GREEN LUNG: Black Harvest

Krach-Bumm-Hardrock auf ZAKK WYLDEs Spuren aus dem verregneten Königreich, der einem schonmal zu viel werden kann, wenn man einen Stiefelknecht hat.

Das wummst ganz schön, was uns die jungen Briten mit der grünen Lunge da um die Ohren hauen! Die Gitarren braten wie die texanische Sonne und riffen fett wie ein Pick-Up Truck, dass einem direkt ein blonder Bart wachsen möchte. Mein Bart bleibt aber grau und weise und ist daher einigermaßen beeindruckt von den unerwartet ZAKK WYLDE-artigen Klängen aus dem verregneten Königreich.

Den DEEP PURLE-Vergleich aus dem Infoblatt kann ich nicht so recht nachvollziehen, ok, es gibt hier und da eine Orgel, aber das war es auch schon. Songs wie „Reapers Scythe“ oder gerade das leicht balladeske „Gravyard Sun“ klingen ganz klar nach OZZY und ZAKK, mit guter Laune auf Brachial-Hardrock-Party in den Hollywood Hills. Die leicht quäkige, aber durchaus überzeugende Stimme von Sänger Tom Templar tut da ein Übriges, diesen Eindruck maximal zu verstärken.

Das ist ja erst mal alles nichts Verwerfliches, das kann man machen, und es wird hier auch auf sehr hohem Niveau durchexerziert, musikalisch top, klasse Gitarren-Soli, alle erwartbaren Song-Struktur-Modelle werden abgedeckt. Es ist allerdings alles auch nicht besonders einzigartig oder extravagant.

Das einzige, das diese Platte rettet, ist dann vielleicht doch das leicht britische Element, das irgendwie hörbar in den Songs mitschwingt. Die Band erinnert zwar stark an den Hollywood-Hardrock, aber es gibt auch eine Ebene, die mich an THE CULT zur Zeit von “Sonic Temple” erinnert – man höre „Doomsayer“ – und dann eben doch das eine Prozent Einzigartigkeit ausmacht, das „Black Harvest“ über den Durchschnitt heraus- und von der amerikanischen Konkurrenz abhebt.

Ob das reicht, die Band dauerhaft in der Rotation zu halten oder ob der dicke Hose-Rock nicht schneller nervt als man die Cowboy-Stiefel ausgezogen hat, ist dann eine Sache, die jeder anders empfindet. Mir persönlich ist es etwas zu dick aufgetragen, zu viel Kawumm und Ramba Zamba, und daher immer hart an der Grenze der Erträglichkeit, vor allem was die übertriebene Breitwand-Produktion angeht. Die Drums müssen gefühlt 10 Meter groß gewesen sein, mit 100 Crash-Becken, jeweils von der Größe eines Kreis-Verkehrs in Bradford, waren aber vermutlich im Studio nur so groß wie ein Mausklick. Das ist nicht so meine Welt.

So bleibt es dabei, die M1 ist nicht die Route 66 und ein Mini ist kein Pickup Truck. Wer seinen Hardrock aber mit einer Überdosis Schmackes garniert haben möchte, der ist bei GREEN LUNG genau richtig.

Label: Svart Records

Release Date: 22 October 2021

Line-Up:

Tom Templar -Vocals
Joseph Ghast – Bass
Scott Black – Guitars
John Wright – Guitars
Matt Wiseman – Drums

GREEN LUNG “Black Harvest” Tracklist

1. The Harrowing
2. Old Gods
3. Leaders of the Blind (Stream bei Spoify)
4. Upon the Altar (Video bei YouTube)
5. Graveyard Sun
6. Black Harvest
7. You Bear the Mark
8. Reaper’s Scythe (Audio bei YouTube)
9. Doomsayer
10. Born to a Dying World

https://greenlung.bandcamp.com/album/black-harvest