PARADISE LOST: The Plague Within

PARADISE LOST: The Plague Within

Ich kann mitunter schon ein sturer, nachtragender Bock sein – in musikalischer Hinsicht. Gerade wenn es um Bands aus meiner frühen Jugend geht, die sich weiter oder einfach in eine andere Richtung entwickelt haben, wie ich es mir gewünscht hätte. Ob METALLICA, PYOGENESIS oder eben auch PARADISE LOST. Kaum passte mir ein Album Mitte der 90er-Jahre nicht, wandte ich mich eingeschnappt ab. Und im Falle von PARADISE LOST für zwei Jahrzehnte.

Und nun legen die Briten mit The Plague Within ein Album vor, das versöhnlich stimmt. Und hätte es nicht die anderwertigen Rückbesinnungen von Gregor Mackintosh (VALLENFYRE) sowie jüngst Nick Holmes (BLOODBATH) gegeben und wären nicht frühere PARADISE LOST-Verehrer unserer Redaktion im pausierenden Modus, wäre ich vielleicht gar nicht auf den Gedanken gekommen, mich dem 14. Album von PARADISE LOST im Rahmen einer Rezension zu nähern.

Tja, und um es vorweg zu nehmen, The Plague Within kommt ganz, ganz nah an mich heran. PARADISE LOST kehren zwar nicht gänzlich zu Frühwerken wie Gothic oder Shades of God zurück, doch gelingt ihnen eine Mischung aus früheren Death / Doom-Tugenden und aus der im Laufe der Jahrzehnte erworbenen Routine und das Wissen um schlüssiges und funktionierendes Songwriting. The Plague Within ist demnach eine erneute Weiterentwicklung – auch hinsichtlich Tragic Idol zum Beispiel.

Sänger Nick Holmes kehrt nicht zuletzt aufgrund des BLOODBATH-Trainings (Grand Morbid Funeral) zu alter Growl-Stärke und der damit verbundenen Verbitterung zurück, zeigt aber auch mit seinem Clean-Gesang auf. Das gibt dem Gesang und den Songs Dynamik. Eine Dynamik, die man wie gewohnt auch dem Gitarrenspiel zu verdanken hat, indem oft auch im Hintergrund viel Gitarrensound die Songs bereichert und füllig macht (Terminal). Von dem eigenen Klangspektrum der Lead Gitarre von Greg Mackintosh ganz zu schweigen.

Was die Stärke von The Plague Within zusätzlich ausmacht, ist der Abwechslungsreichtum der Kompositionen. Jeder Song stellt für sich eine abgeschlossene, unverwechselbare Einheit dar, die sich über das ganze Abum aber doch flüssig darstellt. Da gibt es die zermürbenden Death / Doom-Tracks wie Beneath Broken Earth und Sacrifice the Flame, die rockig angehauchten Songs wie Punishment Through Time oder Cry Out oder atmosphärische Highlights à la An Eternity of Lies und Return to the Sun mit seinem sakralen Chor. Dass PARADISE LOST auch so manchen überraschenden Ausflug in (wieder) andere Gefilde machen – wie zum Beispiel kurzzeitig zum Black Metal (Flesh from Bone – sehr stark) – zeigt ein Stück weit, dass die Briten wieder so richtig Spaß am unbelasteten Musizieren und Komponieren haben.

Veröffentlichungstermin: 01.06.2015

Spielzeit: 50:27 Min.

Line-Up:
Nick Holmes – Gesang
Greg Mackintosh – Lead Gitarre
Aaron Aedy – Rhythmus Gitarre
Steve Edmondson – Bass
Adrian Erlandsson – Schlagzeug

Gast-Musiker:
Liam Byrne – Viola Da Gamba
Daniel Quill – Violine
Heather Thompson – Gesang

Produziert von Jaime Gomez Arellano
Label: Century Media Records

Homepage: http://paradiselost.co.uk

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/paradiselostofficial

Tracklist:
1. No Hope in Sight     
2. Terminal
3. An Eternity of Lies
4. Punishment Through Time
5. Beneath Broken Earth
6. Sacrifice the Flame
7. Victim of the Past
8. Flesh from Bone
9. Cry Out
10. Return to the Sun

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Christian Wögerbauer
Seit 2005 bei Vampster und Lieferant für Reviews, News, Live-Berichte und -Fotos.Genres: Doom, Death, Gothic, Sludge