BATHSHEBA: Servus

BATHSHEBA: Servus

Willkommen zum Hexensabbat mit Michelle Nocon. Die ex-SERPENTCULT-Sängerin liest mit dem BATHSHEBA-Debütalbum ihre ganz eigene, tiefschwarze Messe. Ihre schaurig-schönen Beschwörungsformeln zwischen Furie und Verführerin machen das Album zu etwas Besonderem. Normal ist hier gar nichts –“Servus“  ist wie das musikalische Äquivalent zu einem guten Foto eines Lost Places.  Gewöhnliche Strukturen werden verzerrt, verrückt und verbogen, bis sie zwar noch erkennbar sind, aber längst ihr eigenes Leben entwickelt haben, Dabei werfen BATHSHEBA  eigentlich gar nichts Außergewöhnliches in ihren Hexenkessel – aber ihre Grundzutaten sind von bester Qualität. Befeuert von finsterer Kreativität, entstehen so brodelnde Songs, die mal sanft simmern, mal siedend schwarzen Dampf verströmen, mal mit zerstörerischer Macht eruptieren.

Die Band hat ein Gespür diese vermeintlich simplen Doom-Riffs: Ein paar wenige Töne fließen zäh, schwarz und klebrig wie heißer Teer aus dem Boxen –  und setzen sich dann im Hirn fest, wo sie erkalten und nicht mehr weggehen. Bestes Beispiel dafür: Der Mammutsong „Manifest“ – der so geschickt aufgebaut ist, dass man gar nicht merkt, dass man schon über zehn Minuten zuhört.  Und dann noch dieser tolle, warme, altmodische  Röhrenverstärker-Gitarrensound, besonders schön kommt er im Solo von „The Sleeping Gods“ zur Geltung.

Lediglich die Reihenfolge der Songs empfinde ich als etwas unglücklich:  Der zweite Song „Ain Soph“ ist mit seinem verqueren Saxophonpart und Black Metal-Geknüppel ziemlich verstörend – das ist schon ein hartes Stück Musik, durch das man sich da erstmal durchbeißen muss, bis man mit den etwas zugänglicheren Tracks wie „Demon 13“ oder „I At The End Of Everything“  belohnt wird.

Ohnehin ist das Album nichts für jeden Tag, dafür sind Nocons Stimme und die grundsätzlich leicht wahnsinnige Stimmung der Songs viel zu wenig eingängig. Wer aber ein finsteres Abenteuer erleben mag, kann das mit diesem erfreulich eigenständigen Album tun. Man sollte diese schon etwas irre Band im Auge behalten, so oder so….

Veröffentlichungsdatum: 24. Februar 2017

Spielzeit: 45:13

Label: Svart Records

Michelle Nocon – Chants
Dwight Goossens – Gitarre
Raf Meukens – Bass
Jelle Stevens – Drums

Tracklist:
Conjuration of Fire
Ain Soph
Manifest
Demon 13
The Sleepless Gods
I at the End of Everything

Teilen macht Freude:

andrea

Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin…