MORS CORDIS: Berliner Metal mit einem Schuss Rap

Die Berliner – im wahrsten Sinne der Genreschöpfung – Crossover-Formation MORS CORDIS hat auf ihrem Albumdebüt "Das Prinzip" eine Reihe von Stilelementen zusammengetragen und gerecht auf knapp 45 Minuten Musik verteilt. Was die Hauptstädter selbst zu ihrem Stil zu sagen haben, welche Botschaften sie mit ihren Texten zu übermitteln gedenken und wie Berliner Weiße mit Schuss schmeckt, könnt ihr im folgenden Interview lesen, das wir mit Sänger Torsten Pfundt und Gitarrist David Warnert geführt haben.

Die Berliner – im wahrsten Sinne der Genreschöpfung – Crossover-Formation MORS CORDIS hat auf ihrem Albumdebüt Das Prinzip eine Reihe von Stilelementen zusammengetragen und gerecht auf knapp 45 Minuten Musik verteilt. Was die Hauptstädter selbst zu ihrem Stil zu sagen haben, welche Botschaften sie mit ihren Texten zu übermitteln gedenken und wie Berliner Weiße mit Schuss schmeckt, könnt ihr im folgenden Interview lesen, das wir mit Sänger Torsten Pfundt und Gitarrist David Warnert geführt haben.

Der Opener eures Albums Das Prinzip gibt ja schon gleich einen guten Eindruck davon, was der Hörer in weiterer Folge von euch erwarten kann. Habt ihr diesen Song gerade zu diesem Zweck geschrieben?

Torsten: Das gibt ein ganz klares Ja.

David: Das Stück sollte schon als typischer Opener fungieren (wenn es so etwas gibt), sowohl musikalisch als auch textlich. Damit man sofort weiß, was einem in den kommenden fast 50 Minuten erwartet. Genau deshalb haben wir uns inhaltlich auch ziemlich breit gemacht – mal alles anzureißen, anzudeuten, was wir sind. Umso schöner, wenn es gleich einen guten Eindruck vermittelt, was der Hörer erwarten kann.

Danach ist das Album aber doch vielschichtiger als bloßer Metal mit Hip Hop-Elementen. Habt ihr euch noch nicht zu einem endgültigen Stil durchringen können oder wollt ihr bewusst so facettenreich bleiben?

Torsten: Wie das beim ersten Album so ist, kann man Das Prinzip schon so als eine Art Best of der ersten Jahre bezeichnen. Der Stilmix ist schon gewollt, die Songs haben wir ja auch selbst ausgewählt (Ja! ganz alleine ;-) ). Wir wollten ein Album, das einfach nicht langweilig ist. Jeder Song ist anders als der vorherige. Die extreme Vielfalt kam auch durch die Gastsänger zustande. Das wird es in der Form auf folgenden Releases nicht mehr geben. Die ganze Geschichte wird dann sicher auch etwas homogener. Aber letztendlich sind wir einfach so!

David: Natürlich werden wir immer wieder nach unserem Stil gefragt, und auch wenn es abgedroschen und schal klingt, aber bei Licht betrachtet machen wir einfach mal Crossover. Da diesem aber gern Metal meets HipHop à la H-BLOCKX, DOG EAT DOG o.ä. anhaftet (was definitiv nicht heißen soll, dass wir genannte Bands verachten, im Gegenteil!), versuchen wir schon, unser eigenes Süppchen zu kochen. Und genau dazu gehört halt dieses breite Spektrum. Und wenn uns genau dieser Facettenreichtum ausmacht, umso besser. Von daher würde ich nicht sagen, dass wir noch groß nach unserem Stil suchen, sondern eher, dass wir ihn haben.

Aber das birgt doch auch die Gefahr, dass nur wenige etwas mit eurer Musik anzufangen wissen. Death, Gothic, Hip Hop, Nu Metal usw… Da werdet ihr zwar überall die respektvoll hochgezogene Augenbraue ernten, aber ob das auch verkaufsfördernd ist, wage ich zu bezweifeln. Habt ihr schon gewisse Zahlen vorliegen, wie sich Das Prinzip im Handel schlägt?

