CIRITH UNGOL: Servants of Chaos

CIRITH UNGOL: Servants of Chaos

Lange erwartet und nun kommt es endlich in die Läden: das musikalische Vermächtnis der Kultmetaller CIRITH UNGOL! Und während ich den Klängen dieser Doppel-CD so lausche frage ich mich ernsthaft, warum ich hierzu überhaupt ein Review schreiben soll. Denn Fans der Band werden eh blind zugreifen und alle die mit dem Sound von CIRITH UNGOL bislang nicht warm geworden sind, werden mit „Servants of Chaos“ auch nicht eines Besseren belehrt. Bleiben also die Leute als Zielgruppe, die mit dem außergewöhnlichen Sound von CIRITH UNGOL bislang noch gar nicht in Berührung gekommen sind und da bietet „Servants of Chaos“ sicher einen guten Überblick über die verschiedenen Phasen des Schaffens von CIRITH UNGOL, auf der anderen Seite empfinde ich die vollständigen Alben der Band als Einstieg jedoch geeigneter, da diese einfach nicht ganz so zerfahren wirken wie diese Raritätenzusammenstellung.

Und es ist schön, dass man sich als Fan von CIRITH UNGOL auch mit „Servants of Chaos“ sicher sein kann, dass man ein Album in den Händen hält, mit dem man sicher 99% der Erdbevölkerung zum Wahnsinn treiben kann, für die übrigen 1% wird dieses Doppelalbum aber zu einem weiteren Kleinod in der eigenen Sammlung werden.

„Servants of Chaos“ ist insgesamt sehr gut strukturiert und kann in verschiedene Segmente aufgespalten werden.

Der erste Teil von CD 1 beinhaltet verschiedene Demo-Aufnahmen aus den Jahren ’78 bis ’80, wobei es sich teilweise um Rohfassungen bereits bekannter Songs, teilweise auch um bislang unveröffentlichtes Material handelt. Und gleich der Opener „Hype Performance“ überrascht durch einen extremen Synthieeinsatz, wodurch so manch einer gleich zu Beginn des Albums ziemlich abgeschreckt werden könnte. „Last Laugh“ hingegen ist dann ein typischer Track, der CIRITH UNGOL in ihrer frühen Phase perfekt repräsentiert. Dahingegen sind die beiden nächsten Songs wieder mit einem sehr hohen Maß an Synthies ausgestattet, wobei „Frost and Fire“ hier enorm gewöhnungsbedürftig daher kommt und „Eyes“ mit seinem Zahnbohrer-Synthie sicherlich so manchem Zahnarztschisser die Tränen in die Augen treibt. Die drei folgenden Songs „Better off Dead“, „100 MPH“ und „I´m alive“ unterscheiden sich dann nur unwesentlich von den jeweiligen Albumversionen, sind in ihrer Rohfassung aber sicherlich für Fans genauso interessant wie das restliche Material. Abgeschlossen wird Teil 1 dann vom ältesten Song dieser Zusammenstellung, „Bite of the Worm“, ein ziemlich kultiger und kauziger Song den uns die Band viel zu lange vorenthalten hat.

Weiter geht´s mit Segment 2: die Instrumentals. Und vermutlich wusste Robert Garven sehr wohl, warum er diese ans Ende von CD Nummer 1 postiert hat, denn teilweise wird das Material hier doch recht anstrengend. Zwar lässt sich das Gebotene teilweise schon mit den Instrumentals auf den Alben „King of the Dead“ und „Frost and Fire“ vergleichen („Maybe that´s why“ ist auch hier noch mal in seiner Rohfassung vertreten), andererseits befindet sich unter diesen acht Songs doch auch so mancher Teil, der mehr dem Festhalten von Songideen gleich kommt als dass es sich um richtige Stücke handeln würde. Sehr interessant, aber nicht immer zu ertragen.

Es folgt CD 2, die zunächst mit der „Metal Massacre I“-Version von „Death of the Sun“ beginnt. Nette Geschichte hierbei: laut den Liner-Notes im Booklet war der Song damals schneller als der ebenfalls auf dem Sampler vertretene METALLICA-Track.

