KAUAN, FARSOT, ARCTIC SEA SURVIVORS, DHARK: Zuckerfabrik, Enns, 24.03.2018

KAUAN, FARSOT, ARCTIC SEA SURVIVORS, DHARK: Zuckerfabrik, Enns, 24.03.2018

Zu einem feinen Kozertabend in der Zuckerfabrik im oberösterreichischen Enns lud der Metal Music Verein Salzkammergut E.V. (bekannt durch die Ausrichtung des SICK MIDSUMMER Festivals). Die Location, die in den vergangenen Jahren nicht allzu oft von Metal-Kängen heimgesucht wurde, präsentierte sich mit einem passenden Ambiente. Die Verpflegung erfolgte an einer kleinen Bar, wo sich die Veranstalter um eine flotte und freundliche Bedienung bemühten. Auch in puncto Sound gab es nichts zu bemängeln: sehr homogen kamen die einzelnen Instrumente zur Geltung und selbst die Lautstärke war gut dosiert; die Ohropax konnnte man sich also getrost sparen.

DHARK

Das Trio aus Wien hatte als Opener nicht den leichtesten Einstand, als dass der sperrige und träge Progressive Dark Metal nicht dazu geeignet war, das Publikum aus der Reserve zu locken. Auch erwiesen sich DHARK in Sachen Bühnen-Show als eher einfallslos – einziger Hingucker war der dunkle Punkt auf der Stirn der jeweiligen Musiker. Musikalisch gaben die Tracks gerade zu Beginn nicht so viel her, ehe „The Souls of the Fallen Inhale“ von der aktuellen EP „Vienna Falling“ die experimentelle Lethargie etwas durchbrach. Zwar ist auch dieser Song mit seinen Samples experimentell angehaucht, doch war hier mehr Groove als zuvor zu spüren. Der Gesang wurde oftmals zweistimmig von Gitarrist Matthias und Bassist Mark, die sich im Übrigen recht ähnlich sahen, vorgetragen – und auch stimmlich waren die Unterschiede nur marginal. DHARK hatten somit nicht den leichtesten Stand – das Publikum war einfach noch nicht aufgewärmt und der Stil der Band war fürs Einheizen nur bedingt geeignet.

Konzertfotos DHARK

ARCTIC SEA SURVIVORS

Kälte symbolisierte – passend zum Thema des Konzertabends (siehe KAUAN) – der nachfolgende Act. Denn alleine schon der Bandname ARCTIC SEA SURVIVORS suggeriert eine beklemmend kalte Stimmung. Doch anders als DHARK konnte das Grazer Quartett dem Publikum erste Aktivitäten entlocken. Grund dafür war, dass die Melodien und die Rhythmik des instrumentalen Doom / Post Metals sehr eingängig waren. Was auf Scheibe etwas zu eintönig erklingt (2015 erschien das selbstbetitelte Demo), ließ live durchaus aufhorchen. Die feinen Melodien wussten zu gefallen. Dass das eine oder andere Gitarren-Solo ein bisschen patschert klang, konnte da verschmerzt werden. Wohl auch deshalb, weil ARCTIC SEA SURVIVORS auch etwas an Bühnen-Show betrieben. Vor allem bekam man des Gefühl, dass die Musiker ihre Emotionen für und mit der Musik preis gaben.

Konzertfotos ARCTIC SEA SURVIVORS

FARSOT

Mit FARSOT kam dann der erste internationale und somit auch bekanntere Act. Mit im Gepäck hatte die Band aus Thüringen ihr aktuelles Album „Fail·Lure„, das den größten Raum im Live-Set einnahm. Nicht zu unrecht: denn sowohl das Album als auch die Live-Umsetzung wussten zu gefallen. Dementsprechend ging auch das Publikum beim atmosphärischen Black Metal mit. Während gerade zu Beginn die Gitarren und das Schlagzeug-Spiel für Stimmung sorgten, benötigte Sänger 10.XIXt etwas Anlaufzeit. Zum einen klappten die cleanen Vocals noch nicht so ganz bzw. gingen diese etwas unter und zum anderen ließ er einen Vorher-Nachher-Vergleich zu, der das zuvor Gehörte ins Abseits stellte. Denn gegen Mitte des Gigs ließ der Frontman derart emotional geleitete Screams von sich, dass einem Hören und Sehen vergingen. Somit war 10.XIXt angekommen und auch in seinem Bühnen-Acting nicht mehr zu bremsen. Wie in Trance wiegte er sich mit dem Mikrofonständer hin und her und aktivierte somit auch das Publikum. Somit waren FARSOT die aktivste und flotteste Band des Abends – und auch die härteste. Ähnlich wie „Fail·Lure“ als Album ein gelungener Auftritt also.

Konzertfotos FARSOT

KAUAN

Den Abschluss bildete mit KAUAN der Haupt-Act des Konzertabends. Im Vorfeld wurde bereits kommuniziert, dass die Russen bzw. Ukrainer ihr sechstes Album „Sorni Nai“ (2015) komplett zum Besten geben werden. So geschah es auch, dass das Quintett mit dem intonierten Unglück am Djatlow-Pass loslegte – so man denn von loslegen sprechen kann, ist doch der Stil der Osteuropäer eher dem Doom / Post Rock zuzuordnen. Entsprechend elegisch wurde das Album musikalisch und (mit Bildern vom Umglück bzw. Inlet) visuell präsentiert. Hiernach blieb nicht mehr sehr viel Zeit, womit sich das Publikum mit zwei Tracks vom aktuellen Album „Kaiho“ begnügen musste. Musikalisch bekommt man immer mehr eine Idee davon, dass sich KAUAN mehr und mehr von den Metal-Wurzeln entfernen und sich eher dem Art / Post Rock zuwenden. Dennoch fand Bandgründer Anton Belov noch Gelegenheit, Growl-Passagen einzustreuen. Ansonsten regierte der (mitunter dreistimmige) Clean-Gesang. Durch die oftmals filigranen Songs fiel es dem Publikum schwer, richtig aktiv zu werden. Viel eher sah man die Zuschauer verträumt ihre Köpfe wiegen oder konnte Zeuge von privaten Gesprächen werden, die fünf Meter entfernt geführt wurden. Schön anzuhören waren KAUAN allemal und die wenigen härteren Passagen hatten schon Substanz. Dennoch kam es – wohl auch für die Russen – überraschend, dass der Großteil des Publikums nach dem Ende des Sets aus der Halle strömte, ungeachtet dessen, dass die Musiker noch ihre Instrumente für eine mögliche Zugabe auf der Bühne gelassen hatten. Tja.

Konzertfotos KAUAN

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.