SEBASTIAN BERGMAN: Spuren des Todes 1 [2DVD]

SEBASTIAN BERGMAN ist Schweden-Krimikost vom Feinsten, die mit intelligenten Fällen und interessanten Personen zu fesseln weiß.

Es gibt Schauspieler, die stehen für die Fans für ein komplettes Genre. Schwedische Krimis, oder skandinavische Filme im Allgemeinen, da denkt sicher jeder zuerst an das Gunvald Multitalent Mikael Persbrandt, Peter Haber (Kommissar Beck), Krister Henriksson (Mankel´s Wallander) und natürlich Rolf Lassgård, der andere Kurt Wallander. Gerade dieser eigen/einzigartige Mann steht für den klassischen abgewrackten, vom Leben gezeichneten Polizisten, unbequem, schrullig, mit zahllosen Leichen im seelischen Keller. Und eben solch eine Person präsentiert er uns nun wieder einmal in der Reihe SEBASTIAN BERGMAN: Spuren des Todes nach den Romanen von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt. Die ersten beiden Fälle in Spielfilmlänge gibt es nun als Doppelpack. Bergman ist ein ehemals angesagter Profiler, zerrissen von persönlichen Erlebnissen, vor allem dem Tod seiner Familie beim Tsunami 2004 in Thailand, ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Die ersten beiden Fälle bringen ihn nun wieder ins Spiel, nicht gerade zur Begeisterung seiner Ex-Kollegen.

In Der Mann, der kein Mörder war muss Bergman das Haus seiner verstorbenen Mutter räumen, wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert, natürlich ganz zufällig gibt es einen Mord, in dessen Aufklärung sich der Profiler drückt. Die Skepsis im Team ist groß, seine Gedanken und sein Vorgehen nehmen jedes Fettnäpfchen mit. Das aber nicht in belustigender Weise, der Mann tut einem sehr bald eher leid, das hat er nicht verdient. Aber – typisch schwedisch – auch das gesamte Team gibt Rätsel auf, auch da hat jeder seine eigene Geschichte, die zumeist unaufgeklärt bleibt. Interessante Menschen gibt es reichlich zu entdecken, sodass die Menschlichen Dramen fast die Storyline überdecken. Wer schillernde, unterhaltsame Bubblegum-Krimis mag, der ist in Skandinavien ja eh falsch. Und was hat es mit der jungen Polizistin im Team auf sich, da bahnt sich doch was Schräges, später doch etwas zu Klischeehaftes an. Der Fall bleibt komplex, von allen Seiten tauchen Wendungen und neue Personen auf, der Film bleibt zäh wie die beteiligten Charaktere, wirklich Fahrt im Sinne von Action nimmt die Folge nicht auf. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist man schnell drin im Fall und gefesselt. Wer auch die Ausstrahlung im ZDF-Sonntagskino gesehen hat, entdeckt mit neuem Durchlauf immer mehr Facetten im Fall und in den Personen. Und immer dann, wenn man zu sehr vom Mensch Bergman abrückt, hat der wieder seine psychischen Einbrüche, rückt seine Zerrissenheit wieder in den Fokus. Natürlich kommt man der Sache näher, natürlich nimmt alles ein unglückliches Ende, natürlich bleiben bewusst Fragen offen, wir sind hier ja nicht bei CSI-Sonstwo.  

Beim zweiten Film geht es um einen Serienkiller. Schnell zeigt sich, dass es hier auch um BERGMAN geht, die Morde erinnern an einen perversen Frauenmörder, an dessen Ermittlung und Verhaftung der Profiler einst maßgeblich beteiligt war. Wie üblich in seinen Darstellungen präsentiert sich Rolf Lassgård wieder als Womanizer, dieser schmierige, eigentlich schon abstoßende Typ, er kriegt sie alle! Dass er hier als BERGMAN damit seine eigenen schmerzenden Emotionen zudecken will – keiner kann so einen zerrissenen Menschen besser spielen! Nun also erwischt es auch die Frau aus einer Therapiesitzung, zu der BERGMAN überredet wurde, und mit der er einen vielversprechenden One Night Stand hatte. Die Morde entsprechen dem Stil des inhaftierten Mörders, handelt es sich um einen Nachahmer oder führt er gar die abscheulichen Morde im Auftrag durch? Der alte Mörder scheint mit BERGMAN zu spielen. Ok, dass man ihm den Stempel eines kleinen Hannibal Lecter á la Schweigen der Lämmer aufdrücken will, das wirkt ein wenig zu offensichtlich. Nun denn, wieder findet BERGMAN den tatsächlichen Killer, alle sind begeistert, der Profiler weiß, dass hier was nicht stimmt. Zeit, zu alter Form aufzulaufen, ein cooles psychologisches Duell zwischen BERGMAN und dem jetzigen Mörder dreht die Schraube noch mal kräftig an, ein eher wenig überraschender, aber spannender Showdown wird geboten. Auch das Ende ist wenig überraschend, aber ein stimmiger, angenehmer Abschluss.

SEBASTIAN_BERGMAN_Spuren_des_Todes_TeamEs gibt reichlich dunkle Bilder, die helleren Momente sind gern etwas vernebelt, die bewusst immer etwas wackelige Kameraführung schafft den Eindruck, ein heimlicher Beobachter zu sein, der Soundtrack ist ebenfalls zermürbend und bedrückend. Wie groß diese Serie ist, war mir beim ersten Anschauen der TV-Ausstrahlung gar nicht so klar. SEBASTIAN BERGMAN ist Schweden-Krimikost vom Feinsten, die mit intelligenten Fällen und interessanten Personen zu fesseln weiß. Wer typisch schwedische Kriminalfilme mag, der kommt hier voll auf seine Kosten. Da ist es fast schade, dass man nur zwei DVDs bekommt, aber an einer Fortsetzung der Serie wird bereits gearbeitet, auch weil der Auftakt zuhause in Schweden sehr erfolgreich war. Angenehm auch, dass es hier nicht die fast typischen Löcher in der Storyline gibt, die so manche ähnliche schwedische DVD-Reihe mit sich bringt, weil auf DVD gekürzte Fassungen gepackt werden. Schade hingegen, dass es keinerlei Bonusmaterial gibt, keine Untertitel und vor allem keine originale schwedische Tonspur.

Trotzdem kann man sich als Fan schwedischer Krimis SEBASTIAN BERGMAN: Spuren des Todes gern noch unter den Weihnachtsbaum packen, einen trockenen Rotwein und ´ne Schale lecker Dammsugare und der Fernsehabend ist gerettet!

Darsteller: Rolf Lassgård, Tomas Laustiola, Gunnel Fred, Moa Silén, Christopher Wagelin u.a.

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Veröffentlichungstermin: 22.10.2013

Spielzeit: ca.200 Min.
Label: Edel:Motion