CATHEDRAL: The garden of unearthly delights

Die Leute, die CATHEDRAL bisher nichts abgewinnen konnten, werden auch weiterhin mit der Band nichts anzufangen wissen. Wer den Sound der Engländer bisher liebte, der hat mit "The garden of unearthly delights" einen uneingeschränkten Pflichtkauf auf dem Zettel.

Die Briten CATHEDRAL sind ein Phänomen. Ihre Form des Doom ist definitiv einzigartig, auf ihre Art brillant und irgendwie immer etwas bizarr. Dadurch haben sie es sich und dem Rest der Welt nicht immer leicht gemacht, so mancher hat eben gerade wegen dieser Freakigkeit so seine Probleme mit dem Sound der Band. Als Fan sieht man das natürlich ganz anders und befürchtet bei jeder neuen CD, dass sich eben diese coolen Merkmale verlieren könnten und die Band einen Kurswechsel durchführen könnte. Diese obskure Mischung irgendwo zwischen Killergrooves, durchgeknallten Ideen, Lee Dorians oft krassen Vocals und Texten schwankt oft zwischen reiner Kunst und purem Unsinn. Eben genau das, was man als CATHEDRAL-Fan erwartet.

Aber keine Angst, auch nach zehn Jahren in dieser Besetzung hat sich nicht wirklich viel geändert. Vom finsteren Intro Death AD 2005 in die passende Stimmung versetzt, rocken Hippie-Doomer wie Tree of life & death, Upon Azrael`s wings und Beneath a funeral sun mit fast swingendem Groove und erinnern an Bandklassiker wie Ride, Midnight mountain oder Utopian blaster, North Berwick whitch trials und Corpsecycle gehen als neues Hopkins durch. Es werden immer mal wieder kleine Spielereien eingebaut wie Sprach- und Soundsamples, wie schon lange nicht mehr entlocken einem die Songs, egal wie heavy sie aus den Boxen drücken, ein fröhliches Lächeln und verbreiten gute Laune. Viele Riffs, Leads und Grooves offenbaren die Nähe zu BLACK SABBATH, die CATHEDRAL nie wirklich verlassen haben. Das kurze Instrumental Fields of Zagara verbreitet romantische Stimmung.

Der Mittelpunkt dieser Scheibe ist ganz klar das 27-minütige Opus The garden. Was man bisher bei CATHEDRAL nur auf den EPs erwarten konnte, wie bei The voyage of the homeless sapien auf der Statik majik-EP von `93, gibt es nun auf The garden of unearthly delights. Mit geschickt eingebauten female Vocals, Folkloreklängen, Violinenspiel und einer kranken Story erleben wir eine verspielte Oper, durchzogen mit wohl allen Facetten des typischen CATHEDRAL-Sounds. Sicher, beim Schlusstrack Proga-Europa nach fünf Minuten Stille einen eine Minute kurzen 70er-Rocker im Stil von THE WHO nachzuschieben, hätte man sich sparen können. Aber das ist wohl wieder dieser kranke Humor der Engländer.

Der Sound von Warren Ryker ist extrem druckvoll, so wie er ihn schon bei CROWBAR und DOWN zusammengezimmert hat. Hier haben die Amps Raum zum Kratzen,
nichts ist mit totem LINE6-Sound, man hört das Greifen der Akkorde und hat nicht das Gefühl, eine Pro-Tools-Politur zu hören. So dürfte die Band auch im Proberaum klingen, der Sound ist natürlich und klingt echt. Natürlich ist Lee Dorian auch heute noch kein Weltklasse-Sänger und wird es auch nie werden. Dafür erzählt er seine oft mit einem Augenzwinkern versehenen Geschichten auf ganz eigene Weise und hat dabei etwas von einem Barden. Muss nicht jeder mögen, manche hassen ihn dafür. Dafür hat es aber was ganz Eigenständiges, auch wenn er es diesmal wissen will und hier und da etwas übertreibt.

The garden of unearthly delights beinhaltet letztendlich all das, was man seit The ethereal mirror von CATHEDRAL kennt und mag. Einzig die von vielen vermisste erdrückend depressive Schwerfälligkeit der ersten Scheiben Forest of equilibrium und In memorium findet man auch auf The garden of unearthly delights nicht.

Wer die letzten Releases nicht ganz so stark fand, kriegt hier die besten Momente auf einer Scheibe. Das klingt so, als mache es die Band sich und dem neuen Label Nuclear Blast einfach und bedient bequem die Fans, das täuscht dann aber doch. Es gibt genug Ideen und Überraschungen, die man so noch nicht gehört hat. Bei CATHEDRAL ist wohl noch längst nicht alles gesagt, so manche Spinnerei entlockt einem ein dickes Grinsen oder auch mal Verwirrung.

Somit werden die Leute, die CATHEDRAL bisher nichts abgewinnen konnten, auch weiterhin mit der Band nichts anzufangen wissen. Wer den Sound der Engländer bisher liebte, der hat mit The garden of unearthly delights einen uneingeschränkten Pflichtkauf auf dem Zettel.

Veröffentlichungstermin: 26.09.2005

Spielzeit: 70:53 Min.

Line-Up:
Lee Dorian – Vocals

Garry Jennings – Guitars

Leo Smee – Bass

Brian Dixon – Drums

Produziert von Warren Ryker
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.cathedralcoven.com

Email: info@riseaboverecords.com

Tracklist:
1. Dearth AD

2. Tree Of Life & Death

3. North Berwick Witch Trials

4. Upon Azrael’s Wings

5. Corpsecycle

6. Fields Of Zagara

7. Oro The Manslayer

8. Beneath A Funereal Sun

9. The Garden

10. Proga – Europa