HORNDAL: Lake Drinker

HORNDAL verfolgen mit “Lake Drinker” ihr interessantes Konzept um eine schwedische Industriestadt weiter, das musikalisch zwar gut umgesetzt ist, aber das Gefühl hinterlässt, als wäre noch mehr möglich gewesen.

Das spannendste bei HORNDAL ist eigentlich die Story, welche das Bandprojekt mit seinen Alben verfolgt. Denn hier werden (teils fiktive) Geschichten rund um den Niedergang der schwedischen Industriestadt Horndal erzählt. Hielt die Band auf ihrem Debütalbum “Remains” (2019) noch Rückschau und zeichnete den Anfang des Niedergangs der Stadt vor 40 Jahren nach, als eine Stahlfabrik schließen musste und die Einwohner dazu zwang, die Stadt zu verlassen, befinden wir uns mit dem neuen Album “Lake Drinker” in der Gegenwart. Diesmal eignet sich ein großes US-amerikanisches Unternehmen einiges an Land an, fällt Bäume, bezieht sehr viel Wasser aus dem örtlichen See und bringt die Stadt sprichwörtlich um. Ein Schicksal, das nicht einzigartig für Horndal ist, was etwa in “Ruhr”, einem der schwächeren Songs, mit weiteren Aufzählungen von Städten zum Ausdruck gebracht wird. Wie auch beim Debütalbum werden diabolische Kräfte in das reale Treiben eingebunden und eröffnen Raum für etwaige Metaphern.

HORNDAL drücken Wut, Kraft und Aufstand aus

Das dramaturgische Element, welches die Story vorsieht, findet musikalisch am ehesten in cineastisch begleiteten Passagen Einzug, was besonders in “Horndal’s Blodbad” äußerst gut gelingt und sich auch bei “The Black Wheel”, das zudem einen coolen Groove entwickelt, äußert. Ansonsten hat man es mit einer Mischung aus Sludge und Hardcore mit etwas Death Metal und Punk (“Kalhygget”) zu tun. Alleine durch diese Genre-Mischung schwingt schon etwas Wut, Kraft und Aufstand mit.

Doch mag einem die Musik nicht ganz so viel geben, wie es die zugrunde liegende Storyline und die Genre-Durchmischung imstande gewesen wäre. Dennoch sind die Songs keineswegs schlecht und bieten auch Abwechslung: das fängt beim guten Opener “Rossen” an, geht über leicht progressive Songs (“Growing Graves”) bis hin zu rockig angehauchten und nach MOTÖRHEAD riechenden Tracks wie “Town Burner”. Das hat schon alles Hand und Fuß, wenngleich der – thematisch passend – anklagende Gesang von Henrik Levahn fast durchgehend eindimensional ausfällt.

Aus “Lake Drinker” wäre noch mehr herauszuholen gewesen

“Lake Drinker” ist daher ein (lediglich) interessantes Album, aus dem gefühlsmäßig noch etwas mehr herauszuholen gewesen wäre. Vor allem, weil HORNDAL einen innovativen Zugang zu ihrem Album- und ja gar Bandkonzept haben. Und mit dieser Innovation kann die Musik noch nicht ganz mithalten, wenngleich das Album von der Qualität her schon im oberen Viertel der heurigen Releases einzuordnen ist.

Veröffentlichungstermin: 09.04.2021

Spielzeit: 45:52 Min.

Line-Up:
Henrik Levahn – Gesang & Gitarre
Fredrik Boëthius Fjȁrem – Gitarre
Erik Welén – Bass
Pontus Levahn – Schlagzeug

Gast-Musiker:
Johan Jansson (INTERMENT, DREADFUL FATE, Ex-CENTINEX, Ex-DEMONICAL) – Gesang (“Rossen”)
Pelle Jacobsson – Percussion, Arrangements
Christer Falk – Horn
Daniel Johansson – Horn

Produziert von Karl Daniel Lidén @ Iconic Studio Gröndahl in Stockholm

Label: Prosthetic Records

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/horndalmusic
Mehr im Netz: https://horndal.bandcamp.com

HORNDAL “Lake Drinker” Tracklist

1. Rossen (Lyric-Video bei YouTube)
2. Horndal’s Blodbad (Video bei YouTube)
3. The Uprising
4. The Black Wheel
5. Kalhygget
6. Ruhr
7. Growing Graves
8. Home
9. Thor Bear
10. Town Burner
11. Ormön