DODECAHEDRON: Dodecahedron

DODECAHEDRON: Dodecahedron

Während eine Medaille zwei Seiten hat, hat ein DODECAHEDRON zwölf Seiten. Während die beiden Seiten einer Medaille im sprichwörtlichen Sinne genau das Gegenteil voneinander sind, sind die zwölf Seiten dieser Band gleicher Natur: Mit einer bizarr flimmernden Oberfläche und einer garantiert nicht glatten Struktur. DODECAHEDRON, die sich aus ehemaligen Musikern von TRANSMISSION 0 und dem Sänger von NIHILL zusammensetzen, wagen es, den entarteten Black Metal von DEATHSPELL OMEGA und BLUT AUS NORD so mit Sludge zu verbinden, dass eben nicht so etwas wie CELESTE dabei heraus kommt, und wenn es in Richtung leisen Dröhnens geht, dann wirkt es nicht wie ein Drone-Abklatsch, und wenn es melodisch wird, dann wird es nicht gleich ein langweiliges Post Black Metal-Wischiwaschi. Viel besser: Eine neue Facette entsteht durch Dodecahedron.

Es stecken zwei Dinge in DODECAHEDRONs Debütalbum, die viele Bands außer Acht lassen: Wirkliche Arbeit und, was noch wichtiger ist, eine deutliche Vision. Statt mit typischen Akkorden drauflos zu spielen und sich dabei in Peinlichkeiten zu verlieren, trumpfen DODECAHEDRON mit der Erfahrung ihrer früheren Bands auf und beleuchten das Genre Black Metal von einer ganz anderen Seite. Vielleicht schleichen sich daher hier und da ein paar lichte Momente ein, dank denen es kurz darauf noch viel ungreifbarer und finsterer klingt. Innovativ ist die Musik auf Dodecahedron zwar noch nicht, aber immerhin ist sie nicht hirn- und stillos von anderen kopiert. Eindeutig: Es steckt genügend eigene kreative Kraft in DODECAHEDRON, um weiterhin mindestens ebenso stark aufzutrumpfen.

Etwas weniger als eine Stunde dauert diese Reise durch ein ganz sonderbares Universum, das DODECAHEDRON hier mit spielerischer Leichtigkeit erschaffen. Obwohl es erst gegen Ende des Albums mit dem Dreiteiler View From Hverfall richtig konzeptuell wirkt, ist der Gesamteindruck ein sehr dichter, weil durchgehend dunkel und atmosphärisch. Die Boshaftigkeit vieler ihrer Vorbilder steckt auch dem niederländischen Quintett im Blut, nur gehen sie es etwas kultivierter an. Dennoch ist die unglaublich morbide Gesangsperformance von M. Eikenaar nicht schlechter als die eines Attila Cshiar, und dennoch sind die Riffs dissonant und die Rhythmen wie spastische Zuckungen, schwerverdauliche Breaks inklusive.

Und wie viel es in dieser neblig-ätzenden Lauge, die DODECAHEDRON umgibt, zu entdecken gibt, kannst du dir sicherlich vorstellen. Angefangen von Gekreische durch den Vocoder in Vanitas, bis hin zu polyrhythmischen Momenten spielen DODECAHEDRON ihr gesamtes Potenzial aus, laufen aber nie Gefahr, erschöpft zu wirken. Das ist fraglos nur der Anfang einer vielversprechenden Karriere. Wenn du Black Metal abseits der traditionellen Klischees und geschmacklosen Trends liebst, und dich über jede Innovation in dem Genre freust, darf du dich auf ein monströses Werk freuen, das lange für Faszination sorgen wird.

Veröffentlichungstermin: 20. Januar 2012

Spielzeit: 53:20 Min.

Line-Up:
M. Eikenaar – Vocals
M. Nienhuis – Guitar
J. Bonis – Guitar
Y. Terwisscha van Scheltinga – Bass
J. Barendregt – Drums

Label: Season Of Mist

Homepage: http://www.ddchdrn.com

Tracklist:
1. Allfather
2. I, Chronocrator
3. Vanitas
4. Descending Jacob´s Ladder
5. View From Hverfell I: Head Above The Heavens
6. View From Hverfell II: Inside Omnipotent Chaos
7. View From Hverfell III: A Traveller Of The Seed Of The Earth