MORS
Sänger Torsten sortiert seine CDs dem Namen nach – ganz gleich ob Rap- oder Metal-CD: …da bin ich altmodisch: Immer schön nach Alphabet

Torsten: Na klar macht man sich nicht nur Freunde. Wir wollen halt anders sein. Dabei geht es auch nicht wirklich um die Verkaufszahlen. Wir haben natürlich nichts dagegen, wenn es gut läuft. Komischerweise ist es auch so, dass der Otto-Normal-Hörer bei uns nicht gleich wegläuft, wie er das bei einer reinen Death Metal-Kapelle vielleicht machen würde. Ich denke, das Problem liegt in der typischen Metalszene, da kann/darf man es einfach nicht gut finden, wenn einer Death-Growls mit HipHop und anderem mixt. Wir wurden schon von verschiedensten Leuten abgestraft, aber viele mögen´s auch. Die Reaktion ist eigentlich immer extrem (im Guten wie im Schlechten). Es gibt auch Bands, die ähnliche Sachen machen (nicht wie wir, aber halt untypisch). Das beste Beispiel ist z.B. SYSTEM OF A DOWN (Die haben auch mal einen Song mit dem WU-TANG-CLAN gemacht!!!). Es gibt praktisch keine Band, die wie SYSTEM OF A DOWN klingt, und das ist mittlerweile ja Mainstream. Ich find´s großartig, wenn die ausgetretenen Pfade mal verlassen werden. Aber das bleibt ja jeder Band selbst überlassen.
Verkaufszahlen haben wir noch nicht, aber ich erwarte nicht zu viel (liegt aber auch an dem Label, die gar nichts machen, außer ein paar Muster-CDs zu verschicken).

David: Da magst du zum einen Recht haben, zum anderen liegt aber darin vielleicht auch gerade unser Vorteil, diese riesen Schnittmenge anzusprechen. Sicher waren die Reaktion bisher hop oder top, aber wenn dir ein eingefleischter Thrasher sagt, Die Seuche (sehr hiphoplastiger Song) sei einfach mal der Hammer, oder wenn irgendwelche schwarzbemalten Gothicfreaks auf den Konzerten abgehen wie nichts Gutes, gibt uns unsere Mischung und unser Stil auch wieder Recht. Was deine Frage zu den Zahlen angeht, da sprichst du leider das Thema Label/Labelarbeit/Kommunikation an, und das ist ganz schlecht. Wenn du verstehst, was ich meine…

Entsprang euer Musikstil dem Bestreben, etwas ziemlich Unverbrauchtes zu machen, oder ist er erst mit der Zeit zu dem gewachsen, was er heute ist?

Torsten: Der Sound ist noch nicht endgültig. Es verändert sich dauernd etwas. Aber wir sind schon unter der Voraussetzung an den Start gegangen, etwas Neues zu machen, bzw. Vorhandenes zu einem neuen Mix zusammen zu brauen. Man wird sicher noch einiges runder und kompatibler machen.

David: Beides. Sicher willst du als junge, wilde Band das ultimativ Neue schaffen, das dachten wir uns vor knapp 10 Jahren auch, andererseits ist das schon ein Querschnitt der einzelnen Vorlieben jedes einzelnen von uns.

Daran knüpfe ich auch gleich die Frage nach euren beiden EPs, die ihr zuvor veröffentlicht habt: Welche Art von Musik ist darauf zu hören?

Torsten: MORS CORDIS! Ne, nur ein kleiner Scherz ;-) Viel davon ist auch auf Das Prinzip gelandet. Wie schon erwähnt (Best of…). Auf der Eintagsfliege gibt´s drei Songs, die es nicht geschafft haben. Kann man sich ja unter www.morscordis.de bestellen (ja ein bisschen Werbung muss sein). Es gab auch vor den beiden EPs schon ein Album, aber das ist wirklich (aus heutiger Sicht) nicht mehr mit MORS CORDIS zu unterschreiben. Ich lache mich immer halb tot, wenn ich das höre. Gibt´s auch nicht mehr zu kaufen (besser isses).

