EPICA: Consign to Oblivion

EPICA: Consign to Oblivion

Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, als die Holländer EPICA ihre Überbrückungs-CD We Will Take You With Us veröffentlichten und ich im Review die Warnung an die sympathische Combo ausgesprochen habe, bloß nicht dem gewinnmaximierenden Rufe vieler Konkurrenten zu folgen. Nun liegt endlich das ersehnte Zweitwerk der Mannen um Mastermind Mark Jansen (ex-AFTER FOREVER) und die genauso hübsche wie talentierte Sängerin Simone Simonis vor und ich war natürlich ziemlich gespannt, ob sich die Band durch die immensen Erfolge der letzten Jahre dazu inspirieren lassen würde, in die Fußstapfen ihrer Kollegen und Landsmänner von WITHIN TEMPTATION treten zu wollen.

Doch schon nachdem die ersten Tracks der neuen Scheiblette verstrichen sind, kann hier definitiv Entwarnung gegeben werden: EPICA haben trotz der Erfolge der oben beschriebenen Temptation widerstehen können, sich kommerzielleren Soundgefilden zuzuwenden, dabei nichts von ihrer Klasse eingebüßt und keines ihrer positiven Merkmale über Bord geworfen, sondern ihren mittlerweile deutlich eigenständigeren Stil weiter verbessern können. Textlich an der Maya-Kultur orientiert, sind die Kompositionen anno 2005 wesentlich durchdachter und bestechen durch ein immer wieder ergreifendes Wechselspiel aus Simones tollem Mezzosopran, den eingeschobenen Death Metal-Grunts Mark Jansens und bombastischen Chören, mit welchen die Band im Gegensatz zur Konkurrenz wirklich umzugehen weiß und die Songs nicht einfach unnötig aufplustert! Dieses musikalische Dreigestirn kreiert jedenfalls eine anspruchsvolle, eine spannungsreiche Klangwelt und es ist ganz besonders hervorzuheben, dass die Musik dadurch deutlich weniger eingängig als bei Genrekollegen erscheint und somit eine enorm hohe Halbwertszeit aufweisen kann. Klar, Hits gibt es auch auf Consign to Oblivion wieder, am deutlichsten stechen die balladesken The Last Crusade und Solitary Ground (mit tollen Ohrwurmrefrains!) sowie das dynamische Black Infinity hervor und trotz aller Eingängigkeit gibt es immer wieder verborgene, schier rätselhafte Parts, die erst nach mehreren Durchläufen den Anker ins Rezensentenohr auswerfen wollen. Unanfechtbares Highlight der Scheibe ist der zehnminütige Rausschmeißer Consign to Oblivion, der – so abgedroschen das auch wieder einmal klingen mag – alle Stärken der Band erfolgreich in sich vereint und zugleich den Schlusstrack der über das gesamte Album verteilten A new Age Dawns-Trilogie bildet. Streicher, Pauken und Gitarren werden hier jedenfalls so gekonnt aufeinander abgestimmt, das man sich eigentlich nur wünschen kann, dass die Holländer im Laufe ihrer noch jungen Bandkarriere irgendwann einmal einen Filmsoundtrack komponieren, klasse!

EPICA gelingt es somit auch auf Consign to Oblivion, wieder einmal durch die Bank hinweg zu überzeugen: Keiner der elf Tracks kann auch nur annähernd enttäuschen und man hat sich noch einmal ein Stück von der Konkurrenz absetzen können – es ist irgendwie schon bezeichnend, dass das ominöse N-Wort, welches bei We Will Take You With Us noch einen sehr schlüssigen Bandvergleich liefern konnte, in diesem Review keinerlei Verwendung gefunden hat. EPICA sind mittlerweile nämlich eine hochentwickelte und ganz besonders anspruchsvolle Combo und haben sich somit den Erfolg wirklich verdient, auch wenn dieser aufgrund der oft zunächst undurchsichtigen Songs und der fast schon opernhaften Meldodieführung (Mother of Light) mit großer Sicherheit nicht annähernd so große Ausmaße wie bei Sharon Den Adel und Co. annehmen wird!

Veröffentlichungstermin: 25.04.2005

Spielzeit: 52:42 Min.

Line-Up:
Simone Simons – Gesang

Mark Jansen – Gitarre, Grunts & Screams

Ad Sluijter – Gitarre

Coen Janssen – Synthesizer, Klavier

Yves Huts – Bass

Jeroen Simons: Schagzeug

Produziert von Sascha Paeth & Olaf Reitmeier
Label: Transmission Records

Homepage: http://www.epica.nl

Tracklist:
01. Hunab k´u – A new Age Dawns – prologue

02. Dance of Fate

03. The Last Crusade – A new Age Dawns #1

04. Solitary Ground

05. Blank Infinity

06. Force of the Shore

07. Quietus

08. Mother of Light – A new Age Dawns #2

09. Trois Vierges

10. Another Me In Lack´ech

11. Consign to Oblivion A new Age Dawns #3