COLDWORLD: The Stars Are Dead Now [EP] [Re-Release]

Ein Stück deutscher Underground-Geschichte ist diese EP von COLDWORLD zwar nicht, hörenswert ist „The Stars Are Dead Now“ aber auch noch nach 15 Jahren.

Ob es wirklich ein Re-Release von COLDWORLDs Debüt-EP braucht, kann ich schon jetzt beantworten: Jein. Diese halbestündige EP, die in der Black Metal-Szene definitiv Kultstatus besitzt, war auch in der Vergangenheit nicht gerade schwer zu beziehen, mindestens fünfmal wurde das Werk aus dem Jahr 2005 in verschiedenen Formaten neu aufgelegt. Nun ist COLDWORLD passenderweise auf dem Label EISENWALD gelandet, und zum Einstand gibt es die definitive, neugemasterte und gestaltete Auflage von „The Stars Are Dead Now“ zu hören.

Das Projekt von Georg Börner, der sich bei SANGRE DE MUERDAGO einer ganz anderen Musik hingibt, ist so etwas wie der Prototyp des deutschen Depressive Black Metal-Ein-Mann-Projekts. Und während sich COLDWORLD über die Jahre einerseits rar gemacht, andererseits aber auch deutlich entwickelt haben, ist „The Stars Are Dead Now“ eine sehr rohe Angelegenheit. Klirrende Gitarren, primitive Produktion, kalte Synthesizer und heiseres, schmerzerfülltes Kreischen zeichnet die Songs von „The Stars Are Dead Now“ aus. Und doch schafft Börner es schon in seinen Anfangstagen, immer wieder für Gänsehaut zu sorgen. „This Empty Life“ hat unter der rauen Schale bittersüß-trauriges Riffing zu bieten, kalte Synthesizer und spannende Songaufbauten kommen dazu. In diesem Stück, das Einflüsse von XASTHUR bis LUNAR AURORA in sich trägt, kann man sich verlieren.

Aus dem Jahr 2005, aber auch nach 15 Jahren noch hörenswert: „The Stars Are Dead Now“ von COLDWORLD

Danach wird es deutlich dreckiger und, mit Verlaub, rumpeliger. Hier zeigt sich, dass COLDWORLD noch jung und unerfahren waren. Gleichzeitig wirkt das Projekt auch hier eigenwillig. Mit garstigem Black ´n´ Roll-Einfluss schrammeln sich COLDWORLD durch die kurzen Stücke “Hate” und “Cancer”. File under: Jugendsünde. Das getragene, introspektive, aber nicht minder hässliche „Suicide“ klingt dann schon besser. Mit dem knapp achtminütigem Ambientstück „The Old Ghost In The Well“ endet der offizielle Teil von „The Stars Are Dead Now“, und es fühlt sich hier an, als würe eine ganz andere Band zu Werke gehen. Der Gesamteindruck dieses Debüts ist somit etwas zerfahren.

Die Bonustracks waren schon auf früheren Wiederveröffentlichungen dieser EP enthalten. „Dead Stars“ ist sehr kurz, eher ein Fragment und mit getragenem Tempo, während „Ragnarök“ eher in Richtung der schmutzigen Songs geht, aber mehr Atmosphäre bereithält. Beide Lieder runden die EP nicht wirklich ab, stören aber auch nicht. Wer COLDWORLDs „Melancholie²“ und auch „Autumn“ liebt, kann jetzt seine Sammlung guten Gewissens vervollständigen, denn das neue, schicke Artwork von Valkenstijn (MOSAIC) macht wirklich was her, während das neue Mastering nicht wirklich ins Gewicht fällt. Wer die EP in anderer Form bereits besitzt, muss nicht mehr zwingend zuschlagen. Ein Stück deutscher Underground-Geschichte ist diese EP zwar nicht, hörenswert ist „The Stars Are Dead Now“ aber auch noch nach 15 Jahren.

VÖ: 5. Februar 2021

Spielzeit: 33:20

Line-Up:
G.B. – Instrumente und Vocals

Label: Eisenwald

COLDWORLD „The Stars Are Dead Now“ Tracklist:

1. This Empty Life
2. Hate
3. Cancer
4. Suicide
5. The Old Ghost In the Well
6. Dead Stars
7. Ragnarök

 

Mehr im Netz:

https://coldworldofficial.bandcamp.com/

https://www.facebook.com/ColdWorldOfficial

https://instagram.com/coldworld_offiziell