Generell ist ja Rap-Gesang im Metal nicht über die Maßen neu. Schließlich haben in den 90ern auch BODYCOUNT und Konsorten die Konzerthallen gefüllt. Aber euer Sprechgesang geht in eine ganz andere Richtung und ist meines Erachtens eher mit den braveren Hip Hoppern zu vergleichen, was wiederum im krassen Gegensatz zum aggressiven Growlgesang und den gesellschaftskritischen Texten steht. Seid ihr prinzipiell darauf aus, Gegensätze zu schaffen?

Torsten: Nebenbei gesagt, sind das meine ersten Metal-Scheiben gewesen. Wobei der absolute Kult ist immer noch ANTHRAX & PUBLIC ENEMY mit Bring the Noise (war 89 oder so). Ganz großes Kino! Aber nun zur Frage: Der Unterschied ist schon gewollt, umso krasser kommt der Wechsel. Außerdem geht es eben auch um den Inhalt und den kann man dann besser verstehen. Und natürlich wollen wir Gegensätze schaffen, die trotzdem funktionieren können oder sollen.

David: Ja. Dass Gegensätzliches mitunter interessanter ist als Gleiches, ist ja klar. Von daher liegt uns das schon eher. Und was das Brave angeht. Wenn man heute nur noch böse ist, wenn ein F*** das andere überholt, dann weiß ich auch nicht… Ich denke, dass da einfach Inhaltliches zählt, und wenn ich mir das ganze Gehoppe aus Berlin anschaue/-höre, dann wollen wir doch lieber brav sein!

Was kam bei dir als Musikfan zuerst: Metal oder Rap?

Torsten: Bitte schlag mich jetzt nicht, aber Rap war bei mir damals Nummer 1 (PUBLIC ENEMY, HOUSE OF PAIN,…). Der Metal ist erst so Anfang der Neunziger in mein Leben getreten. Da hat es mir natürlich der Crossover angetan. Damit meine ich so BODYCOUNT, H-BLOCKX, DOG EAT DOG, SUCH A SURGE, CLAWFINGER usw… Wenig später hat mich der Death Metal erwischt. Das waren dann AMORPHIS, THERION, SIX FEET UNDER, CANNIBAL CORPSE und DEICIDE. Mich haben vor allem die Growls total angesprochen. Mit Gitarren-Solos konnte ich früher gar nichts anfangen. Mittlerweile gibt´s für mich in allen Metal-Richtungen Material, das ich gut finde. Aber ich höre auch noch HipHop, elektronisches Zeug oder Klassik.

David: Komplett verschieden. Ich, und ich glaube die anderen Jungs auch, hörten ursprünglich gar keinen oder nur sehr wenig Rap. Selbst Metal à la METALLICA war früher zu derb für meine zarten Löffel. Aber so hatte jeder seine Vorlieben und so ist das daraus entstanden, was wir heute sind.

Und wie muss man sich bei dir das CD-Regal vorstellen. Steht da DISMEMBER neben DIE FANTASTISCHEN VIER und ENSLAVED neben EMINEM? Oder nach welchem System sortierst du deine Scheiben?

David: In etwa ja! Und was das System angeht, da bin ich altmodisch: Immer schön nach Alphabet!

Torsten: Bei mir auch!

Ihr prangert auf eurem Album die typischen Feindbilder alternativer Revoluzzer an: die Polizei, die amerikanische Rolle beim Irak-Krieg, die Gesellschaft im Allgemeinen. Brennen euch diese Themen tatsächlich so unter den Nägeln oder seht ihr es auch ein wenig als probates Mittel, ein gewisses Zielpublikum zu erreichen, das eben weltoffen und alternativ eingestellt sein sollte, um mit eurem Stilmix etwas anfangen zu können?

Torsten: Die Texte sind schon so gemeint und eben auch aus persönlichen Erfahrungen heraus entstanden. Wenn man sich als denkender Mensch mal anschaut, was welt- oder auch regionalpolitisch so abgeht, kann man schon Wut bekommen und die verarbeite ich mit den Texten. Die Meinung in den Texten wird aber von der ganzen Band getragen. Der Hörer sollte damit natürlich einhergehen. Du wirst wohl keinen fundamentalistischen Christen unter unseren Fans finden. Aber es hört sich ja auch keiner an, was er nicht hören will, oder?

