MORS CORDIS: Das Prinzip

Ganz gleich, welchem Genre "Das Prinzip" im Endeffekt zugeordnet wird, ich stehe darauf!

Hach, schön ist es, wieder einmal ein Album auf dem Prüfstand zu haben, bei dem man irgendwie bei Null anfangen kann. Denn bei MORS CORDIS genügt es nicht zu sagen, das ist so oder so ein ***-Metal und jeder wäre über die Musik der Berliner im Bilde. Viel mehr kann man sich hier ganz auf die Musik einlassen und die Schubladen im Schrank lassen. Doch ganz ohne Genres geht es ja heutzutage nicht mehr, schließlich wollen Bands im CD-Schrank, in Kaufhäusern, Mailordern oder Fachmagazinen nach Genres geordnet werden. Daher wird man Das Prinzip wohl am ehesten unter Alternative Metal, Crossover oder Nu Metal finden. Hm, in diesen Genres suche ich eigentlich selten nach Neuerscheinungen – aber Das Prinzip wäre es auch für Genre-Verweigerer wert, dort einmal zu stöbern.

Eines der Markenzeichen der rund um 1998 gegründeten Band ist bestimmt der Gebrauch von Rap-Gesang. Aber nicht jener Gangsta-Prägung, wie ihn einst BODYCOUNT für den Metal salonfähig gemacht haben, sondern so ein richtiger, deutscher FANTA 4-Sprechgesang. Ja, ich sehe schon wie bei manchem das Desinteresse anschwillt – aber halt… MORS CORDIS haben auch starke Growls dabei und sogar ein klein wenig weibliche Vocals. Auch bei den Tönen, die den Instrumenten entlockt werden, haben sich Gegensätze gefunden, angezogen und zu starken Songs vereint. Death Metal da, Gothic Metal dort und über allem dieser alternative Sound, der aus Genre-Unkenntnis einfach mal als Nu Metal oder – weil`s von der Terminologie irgendwie passt – auch Crossover bezeichnet werden kann. Und ich muss sagen: ich stehe auf dieses Zeug!

Als kleine Hilfestellung zum Verständnis der MORS CORDIS-Musik setzt die Band den titelgebenden Track Das Prinzip als Opener ein. Hier wird gegroovt, gegrowlt, gerappt und soulig der Hintergrund beschallt. Dazu noch erklärende Texte wie Wir machen Metal mit Allem oder Wir machen, was wir wollen, und mixen alles, was gefällt. Und die Message kommt rüber. Ganz allgemein trachten MORS CORDIS danach, ihr Weltbild nach außen zu tragen. Die unmissverständlichen Texte prangern gesellschaftliche Missstände an, machen die Einstellung der Berliner sehr deutlich und sind demnach leicht nachzuvollziehen (ein bisschen subtiler hätte es für meinen Geschmack schon sein können, aber zumindest schwimmt man auf derselben Wellenlänge).

In weitere Folge beweist Das Prinzip, dass MORS CORDIS weit mehr als bloß diese Combo ist, die HipHop mit Metal vereint. So quillt im Refrain von Fuck Your Religion ein wenig MACHINE HEAD hervor, War Remains War erinnert gegen Ende an FAITH NO MORE und Tief in Mir ist eine bezaubernde Gothic-Nummer mit dem klassischen Wechselgesang zwischen der nach Sonja Kraushofer klingenden Stimme (insbesondere beim Track Im Namen der Grimms) von Marika Zellin und der aggressiv growlenden Darbietung Torsten Pfundts. Hier entfalten MORS CORDIS eine besonders starke Wirkung auf den Genre-affinen, deutschsprachigen Hörer. Wirkungsvoll ist auch das elektrifizierte und mit spartanischer Melodie unterlegte Kein Freund kein Helfer, das in seiner sterilen und kalten Art sehr gut den textlichen Inhalt begleitet. Generell versteht es das Quartett, die Aussage ihrer Songs mit der jeweiligen Musik zu verbinden. Kompliment!

Zwar gibt es da und dort auch ein wenig einfallslosere Nummern, die die knappe Dreiviertelstunde befüllen, doch entschädigen dafür die lupenreinen Hits, die das beeindruckende Talent von MORS CORDIS für bewegende Rhythmen deutlich machen. Ganz gleich, welchem Genre Das Prinzip im Endeffekt zugeordnet wird, ich stehe darauf!

Veröffentlichungstermin: 28.04.2006

Spielzeit: 43:44 Min.

Line-Up:
Torsten Pfundt – Vocals
Dennis Kölpin – Drums
Sascha Kummer – Bass
Sascha Koritzki – Guitars
David Warnert – Guitars

Gastmusiker:
Paul Schichtemann Kündiger – Vocals
Marika Zellin – Vocals

Label: SinSin / AL!VE

Homepage: http://www.morscordis.de

Email-Adresse der Band: morscordis@morscordis.de

Tracklist:
1. Das Prinzip
2. Nobody
3. Desire for Perfection
4. Die Seuche
5. Fuck Your Religion
6. Tief in Mir
7. War Remains War
8. Stand Up For Your Rights
9. Im Namen der Grimms
10. Kein Freund kein Helfer
11. Agonie