HOKUM: The Creation Of Pain

HOKUM: The Creation Of Pain

Das Artwork im Comic-Stil mag für ein Progressive Thrash Metal-Album ungewohnt sein, tritt angesichts der erstaunlichen Entwicklung der Freisinger Combo jedoch schnell in den Hintergrund. Was seinerzeit als verspielte Symbiose aus Death und Thrash Metal begann, nahm über die Jahre immer progressivere Züge an, ließ in der Folge den Death-Gehalt im Sand versinken und deutet jetzt mit neuem Sänger das an, was in Zukunft den Sound HOKUMs prägen dürfte.

Mit André Epperlein holten sich die Bayern nämlich einen Frontmann ins Boot, dessen Screams durchaus thrashlastig im Stil eines Phil Anselmo (PANTERA) geprägt sind und der zudem eine absolut formidable Singstimme besitzt. In der Folge räumte Rhythmusgitarrist Benjamin Geppert seinen Posten am Mikrofon und steuert auf „The Creation Of Pain“ nun die Backing Vocals bei.

HOKUM lassen den Grundstock unangetastet

Als Stilbruch sollte man „The Creation Of Pain“ dennoch nicht werten, denn auch wenn die Veränderungen im Vergleich zu „Pi“ tiefgreifend sind, so bleiben sie dennoch logisch und konsequent. In „Creation Of Pain“, „Soul Destroyer“ und „Eroded“ findet sich nach wie vor das charakteristische HOKUM-Riffing wieder, welches Eingängigkeit, Groove und Anspruch miteinander verbindet und keinen Zweifel am Ursprung des Materials lässt.

Der Grundstock blieb folglich weitgehend unangetastet: Beeindruckende Soli, virtuose Basslinien und kreatives Drumming sind zugleich Rückgrat und Markenzeichen von HOKUM, werden auf „The Creation Of Pain“ derweil durch neue Facetten und Experimente erweitert. Neben dem deutlich variableren Gesang sind das vor allem atmosphärische Passagen wie im fantastischen „Walking Ghost Phase“ und unverzerrte Parts, die in „Soul Destroyer“ und „Blacken“ im Verbund mit Andrés Gesang ein melancholisches Bild erschaffen, bis unbändige Wut durch die vertonte Verzweiflung bricht.

Doe Produktion von „The Creation Of Pain“ ist warm und transparent

Auch wenn es mit dem Titeltrack und „Eroded“ eine Reihe von knackigen Tracks gibt, so liegt der Schwerpunkt auf den ausladenden Brocken wie „Soul Destroyer“, dem Nackenbrecher „Inexorable“ sowie dem experimentellen „Born From Treason“, welches nicht nur Steffen Kummerer (OBSCURA) für die Backing Vocals ans Mikro bittet, sondern gleichzeitig ein wahnsinnig cooles Rock-Solo auffährt. Der Haken an der Sache ist nur, dass HOKUM durch diese Song-Monster die ohnehin leicht unscheinbaren „Dead End Into Doom“ und „Empery“ phasenweise komplett in den Schatten drängen und sich somit selbst einen kurzen Hänger im Mittelteil schaffen, der nicht hätte sein müssen.

Doch bleibt das Kritik auf hohem Niveau, welche durch das Werk als Ganzes weitgehend relativiert wird. Produziert wurde „The Creation Of Pain“ in den Freisinger Farm Studios, wo der Platte von Yogi Lang (RPWL), wie es sich gehört, ein transparenter und warmer Sound verpasst wurde. Zugegeben, das mag heutzutage ebenfalls vergleichsweise ungewohnt sein, aber negativ ist ein gesundes Maß an Nonkonformismus deshalb noch lange nicht. HOKUM beweisen das schließlich mit ihrem neuen Album gleich in mehrfacher Hinsicht.

Veröffentlichungstermin: 09.04.2011

Spielzeit: 54:45 Min.

Line-Up:
André Epperlein – Vocals
Benjamin Geppert – Guitar, Vocals
Michael Vogl – Guitar
Jonas Fischer – Bass, Vocals
Nicolai Retzlaff – Drums, Vocals

Produziert von Yogi Lang und HOKUM
Label: GoodDamn Records

Homepage: http://www.hokum.de

HOKUM „The Creation Of Pain“ Tracklist

01. Creation Of Pain
02. Inexorable
03. Born From Treason
04. Soul Destroyer
05. Dead End Into Doom
06. Empery
07. Walking Ghost Phase
08. Blacken
09. Eroded

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.