MORS
Gitarrist David hält die Suche nach dem eigenen Stil für abgeschlossen:Und wenn uns genau dieser Facettenreichtum ausmacht, umso besser. Von daher würde ich nicht sagen, dass wir noch groß nach unserem Stil suchen, sondern eher, dass wir ihn haben.

David: Definitiv ersteres! Ich meine, wem die Irakpolitik eines Herrn Bush nicht gegen den Strich geht, wer hier in diesem Land alles Rosarot sieht, dem ist nicht mehr zu helfen. Insofern sind das Themen, die uns beschäftigen, die uns nerven, über die wir reden. Wir würden und könnten sicher noch mehr in dieser Richtung machen, aber dann bist du auch gleich wieder eine politische Band, und darauf haben wir dann auch keinen Bock. Aber es ist definitiv kein Mittel zum Zweck!

Ihr geht auch mit der Religion ziemlich hart ins Gericht (zumindest den bloßen Worten nach). Solche klaren Äußerungen können durchaus polarisieren – insbesondere, wenn sie so verallgemeinernd wie in euren Texten gehalten sind. Ist das eine bewusste Provokation?

Torsten: Hmm, lecker mein Lieblingsthema. Noch haben es ja nicht so viele gemerkt, dass wir Religion (und damit meine ich alle) als komplett unnütz und nur der Kontrolle dienend empfinden. Wir (die Band) sind alle Atheisten und es gibt für mich auch keine vernünftige Erklärung dessen, was da abgeht. Man kann doch nicht ernsthaft an einen Gott glauben. Da haben eine Handvoll Leute mal ein paar Bücher geschrieben, und man nimmt das heute noch für bare Münze. Und Religion ist wohl bei den einfachen Menschen noch immer der Hauptgrund für Kriege. Bei den anderen ist es schnöde Macht und Geld. Für mich wirkt das irgendwie berechnet. Dass viele Menschen dem folgen, ist meiner Ansicht nach ein Zeichen für eine gewisse Führer-Liebe (wer auch immer das ist). Außerdem macht Religion es vielen einfacher, ihr Leben zu ertragen. Wir leben lieber im Hier und Jetzt und verlassen uns nicht auf ein Leben nach dem Tod.

David: Wenn man sieht, wozu Religion auf dieser Welt fähig ist, und das leider fast ausschließlich im negativen Sinne, so sind unsere Äußerungen noch ziemlich human, finde ich. Wenn man sich in vielen Gebieten dieser Erde nicht zu seiner Religion oder seiner Antireligion bekennen darf, ohne dafür gleich belächelt, verachtet, gefoltert, geschlagen oder gar getötet zu werden, na was ist dann das für eine Religion, für ein Glaube?

Ganz anders sind dann aber wieder die Texte zu den Gothic-Songs, die ja doch eher klassische Themen behandeln. Welche Art von Texten schreibst du lieber?

Torsten: Kann man nicht so einfach sagen, es muss zum Song passen. Meistens entsteht beides parallel (Text und Musik). Bei Fantasy-Texten brauche ich im Allgemeinen weniger Zeit, wenn die Idee steht. Komischerweise tue ich mir mit dem Texten manchmal richtig schwer, es ist ein Auf und Ab. Keines von beiden macht mir da mehr Spaß. Ich schreibe aber immer nur einen Text, der muss erst fertig sein, bevor ich einen neuen anfange.

Und über welche Texte und Themen macht es mehr Spaß zu diskutieren?

Torsten: Natürlich über die politischen, weil sie so schön polarisieren.

Mit der Anprangerung der gewaltverherrlichenden Märchen der Gebrüder Grimm sprichst du mir aus der Seele. Welche Szene aus Kinderbüchern ist dir noch in besonders blutiger Erinnerung?

