EIBON: Entering Darkness

EIBON: Entering Darkness

Wenn das Licht gedimmt wird, die Kopfhörer dicht am Ohr sitzen und die Nacht den Punkt der undurchdringlichsten Schwärze erreicht hat, dann beginnt ein monströses Album wie Entering Darkness zu wirken, dann wird der Titel Programm. In Paris sammelt sich das Finstere, Brachiale unter dem Namen EIBON, die wie ein Schmelztiegel für die Welten des Sludge, Doom-Death, Post Hardcore und Black Metal wirken, wobei der Großteil aus den ersten beiden genannten Bereichen gezogen wird. Nun kann ja mittlerweile so ziemlich jeder mit vollem Hass und ungezügelter Misanthropie, bis oben hin voll mit LSD, ein paar Kirchen niederbrennen, aber um hier wirklichen Weltschmerz wiederzugeben, eine Traurigkeit, wie es sie durch Mark und Bein fährt, dazu bedarf es schon anderer Mittel.

Insofern sind EIBON beides, sie sind feist und grob, lassen aber dank ihrer unwahrscheinlich melancholischen Harmonien auch die andere Seite sprechen, zeigen sie hinter der bösartigen Fassade auch eine zerbrechliche, bittersüße Welt, die schon fast einen Funken Hoffnung in sich trägt. Dazu muss es aber nicht unbedingt leise werden, es genügt auch, dass harmonische Leadgitarren zum Einsatz kommen, die überraschenderweise an MORGION erinnern. Dazu gesellen sich Attribute von BURIED AT SEA, ALTAR OF PLAGUES, NEUROSIS, WITHEREDund sogar von RED SPAROWES. Eigentlich ist es nichts bahnbrechend Neues, was EIBON hier in zähflüssigen Bahnen verlaufen lassen, vor allem im Hinblick auf ihre zahlreichen Kollegen mit derselben geographischen Herkunft, aber Entering Darkness schafft es dennoch, eine Maulsperre zu erzeugen.

Mal sind die stets äußerst langen Songs unverzeihlich und von purer Schwärze gezeichnet, wie das Titelstück und These Chains, mal wird es feierlich und es scheint, EIBON selbst würden der Erlösung entgegen fiebern, wie in Convulse To Reign, und schließlich wirkt es so, als würde sich das Quartett aus Paris seinem Schicksal ergeben und in das totale Nichts schweben, was in Through The Eyes, Substance und dem sagenhaften, abschließenden Path To Oblivion in aller Ausführlichkeit zelebriert wird. Dazu passt es, dass die Gitarren niemals nur planlos dahin schrammeln, sondern stets das Qualitätslevel sehr hoch halten. Das Drumming ist meistens in langsamen Bereichen unterwegs, hat aber so viel Variation parat, dass es dennoch angenehm verspielt wirkt und gerne auch in den Tribal-Bereich, sowie in Blast Beats vordringt. Der voluminöse Bass, der vor allem in den verzerrten Passagen extrem intensiv ist, bildet das Rückgrat für dieses spannende Album und Sänger George, der sich die Kehle blutig schreit weiß auch, wann es wichtig ist, sich in den Hintergrund zu stellen und den Instrumentalisten den Vortritt zu lassen. All das wird in eine raue, aber sehr massive Produktion verpackt, so dass bei gehobener Lautstärke nichts mehr interessiert, außer der Leidensweg von EIBON.

Na gut, es gibt intensive Vertreter in diesem Bereich, es gibt originellere Bands, die sich in ähnlich gesteckten Feldern die Last von der Seele spielen, aber dennoch zeigen EIBON, dass ihr Debütalbum mehr als nur Daseinsberechtigung hat, denn hier steckt der Teufel im Detail – und dadurch heben sie sich eben doch von ihren Kollegen ab. Außerdem stellen die, teils schon seit zwei Dekaden aktiven Musiker unter Beweis, dass sie in Sachen Songwriting sehr begabt sind, sich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden geben und dass sie auch in fünfzehnminütigen Songs nicht Gefahr laufen, die Komposition aus den Augen zu verlieren. Finstere Musik mit einem mikroskopisch kleinem Lichtstrahl am Ende des Tunnels, für Menschen die den Glauben an das Gute verloren haben, aber sich irgendwie doch nicht damit abfinden wollen. Ja, dieses Debütalbum kommt überraschend. Und es beeindruckt nachhaltig. Ergo klare Kaufempfehlung für Entering Darkness.

Veröffentlichungstermin: Juni 2010

Spielzeit: 63:34 Min.

Line-Up:

Georges Balafas – Vocals
Maxim Hedin – Guitars
Stephane Riviere – Bass
Jerome Lachaud – Drums

Label: Aestethic Death

Homepage: http://www.eibonmetal.com

MySpace: http://www.myspace.com/eibonmetal

Tracklist:

1. Through The Eyes
2. Entering Darkness
3. Convulse To Reign
4. Substance
5. These Chains
 6. Path To Oblivion