EIBON: II

EIBON: II

Einen Teil von Otto Dix´ Triptychon Der Krieg als Artwork für Sludge-Album zu wählen zeugt von Stilsicherheit. EIBON, geschmackvoll nach einem Zauberer aus dem Cthulhu-Mythos benannt, haben schon mit ihrem bitterbösen Debüt Entering Darkness überzeugt und müssen ihr Händchen für Ästhetik eigentlich nicht mehr unter Beweis stellen. Doch die surreale, postapokalyptische Landschaft, die da auf dem Cover lauert dient bereits als Pforte in die Welt des akustischen Horrors. Nun bietet II nichts bahnbrechend Neues, wenn sich Franzosen allerdings an extreme Kunstformen wagen, dann sind sie vor allem eins: Konsequent. Das gilt natürlich auch für EIBON, die zwei Songs parat haben, die einmal knapp unter zwanzig Minuten liegen und einmal locker darüber. Wir vermuten es bereits: Entering Darkness war enorm schmerzhaft, II kann diesen Standard locker halten.

The Void Settlers scheint bereits am Beginn unter einem unerträglichen Berg aus Riffs, Dissonanz und Geschrei begraben zu sein, EIBON wissen allerdings Dynamik geschickt einzusetzen, haben einen hypnotischen, an frühe EIBON erinnernden Mittelteil parat, aus dem heraus das Stück zum Ende hin explodiert. Elements Of Doom ist gleichzeitig abstrakter und doch nahbarer, es besteht mehr aus Riffs und klassischen Songstrukturen, verliert sich aber in der Finsternis und wird extrem heavy, lauert und ist stets bereits zuzupacken. Dass das bittere Ende kommt, wird bald klar, Elements Of Doom immer brutaler, schließlich steigert es sich hin zu Blast Beats und dem puren entfesselten Chaos. Hier nähern sich EIBON an RORCAL oder CELESTE an, allerdings ohne von ihnen zu kopieren. Am Ende werden EIBON allerdings doch versöhnlich, II schließt, wie mit einer Traumsequenz, ein ruhiges ausklingen ist es, was wir hören, eine gewisse Wiedergutmachung. So als könnte man nach einem langen Todeskampf endlich sterben. Eine wunderschöne Allegorie, die dem Gesamtwerk ein wenig den Zynismus nimmt.

Langsam kriechen EIBON in das immer schwärzer werdende Herz des Hörers. Die Macht, die von II ausgeht sollte nicht unterschätzt werden, vor allem, da EIBON auch keine Tricks nötig haben, um ihr Ziel zu erreichen, den Rezipienten zu verstören. Das zeigen sie allein schon dadurch, dass II live eingespielt wurde – und das tut dem Album sehr gut, denn die Intensität eines Konzertes der Musiker aus Paris lässt sich dadurch erahnen. EIBON mag nicht die originellste Band im Sludge-Genre sein, aber sie haben ihren eigenen Klang und ihre eigene Vision. II ist trotz seiner Kompaktheit ein Monstrum von einem Album, das für klassische Doom Metal-Hörer vielleicht nicht geeignet ist, für Freunde von brachial-bitterem, erbarmungslos schwerem Sludge und Doom-Death umso mehr. Ein echter Geheimtipp.

Veröffentlichungstermin: 1. Mai 2013

Spielzeit: 43:20 Min.

Line-Up:
Georges Balfas – Vocals
Max Hedin – Guitars
Guillaume Taliercio – Guitars
Stephane Riviere – Bass
Jerome Lachaud – Drums

Label: Aesthetic Death

Homepage: http://www.eibonmetal.com/

Mehr im Netz: http://eibon.bandcamp.com/

Tracklist:
1. The Void Settlers
2. Elements Of Doom