Torsten: Ist eigentlich nichts für kleine Kinder, oder? Die Idee zu dem Song kam mir, als wieder mal ein Amokläufer in den USA unterwegs war (der hat MARILYN MANSON gehört und Doom gespielt). Es hat nicht lange gedauert und schon war der Schuldige gefunden, nämlich der bööööse Metal. Solche Musik (textlich) gab es schon immer (schon einmal Moritate gelesen?). Ich finde es einfach nur arm, solche Begründungen für krankhafte Taten zu finden. So einen Menschen hat sicher nicht die Musik zu dieser Tat getrieben.
Kinderbücher haben ja immer einen gewissen lehrhaften Ton, so nach dem Motto: Wenn du das machst, passiert etwas ganz, ganz Schlimmes. Scheint immer noch zu wirken (wie auch bei der Religion). Am krassesten sind da schon die Märchen der Gebrüder Grimm, die – genau genommen – vor Gewalt nur so strotzen (Rotkäppchen, Die 7 Zwerge usw.). Besondere Erinnerungen habe ich da glücklicherweise nicht.

Gab es einen Kinderbuch-Helden, mit dem du dich besonders gut identifizieren konntest?

Torsten: Kinderbücher hab ich immer vorgelesen bekommen. Ist schon zu lange her und ich kann es deshalb nicht spezifizieren. Aber später habe ich dann Comics ohne Ende gelesen. Mein Lieblings-Comic ist immer noch der HULK. Aber auch das sagt einiges über mich aus :-).

Im Grunde lassen eure Texte und das Cover zu Das Prinzip wenig Freiraum zur eigenen Interpretation. Anders sieht das bei eurem Namen aus: Was versteht ihr unter MORS CORDIS (Tod des Herzens) bzw. wie lässt sich dieser in gewisser Weise düstere Name mit einer modernen Musikrichtung wie der euren in Einklang bringen?

Torsten: Vielen denken immer, wir machen Black Metal. Nur alleine wegen des lateinischen Namens. Ich beziehe das (wie immer) gern auf die Gesellschaft. Kalt, ohne Gefühl, herzlos und einsam (trotz Überbevölkerung). Ansonsten klingt´s einfach gut (für uns). Wir wollten uns nicht auf Englisch oder Deutsch festlegen.

Von den Texten zum Gesang: Also, was mich beim Rap immer wieder erstaunt ist die Geschwindigkeit, wie hier Vokale und Konsonanten aus dem Mund sprudeln. Kann man das üben, dass man so schnell singen/sprechen kann, oder braucht man dazu auch ein gewisses Talent?

Torsten: Man sollte schon ein gewisses Talent dafür haben, deswegen muss man aber trotzdem regelmäßig üben. Wichtiger als die Geschwindigkeit finde ich die Verständlichkeit und den Inhalt. Nichts ist schlimmer, als wenn einer einen Affenzahn beim Rap hinlegt, man aber nur jedes dritte Wort versteht. Das kann man wiederum üben. Die Stimme an sich sollte natürlich auch angenehm sein, man stelle sich mal vor, Verona Feldbusch (oder wie die jetzt heißt) würde rappen. Grausig!

In welchem Segment könnt ihr deiner Meinung nach eher Hörer lukrieren: bei den Hip Hop-Fans und bei den Metallern?

Torsten: Da wir im Allgemeinen bei typischen Metal-Konzerten spielen, würde ich mal sagen die Metaller. Da aber die Fans beider Musikrichtungen als intolerant gelten, muss man schon ein gewisses Interesse für Genre-übergreifende Musik haben, damit man uns richtig gut findet. Aber es gibt da schon ein paar, sonst würde ja gar keiner zu unseren Konzerten kommen. Wie schon vorher angedeutet, haben wir aber auch Fans, die weder einen Metal- noch einen HipHop-Hintergrund haben.

David: Ich hoffe doch bei allen?! Es wäre schön, wenn man die Leute dazu bringen könnte, mitunter vorhandene Barrieren zu überspringen oder wenigstens mal rüber zu luken. In gewissen Ansätzen gelingt uns das.

