PHANTOM WINTER: Cvlt

PHANTOM WINTER: Cvlt

Winter is coming. Bitterkalt, oder besser gesagt bittercvlt ist PHANTOM WINTERs Stelldichein – das ist wenig überraschend. Die frisch gegründete Würzburger Band ist bekanntermaßen der Nachfolger der ähnlich frostigen OMEGA MASSIF, eine Band, die den Kopf ebenso platzen ließen, wie die Höhenluft auf dem Mount Everest. PHANTOM WINTER gehen nicht weniger druckvoll und felsig zu Werke, und natürlich ist es kein Zufall, dass man OMEGA MASSIFs Demo Kalt ebenso ausspricht, wie dieses Album. Warum sind also PHANTOM WINTER die Nachfolgeband der außerordentlich guten Instrumental Doomer, und warum geht es nicht mit dem alten Namen weiter?

Ganz einfach. PHANTOM WINTER sind, obwohl die Riffs hörbar aus Andreas Schmittfulls Feder stammen, eine neue Band, eine, die den Klangkosmos des Vorgängers weiter voran treibt. Cvlt bietet die gleichen monolithischen Riffs und atmosphärischen Leads wie auch schon Geisterstadt oder Karpathia, auch die schleppend-tonnenschweren Rhythmen haben sich nicht verändert. Die Bandbreite hat sich aber enorm erweitert und brach aus dem bisherigen Bandkosmos aus. Das heftige, nahezu hysterische und anfangs etwas gewöhnungsbedürftige Geschrei von Sänger Christian Krank zehrt an den Nerven, es gibt Ausbrüche in schnelle Geschwindigkeitsregionen, aber auch sehr ruhige Momente: Avanalanche Cities beginnt mit beinahe postrockiger Melancholie und endet mit einer Tragik, die an FALL OF EFRAFA denken lässt, einige Samples wie in Svffer unterstreichen die Atmosphäre, Corpses Collide verstört durch morbides Klavier.

Apropos morbide: PHANTOM WINTER kriechen durch eine Welt aus Schmutz, die fünf Songs klingen räudig und ursprünglich, die Gitarren sind verzerrt, es ist eine Menge Raum im Schlagzeug zu hören, so dass Cvlt nicht nach frostiger Bergwelt, sondern eher nach einem Kellergewölbe mit allerlei Folterwerkzeugen klingt. Der Gesang, mit einer Menge Hall versehen, trägt sein Übriges dazu bei. Entstanden ist daraus ein monströses Album: Fünf Songs in gut vierzig Minuten, voller spannender Aufbauten, voller Druck und mit einem hohen Maß an Abwechslung in passend pechschwarzer, düsterer Aufmachung. Winterdoom nennen die vier Musiker das finstere Gebräu, aber es funktioniert auch in den anderen Jahreszeiten gut.

Wirklich abheben können, ja vielleicht auch wollen, sich PHANTOM WINTER noch nicht von OMEGA MASSIF, aller neuen Einflüsse zum Trotz. Es bleibt also etwas Vertrautes übrig, auch wenn wir auf neue Entdeckungsreise gehen. Cvlt ist dank seiner intensiven Momente, der spannend arrangierten und mit viel Dynamik ausgestatteten Songs wie Finsterwald, Svffer und vor allem dem abschließenden Leviathan Wintercvlt ein Album, das unter die Haut geht. Und obwohl es keinen Lichtstrahl gibt, der Cvlt erhellt, ist nicht alles eintönig schwarz – ein beißender, sarkastischer Unterton ist in den Texten zu vernehmen. Allen positiven Aspekten zum Trotz wird deutlich: Es steckt noch mehr Potenzial in PHANTOM WINTER, so dass wir uns sicher sein können, von dieser Band noch viel mehr und viel Brutaleres ertragen zu müssen. Aber wir können unbesorgt sein: PHANTOM WINTERs Debüt ist kein Schnellschuss geworden, und das obwohl diese Band erst vor einem halben Jahr gegründet wurde. Cvlt ist unbarmherzig, enorm heavy und bitterböse – eben genau das, was wir hören wollen.

Veröffentlichungstermin: 24. April 2015

Spielzeit: 41:06 Min.

Line-Up:
Andreas Schmittfull
Christof Rath
Christian Krank
Martin Achter

Label: Golden Antenna

Homepage: http://www.phantomwinter.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/wintercvlt

Tracklist:
1. Corpses Collide
2. Finster Wald
3. Svffer
4. Avalanche Cities
5. Wintercvlt

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