DRACONIAN: The Burning Halo

Ein "Bonus-Album", das zwar den Appetit anregt, den Hunger aber nicht stillt.

DRACONIAN haben gut daran getan, ihr neuestes Werk, The Burning Halo, als Bonus-Album zu bezeichnen, denn sollte der aktuelle Longplayer die Fährte des großartigen Arcane Rain Fell aufnehmen, würde sich manch einer im Kreis verlaufen. Denn von einer Weiterentwicklung im strengen Sinn ist auf The Burning Halo nur wenig zu hören. Während die ersten drei Songs zwar konsequent dem doomig-düsteren Weg folgen, den das Vorgängeralbum eingeschlagen hat, so liefern die nächsten drei Songs eher wieder klassischere Gothic-Spielereien ab, von denen sich DRACONIAN eigentlich schon gut abgehoben hatte. Aber das ist kein Wunder, schließlich stammen jene drei Songs vom 1999er-Demo The Closed Eyes of Paradise, wurden aber für den aktuellen Output erneut aufgenommen. Abgeschlossen wird The Burning Halo von zwei Cover-Versionen, die die Schweden – insbesondere Forever My Queen – von einer gänzlich neuen Seite zeigen.

Im Gesamten hört sich The Burning Halo allerdings sehr gut an. DRACONIAN drücken mit langgezogenen Gitarrenklängen, finsteren Growls und melancholischen Melodien das Stimmungsbarometer, geben jedoch der Hoffnung mit Lisa Johanssons heller Stimme trotzdem noch die Gelegenheit, der Trauer abzuschwören. Insbesondere die neuen Songs schlachten dieses Thema aus und wälzen sich mitunter noch langsamer aus den Line Out-Kanälen als dies beim Vorgänger der Fall gewesen ist. Etwas flotter wird es dann mit den neu arrangierten Songs, die vor allem der Fannachfrage wegen zu wiederholten Ehren kamen. Auch diese sind keineswegs von schlechten Musikereltern, doch wird die Gothic-Schalgseite etwas mehr betont. Und trotzdem passen sie ins Albumgefüge, weil es DRACONIAN verstanden haben, die drei alten Songs dermaßen zu modernisieren und dem neuen Stil unterzuordnen, dass das belanglosere Songwriting durch gute und düstere Arrangements aufgehoben wird. Ganz allgemein haben die Schweden – den Sound betreffend – wieder ganze Arbeit geleistet. Die druckvolle Rhythmusabteilung ist allgegenwärtig und gibt der doomigen Ausrichtung die nötige Power (etwa die Doublebass-Passagen in The Dying). Die Gitarren sind ebenfalls den dumpfen, schwedischen Moll-Tönen verpflichtet, das Keyboard klingt an keiner Stelle nach billigem Kinderkram und die Vocals thronen klar (Lisa Johansson) und rau (Anders Jacobsson) über den Songs.

Bei den Cover-Versionen bedienten sich DRACONIAN an einer Zeit, zu der der Großteil der Band wohl noch gar nicht auf der Welt war. On Sunday They Will Kill The World hört man das jedoch in keinster Weise an, schleppt sich diese EKSEPTION-Coverversion doch langsam und böse an und entlädt seine aufgestaute Energie in einer ergreifenden Klavier-Einzelleistung, ehe der Song wieder auf die doomige Schiene zurückkehrt. Ganz anders fällt da das Urteil zur Interpretation von PENTAGRAMs Forever My Queen aus. Hier rocken die Schweden in 70er-Manier, setzen einen für diese Zeit authentischen Sound ein und gehen stimmlich völlig neue Wege. Das klingt zwar mitunter witzig, wenn man sich bewusst macht, dass da eigentlich eine DRACONIAN-CD im Player ist, doch macht es den Abschluss und somit auch den Gesamteindruck irgendwie zunichte. Aber okay, The Burning Halo ist eben nur ein Bonus-Album und als solches erfüllt es den Zweck, mit gezügelterer Erwartungshaltung wieder etwas Neues von den Schweden zu hören zu bekommen. Und das ist beileibe nicht schlecht…

Veröffentlichungstermin: 29.09.2006

Spielzeit: 54:00 Min.

Line-Up:
Anders Jacobsson – Vocals
Lisa Johansson – Vocals
Johan Ericson – Lead & Rhythm Guitars
Andreas Karlsson – Synthesizer & Programming
Jerry Torstensson – Drums
Daniel Arvidsson – Rhythm Guitars
Fredrik Johansson- Bass

Produziert von Johan Ericson & Andreas Karlsson
Label: Napalm Records

Homepage: http://www.draconian.se

Email-Adresse der Band: contact@draconian.se

Tracklist:
1. She Dies
2. Through Infectious Waters (A Sickness Elegy)
3. The Dying
4. Serenade Of Sorrow
5. The Morningstar
6. The Gothic Embrace
7. On Sunday They Will Kill The World (EKSEPTION-Cover)
8. Forever My Queen (PENTAGRAM-Cover)