätzlich wird auch noch ein bisschen klar gesungen, was Abysmal Specter immer gut steht, und nach der flotten Hymne „A Death Alive“, bei der mich die Techno-Bassdrum noch stört, erzeugt „Students Of The Scholomance“ beinahe perfekt die Illusion eines Schrats, der im Wald auf Trommeln herum kloppt und dabei kreischt. Schön!

Blutrote Wunden

SANGUINE WOUNDS machen dann den Abschluss, und man fragt sich zwar zunächst, ob die einfach vergessen haben, das Mikro anzumachen oder ob das halt Kunst ist, kann sich die Frage aber eigentlich auch sparen, denn selbstverständlich ist das Kunst, wenn ein Riff die ganze Zeit wiederholt wird, darunter irre auf ein Drumset eingedroschen wird und irgendwo manchmal auch eine Stimme zu vernehmen ist, bis einer nach dem anderen damit aufhört, ohne dass sowas wie eine echte Songstruktur erkennbar gewesen wäre. Ich meine das ernst. Wofür Struktur, wenn man auch einfach mal hypnotisieren kann? Das Thema war Vampirismus, oder? Besonders schön ist das zweite Stück, „Follies Of Winters Past“, denn das fängt mit einem tief traurigen Doom-Riff an, ehe sich wieder ins melancholische Nirvana geschreddert wird.

Ja, was soll ich sagen, Raw Black Metal ist echt ein Thema für sich, aber eins, das mir immer mehr Freude macht; jedenfalls dann, wenn, wie hier, ein überzeugendes ästhetisches Konzept auf gute Songwriting-Skills und richtig viel DIY-Spirit trifft, ohne dabei zu vergessen, dass es sich immer noch um Musik handelt, die da gemacht werden will. Weitermachen!

Spielzeit: 37:27 Min.

Veröffentlichungsdatum: 06.02.2026

Label: Grime Stone Records

https://grimestone.bandcamp.com/album/keys-to-the-astral-gates-and-mystic-doors-bloody-keep-sanguine-wounds

Tracklist – KEYS TO THE ASTRAL GATES AND MYSTIC DOORS / BLOODY KEEP / SANGUINE WOUNDS

1. KEYS TO THE ASTRAL GATES AND MYSTIC DOORS – Silent Hands Upon Divine Failure
2. KEYS TO THE ASTRAL GATES AND MYSTIC DOORS – Sacrament For A Frozen Moon
3. KEYS TO THE ASTRAL GATES AND MYSTIC DOORS – Massacramist
4. BLOODY KEEP – A Death Alive
5. BLOODY KEEP – Students Of The Scholomance
6. SANGUINE WOUNDS – Spells To Open The Moribund Gates
7. SANGUINE WOUNDS – Follies Of Winters Past