REBELLION: Kein Bock auf ´ne Kopfgeschichte!

REBELLION: Kein Bock auf  ´ne Kopfgeschichte!

Puh, das ging aber fix. Dreizehn Monate nach dem allerorts mit guten (und besseren) Kritiken bedachten Erstling „A Tragedy In Steel – Shakespeare´s Macbeth“ legen Björn Eilen (Guitar, Ex-WARHEAD), Michael Seifert (Vocals, Ex-BLACK DESTINY), Randy Black (Drums, ANNIHILATOR, BIF NAKED) und die beiden Ex-GRAVE DIGGER-Recken Uwe Lulis (Guitar, der zwischen 1993 und 1999 fünf Studioalben für/mit GRAVE DIGGER co-komponierte und einspielte, aber auch das unsägliche „Stronger than Ever“-Album mit (GRAVE) DIGGER mitzuverantworten hat) und Tomi Göttlich (Bass, Ex-ASGARD und von 1993 – 1997 und für drei Studioalben ebenfalls bei GRAVE DIGGER) MIT Born a Rebel“ ihr zweites Album vor, das keinen Fan des Erstlings und von Bands wie GRAVE DIGGER enttäuschen dürfte. Mein Gesprächspartner war Basser Tomi, der sich natürlich zuerst fragen lassen musste/durfte, ob es sich bei den Songs von „Born a Rebel“ um brandneue Titel oder um Überbleibsel der Aufnahmen zu ersten Album handelt.

Weitestgehend handelt es sich um neues Material, aber ‚Power of Evil’ wurde schon für das erste Album geschrieben während ‚Through the Fire’ eine Nummer ist, die bereits vor etwa zehn Jahren entstanden ist, von uns aber umgeschrieben wurde. Ansonsten sind es alles neue Songs, die sozusagen ‚on the fly’ entstanden sind. Wir wollten ursprünglich an neuen Demos arbeiten, Uwe wollte neues Studioequipment ausprobieren und fing an, diverse Sachen aufzunehmen. So sind denn peu à peu die Stücke entstanden. Ich hatte dabei zwar ein ziemliches schlechtes Gefühl, weil ich diesbezüglich lieber der Planer bin. Uwe ist in dieser Hinsicht eher der spontane Typ, und im Nachhinein war es auch eine gute Idee mal nicht so geplant und strukturiert an ein Album heranzugehen, sondern einfach zu schauen, was passiert. Das war natürlich ein gewisses Risiko, aber rückblickend gesehen hat es sich schon gelohnt…

Trotz der unterschiedlichsten Heransgehensweise an die beiden Scheiben, sind die stilistischen Unterschiede doch eher gering, oder?

Ich hab’ immer ein Problem damit, meine Musik einigermaßen objektiv einzuschätzen. Das kann – glaube ich – niemand. Ich finde schon, dass es Unterschiede gibt, denn auf der ersten Scheibe haben wir mehr experimentert, wenn ich an die ganzen Keyboardsachen denke. Wenn man die neue Scheibe hört, wird man merken, dass für uns eher untypische Titel wie ‚Claws of Madness’ oder ‚Husbandry in Heaven’ dieses Mal nicht zu hören sind. Insgesamt finde ich auch, dass ‚Born a Rebel’ etwas rauer und unpolierter geworden ist. Anders ist natürlich auch, dass wir dieses Mal nicht die Musik einem Konzept unterordnen wollten oder mussten.

Was ist denn für Dich als Texter schwerer? Texte, für ein Konzeptalbum zu schreiben, dessen Inhalt von einem klassischen, also bekannten, Werk handelt. Oder ist es schwerer sich für jeden Song einen anderen Textinhalt auszudenken?

Für mich als Texter ist vor allen Dingen viel mehr Arbeit, wenn man sich an eine klassisch-historische Vorlage halten muss und man einen gewissen Anspruch an sich hat. Schwieriger ist es aber nicht, nur man muss halt sehr, sehr viel mehr recherchieren. Bei ‚Born a Rebel’ war es ja oft so, dass oft zuerst das Riff da war und man sich dann von diesem inspirieren lassen musste. Aber generell sind diese beiden Arten des Textschreibens nicht vergleichbar.

Nun ist „Born a Rebel“ KEIN Konzeptalbum geworden, aber gibt es noch Ideen für ein Konzeptalbum, die in Deinem Kopf herumgeistern?

Ich würde wahnsinnig gerne, und diese Idee habe ich bereits seit zehn Jahren im Kopf, die ‚Rheingold’-Geschichte vertonen, also witzigerweise genau das, was GRAVE DIGGER jetzt machen. Also werde ich wohl weitere zehn Jahre warten müssen, auch wenn ich da ganz anders rangegangen als GRAVE DIGGER es getan haben. Ich hab aber, sicherlich auch dadurch bedingt, dass ich „Literaturwissenschaft“ studiert habe, noch tausend Ideen im Kopf. Aber es müssen bei so einer Sache halt viele Dinge zusammenpassen. Man muss Zeit und Lust haben, sich mit dem jeweiligen Thema zu befassen. Und ganz wichtig ist auch, dass die komplette Band hinter der jeweiligen Geschichte steht. Bei der „Born a Rebel“ hatte auch keiner von uns Bock darauf, wieder so eine Kopfgeschichte zu machen. Vom Gefühl her war der Band klar, dass es dieses Mal einfach nach vorne knallen muss.

Könntest Du Dir auch vorstellen, ein Konzeptalbum über aktuelle Themen zu schreiben? Ähnlich wie Bruce Springsteen mit der „Rising“-Scheibe gemacht hat, bei der er sich mit dem Terroranschlag am 11.September 2001 beschäftigte.