Als nächstes folgen Rohfassungen der besten Stücke vom meiner Meinung nach auch von den Fans völlig unterbewerteten „Paradise Lost“-Album. Auf die beiden Lückenfüller „Heaven help us“ und „Go it alone“ haben CIRITH UNGOL bei dieser Zusammenstellung dann auch verzichtet und auch „The Troll“ ist hier nicht von der Partie. Dafür gibt es „Fallen Idols“ gleich in zwei verschiedenen Versionen, wobei die erste relativ nah am „Original“ ist. Die restlichen Songs sind dann deutlich roher und bissiger ausgefallen als die Versionen des Full-Lenght-Albums, was den Tracks verdammt gut tut, lediglich das Fehlen der Chöre bei der „Paradise Lost“-Trilogie wirkt etwas irritierend. Gleiches gilt übrigens auch für „Join the Legion“ (diesmal richtig geschrieben >g<).
Kommen wir zum nächsten Abschnitt: die Livesongs. Nach Europa haben es CIRITH UNGOL zeit ihres Bestehens ja leider nie geschafft, umso erfreulicher, dass die Fans nun mit diesen Songs in den Genuss einiger Live-Aufnahmen kommen. „Atom Smasher“, „Master of the Pit“, „King of the Dead“, „Last Laugh“ und „Cirith Ungol“ haben es auf diese Compilation in recht guter Soundqualität geschafft. Ein guter Einblick, wie diese Band wohl live geklungen hat.

Mit „Secret Agent Man“ gibt es zum Schluss dann noch eine coole Coverversion von Johnny Rivers und mit „Ferrari 308QV On DYNO AT 8000 RPM“ huldigen die Jungs noch mal ihrem Faible für schnelle Autos.

„Servants of Chaos“ hat für Fans von CIRITH UNGOL wirklich eine ganze Menge zu bieten. Zwar muss man auch bei dieser Zusammenstellung einmal mehr eine sehr schwankende und oft schlechte Aufnahmequalität in Kauf nehmen, doch kein echter Anhänger dieser Ausnahmeband wird dies wohl vom Erwerb von „Servants of Chaos“ abschrecken. Abgerundet von einer schönen Aufmachung und Liner-Notes zu jedem einzelnen Song ist diese Doppel-CD sicher ein würdiges Erbe. Die Band denkt derzeit noch darüber nach einiger der alten Songs neu aufzunehmen, wenn „Servants of Chaos“ auf ein entsprechendes Interesse stößt. Aus diesem Grunde heißt es für alle Fans: Kaufen!

Fierce

Veröffentlichungstermin: 10.09.01

Spielzeit: CD 1 – 70:10 / CD 2 – 76:09 Min.

Line-Up:
Tim Baker – Vocals

Jerry Fogle – Guitar

Jim Barazza – Guitar

Greg Lindström – Guitar

Robert Garven – Drums

Flint – Bass

Produziert von Robert Garven & Greg Lindstrom
Label: Metal Blade

Hompage: http://cirithungol.org

Tracklist:
CD 1

1. Hype Performance

2. Last Laugh

3. Frost and Fire

4. Eyes

5. Better off Dead

6. 100 MPH

7. I´m alive

8. Bite of the Worm

9. The Twith

10. Maybe that´s why

11. Ill met in Lankhmar

12. Return to Lankhmar

13. Darnkess Weaves

14. Withdance

15. Feeding the Ants

16. Obsidian

CD 2

1. Death of the Sun

2. Fire

3. Fallen Idols

4. Chaos Rising

5. Fallen Idols

6. Paradise Lost

7. Join the Legion

8. Before the Lash

9. Atom Smasher (live)

10. Master of the Pit (live)

11. King of the Dead (live)

12. Last Laugh (live)

13. Cirith Ungol (live)

14. Secret Agent Man

15. Ferrari 30SQV

Fierce
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