FLOTSAM & JETSAM: No Place For Disgrace 2014

FLOTSAM & JETSAM: No Place For Disgrace 2014

Nun tun es also auch FLOTSAM & JETSAM: Neuaufnahmen von alten Alben sind immer eine schwierige Sache, bei der man eigentlich nur verlieren kann. Vor allem, wenn es um ein bei den Fans sehr beliebtes Album geht. Laut Band wollte man No Place For Disgrace aufgrund häufiger Nachfragen eigentlich remixen, konnte aber die Originalbänder nicht mehr auftreiben. Also entschied man sich daher dafür, dass Album einfach neu einzuspielen. No Place For Disgrace 2014 wurde ursprünglich, wie schon das letzte Studioalbum Ugly Noise über eine Fundraising-Kampagne vorfinanziert. Nun erscheint das Album auch über Metalblade. No Place For Disgrace 2014 wurde fast vom selben Line Up eingespielt, wie das ursprüngliche, 1988 erschienene Album. Lediglich Bassist Troy Gregory ist nicht an Bord. Stattdessen wurde der Bass von Mike Spencer eingespielt, der die Band damals kurz vor den Album-Aufnahmen verlassen hatte. Viel näher dran kommt man nicht ans Original-Line Up. Da auf der Bandhomepage allerdings noch Jason Ward als Bassist aufgeführt ist, gehe ich mal davon aus, dass Spencer nur für die Neueinspielung zur Band zurückgekehrt ist. Alles andere wäre auch albern, schließlich war Spencer nur von 1987 bis 1988 in der Band, während Jason Ward seit 1991 durchgehend an Bord ist.

Soviel also zum ganzen drumherum. Kommen wir mal zum wesentlichen. No Place For Disgrace ist eine herausragende Thrash-Scheibe, die eigentlich auf einer Stufe mit dem legendären Debüt Doomsday For The Deceiver steht. FLOTSAM & JETSAM sind eine dieser Bands, von denen ich persönlich gerne mehr unter dem ganzen jungen Thrash-Nachwuchs hätte. Die Band hat trotz des gebotenen Maßes an Härte immer Wert auf starke Melodien und Abwechslung gelegt. Da stehen straighte Thrasher neben einer Halb-Ballade wie Escape From Within, einem technischen, vertrackten Stück wie I Live You Die oder dem rockigen ELTON JOHN-Cover Saturday Night´s Alright (For Fighting). Ausfälle gibt es auf No Place For Disgrace nicht.

Änderungen am Original wurden nur dezent vorgenommen, sie sind aber durchaus vorhanden. So wird der Opener und Titelsong in der neuen Version etwas langsamer gespielt als im Original. Das fällt deutlich auf, wenn man beide Versionen mal direkt hintereinander hört. Bei der Halb-Ballade Escape From Within wurde das Intro mit der Sirene, der Krankenhausdurchsage und dem Herzschlagmesser, welches den Song im Original einleitet, in der neuen Version raus genommen. Auch die kurzen Piano-Einspieler bei Saturday Night´s Alright (For Fighting) haben es nicht auf die 2014er-Version geschafft, was ich ehrlich gesagt doch etwas schade finde.

Bei den ganz hohen Schreien geht Eric A.K. Anno 2014 ein kleines bisschen gezügelter zu Werke, singt dafür technisch insgesamt eine ganze Ecke besser. Das sind halt die Unterschiede, die auf der einen Seite das Alter, auf der anderen die Erfahrung machen. Auf jeden Fall ist seine Gesangsleistung mal wieder erste Sahne. Was die Produktion angeht, so klingt die neue Version kontrollierter, geschliffener und vielleicht etwas weniger rotzig. Beide Versionen haben ihren Charme und es macht sicher Sinn, die beiden parallel zu hören und zu vergleichen. Aber insgesamt hat das Sound-Update dem Album gut getan und es nicht verhunzt. Neben der Neueinspielung hat No Place For Disgrace auch ein neues Cover spendiert bekommen, welches quasi die Fortsetzung des ursprünglichen Covers darstellt. Eine coole Idee, wie ich finde. Alles in allem ist No Place For Disgrace 2014 eine gelungene Neueinspielung, und das Songmaterial ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Letztendlich läuft es auf die Frage hinaus, wie man generell zu Neueinspielungen von Klassiker-Alben steht. Wenn man solchen Unterfangen nicht generell kritisch gegenüber steht, dann hat man hier einen gutes Exemplar dieser Gattung.

Veröffentlichungstermin: 14.02.2014

Spielzeit: 59:12 Min.

Line-Up:
Eric A.K. – vocals
Edward Carlson – guitars
Michael Gilbert – guitars
Michael Spencer – bass
Kelly David-Smith – drums

Label: Metalblade Records

Homepage: http://www.flotsam-and-jetsam.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/flotsamandjetsam.official

Tracklist:
01. No Place for Disgrace
02. Dreams of Death
03. N. E. Terror
04. Escape from Within
05. Saturday Night´s Alright (For Fighting) (ELTON JOHN-Cover)
06. Hard on You
07. I Live You Die
08. Misguided Fortune
09. P. A.A.B
10. The Jones

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.