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Die Texte von MORS CORDIS behandeln großteils gesellschaftliche und politische Themen: Wenn man sich als denkender Mensch mal anschaut, was welt- oder auch regionalpolitisch so abgeht, kann man schon Wut bekommen und die verarbeite ich mit den Texten.

Welches Material kann man in Zukunft von euch erwarten? Den gewissen Überraschungseffekt habt ihr ja nun schon aufgebraucht. Oder habt ihr da schon einen weiteren Aufhänger in der Pipeline, der abseits der guten Musik die Hörer aufhorchen lassen könnte?

Torsten: Es wird alles homogener, so viel kann man schon sagen. Der Gothic-Anteil wird kaum mehr vertreten sein. Auf dem kommenden Album wird es auch keine Gastsänger geben (zumindest nicht wie auf Das Prinzip). Ich denke, unser Stil wird einfach ein wenig klarer und strukturierter. Die Songs für das neue Album sind auch schon so gut wie fertig (es fehlen noch etwa 3-4 Songs). Es wird aber keine bösen Überraschungen geben, wir machen weiterhin Metal.

Ihr seid ja zum Großteil alle geborene Berliner. Woran hängst du besonders an Berlin, was macht dich stolz, Berliner zu sein, und was ärgert dich an der Stadt?

Torsten: Ich mag die kulturelle Vielfalt der Stadt, so etwas gibt´s nur in Berlin. Es gibt hier jede Menge richtig guter Bands, die leider keiner unterstützt. Nicht gefallen tut mir, dass die Leute manchmal förmlich übersättigt sind. Dann ist da noch die extreme Verschuldung Berlins, weswegen viele Einrichtungen unter Geldmangel leiden oder geschlossen werden.

David: Ach Mensch, dieses Berlinding? Manchmal sind die Leute echt erstaunt, einen Ur-Berliner zu treffen. Hab` dann richtig Angst, dass sie einen füttern wollen, damit die bloß nicht aussterben! Es macht mich jetzt nicht besonders stolz, Berliner zu sein, aber ich schäme mich auch nicht dafür. Als Band ist es eher zweischneidig. Kämen wir vom Land, wäre es sicher schwieriger, Leute und Publikum zu erreichen, weil einfach niemand da wäre. Andererseits ist Berlin so groß, es gibt so viele, wirklich gute Bands, da haste schon echt zu tun, damit du nicht untergehst. Aber ich denke, gerade in Berlin hat sich in den letzten 10, 15 Jahren enorm viel bewegt. Viel Gutes, aber auch viel Schlechtes.

Die Ausmaße dieser Stadt sind ja enorm! Wie lange braucht man, um mit dem Auto von einem Ende der Stadt zum anderen zu kommen?

David: Keine Ahnung, habe es noch nie versucht. Ich bin ehrlich, es gibt Ecken in Berlin, da könntest du mich aussetzen und ich wäre verloren. Selbst ich als Berliner kenne nicht alles.

Torsten: Na, ich würde mal sagen 2-4 Stunden wird man schon brauchen, um Berlin zu durchfahren. Liegt aber auch an den vielen Baustellen und Staus. Nachts um drei schafft man es vielleicht in 1 1/2 Stunden.

Da könntet ihr ja fast gleich bis nach Bayern fahren. Gibt es generell Ambitionen, auch einmal den Rest von Deutschland mit dem Tourbus zu bereisen oder gar in die Nachbarstaaten zu gondeln?

Torsten: Jederzeit. Allerdings ist wie bei den meisten Bands das Geld das Problem. Für Spritgeld und ein wenig für die Band und den Techniker fahren wir überall hin.

David: Na aber. Ich denke, das sollte das Ziel einer jeden Band sein, möglichst viel rumzukommen. Leider ist das nicht immer ganz einfach. Prinzipiell aber sehr gern.

Abschließend noch eine Frage: Wie schmeckt Berliner Weiße mit Schuss?

David: Mir sehr lecker, könnt ich Hektoliterweise trinken.

Torsten: Gut! Ist letztendlich aber nichts weiter als ein spezielles Weißbier (das übrigens nur in Berlin hergestellt werden darf) mit Sirup (Erdbeer, Waldmeister oder was es noch so gibt).