AS I LAY DYING: Decas

AS I LAY DYING: Decas

Na, so was! Weil Oskar schon seit zehn Jahren treuer Pay-TV-Kunde ist, hat ihm der Sender als besondere Aufmerksamkeit ein exklusives Bonuspaket geschnürt. „Super!“, denkt sich Oskar, als er nach der Fernbedienung greift, das wird bestimmt ein unterhaltsamer Abend! Und tatsächlich, der erste der drei neuen Kanäle trifft genau seinen Geschmack: Schnelle Schnitte, haufenweise Action, es kracht an allen Ecken und Enden – so kennt er seine Idole und so liebt er sie. Nicht einmal die engelsgleiche Stimme, die ihm zwischen den Explosionen in „Paralyzed“ ins Ohr flüstert, kann Oskar den Spaß verderben – insgeheim ist er ja auch ein kleiner Romantiker. Leider ist das Angebot des Senders sehr beschränkt – nur drei Werke stehen auf dem Programm. Schade, denkt sich Oskar nach dem aufbauenden „Moving Forward“, als er genau dieser Botschaft nachkommt und auf die Programmtaste drückt.

Auf dem zweiten Kanal zeigen sie wohl nur Remakes

Auch der nächste Kanal lässt es anfangs ordentlich krachen. Da geht was, schießt es Oskar in den Kopf, während er sich weiter aus dem Sessel nach vorne lehnt. Die Produktionswerte sind zeitgemäß, der Sound drückt ihn wieder zurück in seine Sitzgelegenheit. Trotzdem kennt Oskar das alles schon irgendwoher. Na klar, die zeigen hier wohl nur Remakes. Oskar fällt es wie Schuppen von den Augen. Immerhin sind die Neuinterpretationen klasse umgesetzt, auch wenn dieses „Electric Eye“ mit seinem vorgeschalteten Kurzintermezzo „Hellion“ – beide übrigens ursprünglich vom Produzenten-Team JUDAS PRIEST – mehr im Gedächtnis bleibt als das brachial-rohe „War Ensemble“ (SLAYER). Die Retrospektive „Beneath The Encasing Of Ashes“, das die Anfänge seines Lieblingsgenres in eine knackige Produktion hüllt, nimmt Oskar noch gerne mit, bevor er sich abermals zum Senderwechsel entscheidet.

Einzig die Neugier verhindert in der zweiten Hälfte den Druck auf die Skip-Taste

Puh, was für ein seltsames Programm. Das Angebot an sich kennt Oskar ja schon. „The Blinding Of False Light“, „Confined“ und „Elegy“ hat er allesamt noch gut im Gedächtnis, aber bestimmt nicht in diesen Umsetzungen. Da war wohl jemand mit dem Computer am Werk und hat alle Effekte überarbeitet, ja sogar einen Dub Step- und Elektro-Soundtrack eingefügt. Diese nachträglichen Pfuschereien gefielen Oskar schon bei den „Special Edition“-Veröffentlichungen von „Star Wars“ nicht. Einzig die Neugier verhindert den Druck auf die Programmtaste. Eine positive Überraschen bleibt jedoch verwehrt. Die überarbeiteten Werke sind insgesamt zu repetitiv und lieblos umgesetzt. Diesem so genannten Remix-Kanal weist Oskar gleich den letzten Programmplatz zu.

Die Hälfte von „Decas“ ist reines Blendwerk

So richtig überzeugend ist dieses Jubiläumspaket ja nicht. Für den Obolus, den dieses Zusatzprogramm erfordert, ist der Gegenwert arg gering. Da hätte der gute Oskar doch ein wenig mehr erwartet, als lediglich mit zehn Minuten neuen Materials abgespeist zu werden. Die Neuinterpretationen alter Klassiker sind ja ein netter Bonus, den bitteren Beigeschmack, den die Remix-Episoden hinterlassen, können sie allerdings nicht wegwischen. Das stößt Oskar ein wenig sauer auf, denn bezahlen musste er für das komplette Paket – auch wenn davon die Hälfte im Nachhinein reines Blendwerk war.

Veröffentlichungstermin: 04.11.2011

Spielzeit: 38:27 Min.

Line-Up:
Tim Lambesis – Vocals
Phil Sgrosso – Guitars
Nick Hipa – Guitars
Josh Gilbert – Bass, Vocals
Jordan Mancino – Drums

Produziert von Adam Dutkiewicz und Tim Lambesis
Label: Metal Blade

Homepage: http://www.asilaydying.com
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/asilaydying

AS I LAY DYING „Decas“ Tracklist

01. Paralyzed (Video bei YouTube)
02. From Shapeless To Breakable
03. Moving Forward
04. War Ensemble (SLAYER-Cover)
05. Hellion (JUDAS PRIEST-Cover)
06. Electric Eye (JUDAS PRIEST-Cover) (Video bei YouTube)
07. Coffee Mug (DESCENDENTS-Cover)
08. Beneath the Encasing of Ashes (Re-Recorded Medley)
09. The Blinding of False Light (Innerpartysystem Remix)
10. Wrath Upon Ourselves (Benjamin Weinman Remix)
11. Confined (Kelly Carnage Cairns Remix)
12. Elegy (Big Chocolate Remix)

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.