COBRA CULT: Ich habe meine Seele schon mehrmals verkauft!

COBRA CULT haben mit “Second Gear” ein starkes zweites Album hingelegt. Frischer schwedischer Hårdrock, der an die HELLACOPTERS erinnert – unverfälscht, geradeaus, locker vom Hocker. Mitten im Frühling 2020 gaben COBRA CULT schon mal einen Einblick in ihren Proberaum, um das Konzertvakuum auszugleichen. Zur Veröffentlichung von “Second Gear” gibt´s nun Einblicke von Bassist Thomas Jonsson zum Geschehen bei COBRA CULT. 

Ihr habt euer zweites Album “Second Gear” Anfang März 2021 herausgebracht. Seid ihr zufrieden mit dem bisherigen Feedback?

Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Feedback. Viele Kommentare und Rezensionen waren extrem positiv und das fühlt sich natürlich toll für uns an, weil wir “Second Gear” auch sehr cool finden. Viele haben erwähnt, dass wir viel Energie rüberbringen und wie sehr sie sich darauf freuen, uns zu einem späteren Zeitpunkt live zu sehen. Dieses Feedback freut uns besonders, weil wir wirklich eine Live-Band sind – und wir haben es offenbar geschafft, dieses “Live-Gefühl” auf der CD zu vermitteln. 

Der sagenhafte Pontiac Firecobra

Auf dem Cover von “Second Gear” hat es ein schmuckes Auto, das ein bisschen wie ein Pontiac Firebird aussieht. Gibt es dieses Auto auch “in Echt”? Was steckt hinter dem Cover-Artwork? 

Just in diesem Fall ist es so, dass es tatsächlich ein Pontiac ist – ein Pontiac Firecobra. Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man, dass unsere Cobra sowohl auf der Motorhaube wie auch auf dem hinteren Nummernschild zu sehen ist. Leider gibt es da Auto nicht in der Realität – aber vielleicht wird es ja mal Realität? Die Idee mit dem Pontiac auf dem Cover stammt von unserer Frontfrau Johanna. Wir schickten die Ideen zu unserem Künstler Erik Rovanperä, der sich dann Gedanken darüber macht und uns dieses geile Resultat geliefert hat. Wir sind extrem zufrieden damit. 

Die Idee mit dem “Pontiac Firecobra” auf dem Cover stammt von Frontfrau Johanna Lindhult.

Das klingt ja super. Somit stellt sich natürlich die Frage, welches dein Lieblingsauto ist?

Also wenn ich jetzt die Verbindung zum “Second Gear”-Cover mache und an amerikanische Musclecars denke, dann stehen bei mir die Chevrolet Camaro-Modelle von 1967-1969 ganz hoch im Kurs. Schon immer. Es sind wahnsinnig schöne Autos und bei mir war es Liebe auf den ersten Blick – das waren also schon immer meine Lieblingsautos. Ansonsten ist natürlich unser Tournee-Bus mein Lieblingsauto: ein roter VW Multivan aus 2008. Bei dem Auto wird es mir warm ums Herz. Wir freuen uns schon darauf, wenn wir unseren VW Multivan wieder auftanken und quer durch Europa touren damit. 

Ja, darauf zu warten lohnt sich! Was habt ihr eigentlich beim Songwriting zu “Second Gear” anders gemacht als bei eurem Debütalbum? 

Der größte Unterschied war wohl, dass wir viel mehr Zeit und Energie in die Vorproduktion steckten. Die Pandemie verhinderte jegliche Live-Gigs, also konnten wir uns komplett auf die Songs zu “Second Gear” konzentrieren. Wir hatten die Zeit und die Konzentration, unsere Songideen mehr zu überarbeiten. Beim Debüt jammten wir vor allem im Übungsraum und dieses Mal arbeiteten wir fokussiert mit verschiedenen Demoversionen und einer guten Vorproduktion.

Ich habe meine Seele schon drei Mal verkauft

Eines der Lieder auf “Second Gear” heißt “Sell your soul”. Wofür würdest du deine Seele verkaufen? 

