FEN: Dustwalker

Post Black Metal, der zunehmend seinen Weg in die Eigenständigkeit findet und sich an die Fersen der Genrespitze heftet.

Um FEN zu erschließen, braucht es Zeit. Denn die Stärke dieser Band war es noch nie, überfallartig mit prägnanten Riffs oder ungezügelter Metalraserei dich von ihrer Schönheit zu überzeugen. Vielmehr geschieht dies auf sehr subtilen Wegen. Wege, die durch Sumpflandschaften führen, deren Nebel manchmal so undurchsichtig scheint, dass man leicht vom rechten Pfade abkommen kann. Wege, die allerdings auch Umwege durch dunklen Forst in Kauf nehmen, nur um dich am Ende auf eisigen Bergspitzen mit einem fabelhaften Ausblick über die Natur zu entlohnen.

Mangelte es für meinen Geschmack bei den Vorgängern manchmal noch etwas an dieser Zielstrebigkeit, dir auch die verborgensten und zugleich naturbelassensten Ecken zeigen zu wollen, gelingt es FEN auf Dustwalker um ein Vielfaches besser, Songs mit entfaltender Nachwirkung zu schreiben. Dies liegt auch daran, dass man sich immer weiter von den schwarz metallischen Wurzeln entfernt, die ohnehin nicht wirklich zu den Stärken dieser Band gehören und dafür die Post-Rock/Shoegaze Parts eine erhöhte Bedeutung zukommen lässt. Durch diese Fokussierung, ähnlich wie bei ALCEST geschehen, gelingt es der Band für meinen Geschmack ein schlüssigeres Gesamtbild zu erzeugen. Bestes Beispiel für dieses Loseisen vom Black Metal ist der Song Spectre, der komplett ohne verzerrte Vocals auskommt, stattdessen mit tollen Gesangsharmonien aufwartet und in Verbindung mit Lap-Steel-Klängen eine behütete Country-Atmosphäre erzeugt, die sich aufgrund ihres melancholischen Touchs dennoch nahtlos in den Sound der Band einfügt. Das Outro gewinnt zwar mit seiner typischen Post-Rock-Steigerungsformel keineswegs Innovationspreise, doch verleiht die gelungene Ausführung dem Song einen würdigen Schlusspunkt, der in meinen Augen zu den intensivsten Momenten der gesamten Aufnahme gehört.

Eine ähnliche Konsequenz wie bei dem gerade beleuchteten Track sucht man zwar vergeblich im restlichen Material, doch können auch die metallischen Töne überzeugen. Auch wenn der Gesangsstil von Frontmann The Watcher besonders im Opener Consequence immer noch große Parallelen zu AGALLOCH offenbart, die auch daher resultieren, dass sich beide Bands auf eine atmosphärische Post-Black-Metal Bettung stützen, kann man von einer gesteigerten Eigenständigkeit FENs im weiteren Verlauf des Releases sprechen. Besonders Wolf Sun gelingt es im Refrain sich dem Vergleich mit den Amerikanern zu entziehen, indem man weniger auf folkige Melodien im Klargesang setzt und stattdessen auf zerbrechliche, teilweise hochtönende Ausdrucksformen, ähnlich zu finden im Shoegazing, zurückgreift.

Sicherlich muss man ein Freund dieser schwelgerischen und verträumten Musikrichtung sein, um Dustwalker durchgängig genießen und kleine Längen im Songwriting wohlwollend übersehen zu können. Denn nüchtern betrachtet variieren die Grundzutaten für den Stilmix, wie zum Beispiel das überwiegend träge Tempo und die sehr oft vertretenen Delay-Gitarrenwände nur in sehr geringem Maße. Und auch wenn es FEN gelingt, wie anfangs angesprochen, Songs mit längerfristiger Wirkung zu kreieren, sind nicht alle Tracks auf dem gleichen, hohen Niveau anzusiedeln. Besonders The Black Sound geht im Schlussspurt die Puste aus und verfügt über wenig Wiedererkennungswert.

Trotzdem erweist sich der eingeschlagene Pfad als der Richtige. Das zunehmende Zurücklassen des Black Metal Ballastes mit seinen gezwungen wirkenden Blastbeats und der damit in Hand gehenden verstärkten Konzentration auf den Gesang verschaffen der Band eine höhere Eigenständigkeit und größere Resonanz. Einfach ins Ohr gehende Musik zelebrieren FEN damit Anno 2013 immer noch nicht, aber wer erwartet dies schon angesichts der nochmals gesteigerten Komplexität, die sich in Titellängen jenseits der 10 Minuten niederschlägt?

Veröffentlichungstermin: 21.01.2013

Spielzeit: 66:40 Min.

Line-Up:
Derwydd – Drums
The Watcher – Vocals, Guitars
Grungyn – Bass, Vocals

Label: Code666

Homepage: facebook.com/fenofficial

Tracklist:
1. Consequence
2. Hands of Dust
3. Spectre
4. Reflections
5. Wolf Sun
6. The Black Sound
7. Walking the Crowpath
8. Epilogue (special edition bonus track)