BELA B. Y LOS HELMSTEDT: Nürnberg, Löwensaal, 29. September 2006

Der Graf ruft – und alle kommen. Na ja, nicht alle, aber doch ziemlich viele. Darunter der gnadiator, der sich das Gastspiel des ÄRZTE-Trommlers in Nürnberg nicht entgehen ließ …

Mit den ÄRZTEN ist es ein wenig so wie mit KISS in den 70er-Jahren. Oder den BEATLES im Jahrzehnt davor: Jeder hat seinen Lieblingsmusiker. Wie gut für den Direktvergleich, dass DIE ÄRZTE derzeit eifrig auf Solopfaden wandeln. Während Gitarrist FARIN URLAUB mit seinem RACING TEAM bereits diverse Male hier in der Region zu Gast war, folgte nun ÄRZTE-Schlagzeuger BELA B. mit Begleitkapelle Y LOS HELMSTEDT.

Es hat ein wenig gedauert, bis der tätowierte Trommler den Weg in den Löwensaal fand. Denn während auf Farinella schon eifrig getourt und mächtig feiert wurde, schraubte man in Belahausen noch emsig an der ersten eigenen CD. Auf Bingo, so der Titel des guten Stücks, zaubert Dirk Felsenheimer alias BELA B. ein paar schicke Hits aus dem Ärmel, wirft jedoch unter dem Strich zu viele Balladen in die Pfanne. Dafür hat sein Alleingang deutlich mehr Glamour – auf Platte wie bei der Bühnenoptik.

Auch live im gutbesuchten Löwensaal macht der singende ÄRZTE-Schlagzeuger als Gitarrist erwartungsgemäß eine gute Figur. Mag der Graf im Herzen auch ein Rocker sein – hier schimmern dann doch all dieweil immer mal wieder Showgrößen wie Lee Hazelwood, Nick Cave oder gar Elvis durch. Für die politische Komponente sorgt der Song Deutsche, kauft nicht bei Nazis!, den es kostenlos im Internet gibt und bei dem der Horrorfan und Bela Lugosi-Verehrer daran erinnert, dass es seit letzter Woche in Deutschland gerichtlich verboten ist, als Protest gegen alte und neue Nazis das durchgestrichene Hakenkreuz als Button oder Aufnäher zu tragen.

Ernste Momente an einem Abend, der ansonsten voll auf die Entertainerqualitäten von Doktor Felsenheimer setzt. Und der hat natürlich auch in Nürnberg stets das letzte Wort. Ausziehen! kräht es von der Empore herab, und der 43-Jährige kontert prompt: Ja, das hat meine Mutter auch zu mir gesagt, und bumms: Weg war ich! So läuft das an diesem launigen Abend, der flott startet, zwischendrin mal mächtig durchhängt, im Finale dann aber noch mal anzieht, als sich Bela hinters Schlagzeug klemmt, um mit seiner Band eine Version des RAMONES-Klassikers Pet Sematary anzustimmen.

Fazit: Nett und lehrreich, diese Soloausflüge der Doktoren. Vor allem, weil sie ein paar Sachverhalte deutlich machen. Erstens: Farin ist der bessere Songwriter. Zweitens: Nur im Team sind die beiden unschlagbar. Und was den Autor dieser Zeilen angeht: Rein subjektiv betrachtet ist und bleibt Bela der Arzt meines Vertrauens. Bingo … äh, Basta!