Also ich habe meine Seele schon mehrmals verkauft, also dürfen sich die Käufer nun darum prügeln! Das erste Mal verkaufte ich meine Seele an den Metal, weil ich 1982 IRON MAIDEN entdeckte. Nichts war jemals wieder wie zuvor! Dieser Seelenverkauf hat also mein ganzes Leben seit 1982 geprägt und ich kann mit 100%er Sicherheit sagen, dass ich für immer ein Metaller in Herz und Seele bleiben werde. Ich habe auch noch zwei Kinder, die ich über alles liebe – für sie habe ich meine Seele also für alle Ewigkeiten verkauft. 

… Ausgezeichnete Verkäufe, in diesem Fall… Was steckt denn hinter “Mean Machine”?  

Wir versuchen in jedem Text eine Geschichte zu erzählen und uns kann so ziemlich alles inspirieren. So weisen unsere Texte auch verschiedene Tiefen auf – es kann um einen Horrorfilm oder Coca Cola gehen, oder um etwas komplett anderes, was der Hörer selber interpretieren muss. “Mean Machine” handelt von der Menschheit und unseren Grenzen. Man sagt immer, dass es etwas Gutes in allen Menschen gibt, und das stimmt natürlich. Aber es gibt eben auch diese andere Seite in den Menschen – gäbe es diese schlechte Seite nicht, dann würden wir uns kaum so benehmen auf der Welt wie wir es tun. Man könnte uns Menschen also als “Mean Machine”-Organismus bezeichnen. 

“Man könnte uns Menschen also als “Mean Machine”-Organismus bezeichnen. “

Ich nehme mal an, dass IRON MAIDEN dich zum Hårdrock gebracht haben. Oder gab es noch andere Bands in deinen Anfangstagen? 

IRON MAIDEN und ja. Es gibt halt keine andere Band, die ich öfter gesehen habe als IRON MAIDEN. Ich habe den Überblick verloren, wie viele Male es waren. Aber ich würde mal schätzen, dass ich sie in mindestens sieben verschiedenen Ländern live gesehen habe. Als ich anno 1982 “The Number of the Beast” zum ersten Mal hörte, veränderte sich alles in meinem Leben und ich fand mein wahres Zuhause. Das war wirklich der Zugang für mich zum Hårdrock, zum Metal – und das hat mein gesamtes restliches Leben geprägt. 

Bloss nicht poliert und mechanisch!

Gibt es einen Trend in der heutigen Metalszene, der dich nervt? 

Ich weiß nicht, ob mich etwas speziell nervt – irgendwie sollen doch alle ihr Ding machen. Aber natürlich gibt es Sachen, die mich eher kalt lassen und so gar nicht begeistern, egal ob das jetzt ein neuer Trend ist oder ein wiederkehrendes Faktum. Wenn eine Band mich begeistern will, dann muss ich fühlen, dass sie authentisch sind – und nicht zu poliert, mechanisch, unpersönlich oder konstruiert. Wenn eine Band und ihre Mitglieder wirklich geerdet sind und echt in ihrer Musik, und ich das Gefühl habe, dass ich mit ihnen ein Bier trinken will, nachdem ich ihr Album gehört oder sie live gesehen habe – dann ist die Band zuhause in meiner Welt. 

Die Frage erübrigt sich wohl, aber: JUDAS PRIEST oder IRON MAIDEN? 

IRON MAIDEN. Sie waren (und sind) meine erste Liebe und mein Zugang zum Hårdrock. Obwohl – JUDAS PRIEST liegen also nur sehr knapp dahinter. Es sind zwei fantastische Bands und beide haben mich als Musikkonsument und Musiker entschieden geprägt. 

Was sind COBRA CULTs Pläne für 2021? 

Wir hoffen wirklich, dass bis im Herbst wieder Konzerte möglich sind. Wir vermissen es, live zu spielen und unsere wunderbaren Freunde aus der Metalfamilie zu treffen. Wir buchen momentan Gigs für 2022 und falls alles so weitergeht, werden wir wohl damit anfangen, die Songs für unser drittes Album zu schreiben. Es könnte gar sein, dass wir mit COBRA CULT noch vor dem Ende von 2021 wieder im Studio sind und den Nachfolger zu “Second Gear” aufnehmen…