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ANYONE´S DAUGHTER: Wrong

Ein anspruchsvolles, leicht proggiges Rockalbum, dargeboten von echten Könnern, das aber bisweilen doch zu sehr in poppige Gefilde abrutscht.

ANYONE´S DAUGHTER veröffentlichten ihr erstes Album bereits vor 25 Jahren. Vom ursprünglichen Line-up sind mittlerweile allerdings nur noch Keyboarder und Hauptsongwriter Matthias Ulmer sowie Gitarrist Uwe Karpa übrig. Unterstützt werden sie von hochkarätigen und gefragten Profi-Musikern. Bassist Raoul Walton etwa ist vor allem durch seine Arbeit mit Westernhagen bekannt geworden.

So wie sich die Besetzung verändert hat, hat auch die Musik im Jahre 2004 nicht mehr allzu viel mit dem Art Rock gemeinsam, für den die Band in ihrer Anfangszeit stand. Endlose Instrumentalpassagen wird man auf Wrong vergeblich suchen. Prog-Elemente finden sich allenfalls noch im Keyboardspiel von Matthias Ulmer, der trotz allem noch ab und an ein Solo einstreut, sowie in den ausgefeilten Chor-Arrangements. Bis auf den überlangen und komplexen Opener und Quasi-Titelsong, der aber nicht so recht zünden will, finden sich auf dem Album ausschließlich kompakte, griffige und zeitlose und gleichwohl moderne Rocksongs mit Anspruch. Prägende Merkmale sind die kräftige und klare Stimme des Amerikaners André Carswell sowie das vielseitige Keyboardspiel von Ulmer, der seinem Instrument sowohl Piano- als auch orchestrale Klänge, altmodische Sägezahn- wie auch moderne elektronische Synthie-Sounds entlockt.

Das Ganze funktioniert unterschiedlich gut. Miscellaneous wird von schnellen Drums angetrieben, lebt von tollen Gesangslinien und coolen Synthie-Soli und wird trotz einer Spielzeit von gut sechs Minuten zu keiner Sekunde langweilig. Bei Happy Go Lucky mit seinen akustischen Rhythmusgitarren und einem sehr fröhlichen Refrain wird es dann schon recht poppig, trotz aller instrumentalen Feinheiten, die den Song vor der Belanglosigkeit retten. Out Of World, das sogar in einer Radio Edit-Version vorhanden ist, weckt im Refrain dann sogar schon Erinnerungen an das, was Dieter Bohlen mit seinen DSDS-Kandidaten verbrochen hat, hier ist der Schmalzfaktor eindeutig zu hoch. Schade, denn die anspruchsvollen Gitarren- und Bassläufe machen den Song eigentlich sehr interessant.

So pendelt das ganze Album immer wieder zwischen leicht proggigen, instrumental wirklich beeindruckenden Passagen und nicht nur eingängigen, sondern teilweise wirklich sehr poppigen Melodien hin und her. So läuft die Band stellenweise Gefahr, einerseits den Prog-Fan zu vergraulen und andererseits den Konsumenten seichter Popmusik zu überfordern und am Ende zwischen allen Stühlen zu stehen.

Insgesamt ist Wrong dennoch ein gutes, leicht proggiges, größtenteils anspruchsvolles Rockalbum, und wer sich an der ein oder anderen poppigen Gesangslinie nicht stört, bekommt ein hörenswertes, wenn auch nicht essenzielles Album.

Veröffentlichungstermin: 27.09.2004

Spielzeit: 52:17 Min.

Line-Up:
André Carswell – Vocals

Uwe Karpa – Guitars

Peter Kumpf – Drums

Raoul Walton – Bass

Matthias Ulmer – Keyboards, background vocals

Produziert von MAZ
Label: Tempus Fugit

Hompage: http://www.anyonesdaughter.de

Tracklist:
1. The Wrong

2. Miscellaneous

3. Happy Go Lucky

4. Far Away

5. Fade Out

6. Your Time

7. Out Of This World

8. Without You (The Way It Was)

9. Helios Reloaded

10. Out Of This World (Radio Edit)