CHROME HOOF: Crush Depth

CHROME HOOF: Crush Depth

Die Frau von der Telefonmarketingfirma war gerade etwas irritiert, als sie fragte, ob sie mich nach meiner Meinung zu Elektrofachmärkten befragen darf. Ich glaube, es lag daran, dass CHROME HOOF allein als zugegebenermaßen nicht gerade leises Hintergrungeräusch ihren Horizont etwas gesprengt hat. Nun, was ist das für ein Hintergrundgeräusch, das es schafft, Umfragefuzzis zum Auflegen zu bewegen, als auch dafür sorgt, dass sich Captain Chaos eine Superheldenuniform näht (oder nähen lässt) und versucht fiesen Retrogangstern aus der Zukunft das Handwerk zu legen? Nun, so etwas wie CHROME HOOF eben. Und das ist nicht nur völlig verdreht und einmalig, sondern auch gefährlich catchy und sexy.

Crush Depth ist eine wilde Mischung aus Heavy Metal, Musical, Theater, Elektro, Jazz, Funk, Psychedelic Rock, Soundtrack und so weiter. CHROME HOOF limitieren sich in keinster Weise und lassen die Musik auf sich heraus sprudeln. Die zwölfköpfige Londoner Band ist für den Superhelden in dir genau das Richtige. Egal ob wilde, gefährliche Hits wie Crystalline und Deadly Pressure, psychedelische Drogenräusche im Stil der Siebziger wie Sea Hornet, krude Bollywood-Streichereinsätze wie in Bunkers Paradise und schließlich sogar ein Epos wie Witches Instruments And Furnaces, das SPINAL TAPs Stonehenge ins fünfundzwanzigste Jahrhundert schießt und den Discobeat als Waffe gegen eine Alieninvasion verwendet – glaube mir in der Welt von CHROME HOOF ist wirklich alles möglich.

Konsequent wie diese mental verwilderten Briten sind, bleibt es nicht allein bei dieser schwer greifbaren Musik, mit ihren Glitzeroutfits und ihrem schrillen Auftreten wird es erst richtig konsequent. Aber darauf kann man CHROME HOOF beim besten Willen nicht reduzieren, immerhin ist Crush Depth ein Album mit wirklich brillanten Songs. Ein paar Durchhänger gibt es aber dennoch, und zwar dann, wenn CHROME HOOF wie in Towards Zero vor lauter abdriften den Song aus den Augen verlieren. Dies geschieht zum Glück nur selten und davon abgesehen ist das dritte Album dieser Truppe ein Füllhorn an Ideen und Kreativität. Vor allem im Bereich des Gesangs gibt es einiges zu erleben, Sängerin Lola Olafisoye, eine Bad-Ass-Version der jungen Diana Ross, liefert eine irre Performance. Auch die groovige Rhythmussektion sensationell, gerade der Bass begeistert. Dieser stammt übrigens vom Initiator dieses Projekts: Leo Smee, im anderen Leben Bassist bei CATHEDRAL.

Aber auch die anderen zehn Bandmitglieder haben eine Menge zu bieten. Irre Synthesizer, Violinien, Bläser, Percussions, fette Riffs, all das wird verschmolzen und es wirkt trotzdem nicht wie Kraut und Rüben, fantastisch. Nein, Crush Depth macht erschreckend viel Sinn, hier kannst du dich stundenlang unterhalten lassen, ohne dass es auf die Nerven geht, oder dass es langweilig wird. Ja, du musst in der richtigen Stimmung für diesen glitzernden, grellbunten Trip sein. Aber einmal eingestiegen in das Raumschiff CHROME HOOF, willst du auch gar nicht mehr raus.

Veröffentlichungstermin: 21. Mai 2010

Spielzeit: 59:01 Min.

Line-Up:
Leo Smee – Bass, Vocals, Synth, FX, Percussion
Milo Smee – Drums, Percussion, Synth, Piano, Words, FX
Chloe Herington – Bassoon, Saxophone
Emma Sullivan – Trumpet, Screams, Vocoder
Andy Gustard – Guitar, Percussion
Emmett Elvin – Rhodes, Organ, Synth
Lola Olafisoye – Vocals
Nuwella Love – Vocals
Sarah Anderson – Violin, Viola
Tim Bowen – Cello
Claire Brown & Hannah Morris – Dancers
Label: Southern Records
MySpace: http://www.myspace.com/chromehoof

Tracklist:
1. Cure Delusion
2. Crystalline
3. One Day
4. Labyrinth
5. Sea Hornet
6. Mental Peptides
7. Bunkers Paradise
8. Towards Zero
9. Witches Instruments And Furnaces
10. Third Sun Descendent
11. Deadly Pressure
12. Vapourise
13. Anorexic Cyclops