Nein. Wenn ich mit jemandem über z.B. den Irak-Krieg diskutiere, dann geschieht das mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und ich tue mich schwer, einen amerikanischen Soldaten als Helden zu sehen oder ihn zu einem solchen aufzubauen. Oder Saddam Hussein nur als den Bösen und George Bush nur als den Guten zu bezeichnen. Die Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Themen muss differenzierter stattfinden und ich glaube nicht, dass das ein Heavy Metal-Album, das natürlich von den klassischen Klischees lebt, kann. Deshalb finde ich besser und angemessener über eher klassische Themen zu schreiben.

Beim Covern fremder Stücke muss man den oder die Originalinterpreten um Erlaubnis fragen. Wie sieht es bei klassischen Werken wie z.B. „Macbeth“ aus? Muss man da auch an die Nachfahren von Herrn Shakepeare um Erlaubnis fragen?

Nein, es gibt da halt Fristen, nach deren Ablauf diese Werke zu allgemeinem Naturgut werden, die jeder verwursten kann, wie er das möchte.

Auf der neuen Scheibe haben die anderen Bandmitglieder erstmalig auch am Songwriting mitgewirkt, während ihr das Debüt komplett im Alleingang geschrieben hat. Trotzdem kann man den Eindruck bekommen, dass REBELLION nichts anderes als die „Lulis-Göttlich-Kapelle“ ist…

Auf dem Papier und vertraglich sind der Uwe und ich zwar die Bandbosse, aber wie wir gewisse Dinge bandintern behandeln, steht auf einem ganz anderen Blatt, zumal wir natürlich schon versuchen als Band zu agieren und zu arbeiten. Es wäre aber auch Quatsch gewesen wenn wir jetzt alles das, wofür wir nach der ersten Scheibe positive Resonanzen bekommen haben, komplett geändert hätten. Wir bevorzugen dann doch eher die Politik der kleinen Schritte, womit ich aber jetzt auch nicht sagen möchte, dass auf der nächsten Scheibe jeder mal einen Text oder einen Song schreibt. Denn dann gibt es ein Kuddelmuddel, mit dem wirklich keinen gedient ist.

Ihr seid zur ersten Scheibe mit RUNNING WILD getourt? Was hat Euch die Tour gebracht, zumal Euch zum Zeitpunkt der Gigs noch nicht wirklich viele Leute gekannt haben dürften? Wie sieht es mit aktuellen Tourneeplänen aus?

Die Tour hat uns in wirklich JEDER Hinsicht unglaublich viel gebracht. Rein vom Business-Aspekt her hat die Tour sicherlich geholfen die Plattenverkäufe nach vorne zu bringen. Ich denke auch, dass wir den Leuten zeigen und beweisen konnten dass wir eine wirklich gute Liveband sind. Uns als Band hat die Tour richtig zusammengeschweißt. Wir wurden zwar supergut behandelt, aber du hast als Vorband halt doch nicht den Support, den du normalerweise als Headliner hättest. Und damit muss man umgehen können. Und wenn man dann lernt, mit dem Druck, der durch gewisse Situationen entsteht, umzugehen, dann ist wirklich viel gewonnen. Ich würde gerne mit einer Band auf Tour gehen, die vielleicht noch etwas größer als RUNNING WILD ist, während Uwe lieber auf Headlinertour gehen würde, wozu wir sicherlich auch schon in der Lage sind. Aber wir haben geguckt, was passiert und so wie es im Moment aussieht, werden wir wohl als „Special Guest“ mit OVERKILL touren, was uns dann auch in Länder wie Spanien oder Frankreich, wo wir alleine noch nicht hingehen können, führen wird.

Ein immer wieder aktuelles Thema ist das Thema „CD-Brennerei“. Betrifft Euch als Band dieses in meinen Augen von den Labels hausgemachte Problem, auch?

Auf jeden Fall, denn die Verkaufszahlen sind bestimmt um sechzig bis achtzig Prozent eingebrochen, d.h. du verdienst von heute auf morgen etwas dreiviertel weniger. Ich denke, dass die ganze Brennerei zwei Aspekte hat. Erstens: Ich mache eine Arbeit, die mich Zeit, Energie und eine ganze Menge Geld kostet, d.h. ich tue etwas, was mir Spaß macht, was aber auch gewissen Zwängen unterlegen ist. Ich bin als Lehrer zwar nicht in der Lage, von der Musik leben zu müssen, aber andere Musiker und Bands finanzieren durch ihre Musik ihr Leben. Und da finde ich es einfach nicht fair, wenn Leute zwar sagen „Ich finde die Musik geil“, aber dann nicht bereit sind dafür zu zahlen. Dieses Problem trifft zwar auch Bands wie MANOWAR, METALLICA, Madonna oder Michael Jackson, aber die haben so viel Kohle, dass das kaum ins Gewicht fällt. Aber eine Band, die von 20.000 verkauften Einheiten fünf Leute ernähren muss hat keine Chance mehr, wodurch der Nachwuchs schließlich kaputtgeht. Der andere Punkt ist, dass die CDs einfach und deutlich zu teuer sind. Sie sind in der Herstellung zwar erheblich billiger als eine LP, weshalb ich auch nicht verstehe, warum ein Label nicht sagen kann „So, hier ist die neue REBELLION und die kostet nur 9,99 Euro“. Denn bei dem Preis sind sicherlich genügend Leute da, die sagen „Okay, für den Preis nehme ich das Original mit schönem Booklet“. Aber CDs kosten eben leider 18 oder 19 Euro, was ich einfach wahnsinnig finde. Es ist also eher, wie Du schon sagtest, ein hausgemachtes Problem der Plattenfirmen, doch die Musiker, die darunter am meisten zu leiden haben, können am wenigsten dafür.