TIAMAT & ANATHEMA, Stuttgart LKA, 23.11.1999

Ein netter Abend, der mich eines Besseren belehrte: Tiamat können noch richtig rocken!



ANATHEMA

Weil wir uns wirklich jedes Mal verfahren – aber wirklich jedes Mal – wenn wir ins Stuttgarter LKA wollen, und zu allem Überfluss auch noch von der falschen Anfangszeit ausgingen, kamen wir erst an, als Anathema schon beim zweiten Stück waren.

Anathema gelang es, innerhalb weniger Minuten einen Großteil des Publikums in ihren Bann zu ziehen. Die sympathischen Engländer jagten mir und sicherlich auch vielen anderen eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken. Mit ihren intensiven Songs und einer tollen Lightshow gelang es ihnen schnell, eine tolle, atmosphärische Stimmung zu schaffen. Höhepunkt der Show war eindeutig Sleepless, das im Original eben doch um einiges besser als die Cradle of Filth-Version klingt. Insgesamt war der Gig ein recht intensives Erlebnis, der vor allem durch das überzeugende Acting von Sänger und Gitarrist Vincent Cavanagh lebte.

Tracklist: (danke an Julian vom Moshpit, der uns die Tracklists mitbrachte):

Deep

Forgotten Hopes

Empty

Cries on t´ wind

Fragile

Inner silence

Judgement

Sleepless

Dying wish



TIAMAT

Eigentlich wollte ich mich ja an diesem Abend von Tiamat verabschieden. Die Show beim Dynamo vor zwei Jahren, als Edlund und Co. Sonntagabends den Rausschmeißer machten, war mir noch in unangenehmer Erinnerung. Zu wenig Spannung, zu wenig Action, zu wenig Bewegung – sprich: Gepflegte Langeweile. Dazu kommt, dass mich das aktuelle Tiamat-Album Skeleton Skeletron nicht gerade vom Hocker gerissen hat. Doch es kam mal wieder alles ganz anders. Tiamat waren zwar nicht die agilsten Musiker, dennoch war die Show keinesfalls langweilig.

Für die erste Überraschung sorgte die Band bereits, als sie den ersten Song anstimmten. Es gab kein langsames Aufwärmprogramm. The Ar und gleich danach Whatever that hurts bildeten den gelungenen Auftakt. Überhaupt, die Schweden spielten erstaunlich wenig Titel von Skeleton Skeletron, ebenso wenig von A deeper Kind of Slumber. Damit dürfte die Marschrichtung ungefähr klar sein. Statt dahinwabernder, ruhiger Songs gab es Tiamat, wie sie früher einmal waren. Titel wie Dust in our Face, For her pleasure, Best friend Money can buy passten zum ganzen alten Material der Band, wohl auch weil sie meiner Meinung nach um einiges kraftvoller und härter gespielt wurden. Nur die Frau an den Keyboards, die auch die Backingvocals übernahm, war an diesem Tag nicht besonders gut bei Stimme, oder sie ist nicht unbedingt talentiert zu nennen – der ein oder andere Ton lag doch etwas daneben.

Neben der gelungenen Songauswahl überzeugte auch Edlunds Stageacting, der mit grünen Kontaktlinsen recht charismatisch und vor allem glaubwürdig rüberkam – seine Bandkollegen verschwinden fast hinter seiner einmaligen Ausstrahlung. Das in einer stimmungsvollen Lightshow und ziemlich gutem, wenn auch recht lautem Sound. So ist es auch kein Wunder, dass es dem Publikum gefallen hat, wobei Sleeping Beauty bereits nach den ersten Gitarrenklängen mit Jubel begrüßt wurde und insgesamt am besten ankam. Nach dem regulären Set wurde dann auch erwartungsgemäß nach Zugaben verlangt, ein Wunsch, den die Schweden recht schnell erfüllten. Auf Edlunds Frage, wer denn die beste Band der Welt sei, tönte es auf verschiedenen Winkeln der Halle Tiamat oder Tristania. Gemeint waren allerdings die Sex Pistols – was wohl keiner Erwartete. Tiamat spielten dann eine eigenwillige Coverversion des Sex Pistols-Klassikers Pretty Vacant, gefolgt von der zweiten Zugabe 25th Floor.

Ein netter Abend, der mich eines Besseren belehrte: Tiamat können noch richtig rocken!

Tracklist:

The Ar

Whatever that hurts

Brighter than the Sun

Dust is our face

Phantasma Deluxe

The Sleeping Beauty

Best friend Money can buy

Visionare

Cold Seed

– – – – – – – – – –

Pretty vacant

25th Floor