DEEP PURPLE: Whoosh!

DEEP PURPLE: Whoosh!

Kennt ihr das? Man hört ein Album zum ersten Mal und hat sofort das Gefühl, dass es einem gut tut! In turbolenten Zeiten ist es oft halt gerade die Musik, die einem gerne mal zur Seite steht, um den Kopf frei zu kriegen. Keine Ahnung, ob die reifen Herren von DEEP PURPLE eben dieses geplant hatten, als sie doch wieder loszogen, um mit „Whoosh!“ das nunmehr 21. Album der Bandgeschichte zusammenzubauen. Wieder mit Bob Ezrin an den Reglern, der den Musikern 2013 auf „Now What?!“ ordentlich Rückenwind gegeben hat und 2017 mit dem tollen „InFinite“ den vermeintlichen Schlusspunkt der Bandgeschichte einfing. Es sollte die Abschiedstour kommen, die Herren Rocklegenden wollten es dem Alter entsprechend ruhig angehen lassen und sich vom Touren, Studioarbeit und all dem drumherum zurückziehen. Tja, wollten sie wohl… Nun also liegt dieses neue Album vor. Ganz ohne können sie wohl doch nicht, wie auch, wenn man sein Leben lang Musik gemacht hat. Beweisen müssen sie niemandem mehr irgendwas, können machen, was sie selbst wollen. Da war das Ziel „Putting the Deep back into Purple“, und das ist ihnen definitiv gelungen!

„Whoosh!“ bringt das DEEP wieder zurück ins PURPLE

Der Opener „Throw My Bones“ drehte seine Runde bereits als Vorabsingle, für Sammler gar auf Vinyl. Ein entspannter Groover, der die morschen Knochen ordentlich knacken lässt, auch bei den mitgereiften Fans. Noch mehr beim knackigen Gute Laune-Rocker „Drop The Weapon“ und beim nach 80er anmutenden „We´re All The Same In The Dark“. Ein starker Auftakt, mit dem die alten Herren gut Popo treten. Es folgen schunkelnde und leichtfüßig dahinschleichende Songs wie „Nothing At All“, „Step By Step“, das immer größer werdende „The Power Of The Moon“ und das spacige „Man Alive“. Sozusagen der Titelsong des Albums, hier finden wir das „Whoosh!“. Diese Songs brauchen einen Moment, um sich breit zu machen, entfalten dann ihren vollen Charme.

Da haben es Rock`n´Roller wie das swingende „Nothing At All“ und „And The Adress“ leichter, man zappelt sofort mit. Letzteren kennt man, wenn man das allererste DEEP PURPLE-Album „Shades Of Deep Purple“ von 1968 im Regal hat. „What The What“ klingt so erfrischend nach 60er Beat, es könnte auch auf der Platte von IAN GILLAN & THE JAVELINS stehen, wo GILLAN die Jungs seiner ersten Band nochmal reaktiviert hatte. Sehr cool das sehr kraftvoll rockende „No Need To Shout“, das treibende, fast mit einem LED ZEPPELIN-Riff daher kommende „The Long Way Round“ und der funkige Rausschmeisser „Dancing In My Sleep“. Das abgefahrene Instrumental „Remission Possible“ klingt, als hätten sich hier die Herren einfach mal ausgetobt. Eben das hat Bob Ezrin wieder super eingefangen. Man merkt, dass er die Herren Musiker an der langen Leine gelassen hat und das dann stimmig eingefangen hat. Hier klingt alles natürlich und echt, und vor allem kommt die Spielfreude der Musiker unüberhörbar durch.

Die Spielfreude der Musiker kommt auf „Whoosh!“ unüberhörbar durch

Nun kann man einwerfen, dass über weite Strecken die Keyboards sehr übermächtig sind und auch gern mal eine aufkommende angenehme Härte in den Songs zukleistern. Aber dann hat man wieder diesen Virtuosen Don Airey (u.a. OZZY, BLACK SABBATH, WHITESNAKE, RAINBOW), dessen Tastenarbeit natürlich über jeden Zweifel erhaben ist. Sicher hätte man sich als Gitarrenfreak Steve Morse (KANSAS, FLYING COLORS, DIXXIE DREGS, ANGELFIRE) mehr nach vorne gewünscht. Vielleicht muss und will er sich etwas zurücknehmen. Bandjüngling hin und her, gerade 66 geworden merkt er das sicher auch in den Händen. Die schaffen es aber weiterhin, an allen Ecken fantastische Arbeit zu leisten. Egal ob faszinierende Leads oder cool rausgeschüttelte Riffs, der Mann entzückt immer wieder. Die Kollegen Paice und Glover braucht man kaum erwähnen, wenn eine Rhythmsection 50 Jahre zusammen spielt kann das nur gut passen. Mr. GILLAN erzählt gutgelaunt seine Geschichten, bewegt sich dem Alter entsprechend in moderaten Tonlagen und legt statt Screams noch mehr Charme und Herz in die Vocals. Beides haben auch seine Texte, mal zum Schmunzeln geeignet, mal kritisch, mal selbstironisch oder verträumt.

DEEP PURPLE vertreiben mit „Whoosh!“ jeden Hauch von Trübsal

Das alles wird hier in tolle Musik eingepackt, die sich durch 50 Jahre Rockmusik schlingelt und die Band in bester Spiellaune zeigt. Und eben dies wirkt sich auch auf den Zuhörer aus. Das Album macht durchgehend Spaß und vertreibt jeden Hauch von Trübsal blasen und stressigen Nervereien. Selbst die wenigen Songs, die nicht so wirklich herausragen, tragen ihren Teil zum Gesamtwerk bei. Und das klingt auch noch verdammt gut! Hier auf Doppel-LP macht sich eine wohlige Wärme breit. Da klingt nichts nach aufgeblasener Studiomanie, gepresst auf Vinyl, weil das gerade wieder in ist. Das hier klingt Gefühlsecht und trotzdem druckvoll. Klasse!

Zu empfehlen ist die Version mit der DVD mit der Show vom HELLFEST 2017. Hier zeigt sich eine gut gelaunte Band vor gigantischer Fankulisse, die ihre Songs abfeiert. Es macht total Spaß, den alten Herren bei der Arbeit zuzuschauen, und den Spaß daran haben sie sichtlich selber. Auch das einstündige Video „Roger Glover And Bob Ezrin In Conversation“ ist sehenswert.

Veröffentlichung am 07.08.2020

Spielzeit: 51:38 Min.

Lineup:
Ian Gillan – Vocals
Steve Morse – Guitar
Roger Glover – Bass
Don Airey – Keyboards
Ian Paice – Drums

Produziert von Bob Ezrin und Deep Purple

Label: earMusic

Homepage: https://deeppurple.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/officialdeeppurple

Die Tracklist von „Whoosh!“:

1. Throw My Bones (Video bei youtube)
2. Drop The Weapon
3. We´re All The Same In The Dark
4. Nothing At All
5. No Need To Shout
6. Step By Step
7. What The What
8. The Long Way Round
9. The Power Of The Moon
10. Remission Possible
11. Man Alive (Video bei youtube)
12. And The Adress
13. Dancing In My Sleep

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.