BATHORY: Geschichten aus der Asa Bay Area

BATHORY: Geschichten aus der Asa Bay Area

Ungewöhnliche Interviewpartner erfordern ungewöhnliche Methoden – könnte man meinen, wenn man das nachfolgende Interview liest. Der tatsächliche Grund, warum dieser Text nicht im sonst üblichen Frage-Antwort-Stil erscheint, ist aber der, dass der Mann hinter BATHORY – Quorthon – auf dem Diktierband kaum zu verstehen war. Stunden wurden verbracht, das Gesprochene durch Rauschunterdrückung, Tempovariationen und Effektfilter wieder herzustellen, vieles blieb aber unwiderruflich verloren. Und das bei einem Interviewpartner, der einem zu Beginn noch erklärt, wie sehr er es hasst, falsch zitiert zu werden. Aus diesem Grunde habe ich bei fraglichen Stellen darauf verzichtet, die verständlichen Teilsätze durch eigene Worte zu füllen, sondern versucht, den Sinn des gesagten wieder zu geben. Quorthon – ich hoffe ich habe dabei nicht versagt.

Erstaunlich war ja schon, dass uns Quorthon überhaupt zum Gespräch zur Verfügung stand. Eigentlich machte er im ausführlichen Interview auf der Black Mark Homepage ja ganz deutlich, dass er zur Promotion des neuen Albums Nordland I keine Interviews geben möchte. Wie kam es also zu dem Sinneswandel? Den gab es eigentlich gar nicht. Ich wollte einfach keine 250 Interviews mehr machen. Die ganze Interviewgeschichte ist eigentlich dazu da, um die Medien und die Plattenindustrie zufrieden zu stellen. Wenn man dann feststellt, dass man sehr oft falsch zitiert wird kommt man irgendwann zu dem Schluss, dass es eigentlich ganz egal ist, was man erzählt und man fragt sich, weshalb man überhaupt mit den Leuten reden soll. Also habe ich dieses Mal gesagt, dass es nicht mehr als 25 Interviews werden sollen. Ich werde nächste Woche noch ein paar machen, aber in den meisten Fällen verweise ich einfach auf das Interview bei Black Mark, das aus ganzen 13.000 Worten besteht…

…und zudem auch für Fans außerordentlich informativ ist. Doch eigentlich wirkt die fehlende Interviewbereitschaft Quorthons angesichts des neuen Albums nur konsequent. Nordland I ist kein Album, über das man reden muss. Es ist da, das Feeling stimmt, alles ist perfekt. Was zur Hölle muss man da reden? Jeder Fan des nordischen BATHORY-Sounds wird mit dem neuen Album glücklich und zufrieden sein. Genau, darum geht es. Die Zeit für ein derartiges Werk war gekommen und das Gefühl war definitiv wieder da.

Und genau, wie Quorthon seine Alben verstanden haben möchte, geht er auch an die Musik heran, die er selbst hört. Er gehört ist nicht die Art Musikfan, der jede einzelne Note auf einem Album seziert, die Musik analysiert und stundenlang darüber diskutiert. Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich nicht zu diesen Hifi-Freaks gehöre, die immer den besten Verstärker brauchen, das beste Equipment, usw. Stattdessen sitze ich hier und höre meine alten Kassetten. Ich gehöre nicht zu den Technik-Freaks, ich genieße mehr die Atmosphäre.

Atmosphäre scheint auch nach wie vor das Leitmotiv auf den nordischen BATHORY-Alben zu sein. Gerade wenn es um den Einsatz klassischer Elemente in der Musik geht, scheinen es nur wenige Songwriter derart wie Quorthon verstanden zu haben, dass es nicht um die Anzahl der Noten und die Komplexität von Arrangements geht. Klassik hat mehr zu bieten als begnadete Musiker, Dirigenten und Komponisten – das erzeugte Gefühl darf nie außer Acht gelassen werden. Und gerade bei vielen so genannten Neoklassischen Metalbands bleibt dieses auf der Strecke. Quorthon selbst kennt die Musik der Neoklassik-Szene nicht. Vielmehr hat er erkannt, dass die Atmosphäre bei BATHORY eine zentrale Rolle spielt, insbesondere dann, wenn es um den Einbau klassischer Elemente geht. Und Quorthon genießt den Luxus, bei seiner Musik keine Kompromisse eingehen zu müssen, die in einem Bandgefüge mit vier einzelnen Persönlichkeiten unvermeidbar sind.

Die Kombination aus durchdachten Arrangements und Atmosphäre, wie sie geradezu beispielhaft auf Twilight of the Gods umgesetzt wurde, lässt die Frage aufkommen, was denn beim Songwriting mehr Gewicht hat: Intuition oder eine hart detailliert ausgearbeitete Songidee. Im Grunde genommen hat man eine Songidee und spinnt dann darum herum weiter. Auf was man auf jeden Fall von Anfang an achten muss, ist, dass sich die Musik auch nach BATHORY anhört. Und dabei spielt eine Stilvielfalt, wie sie sich bei BATHORY im Laufe der Jahre eingeschlichen hat, überhaupt keine Rolle – das Feeling ist ausschlaggebend. Ich denke, wenn jemand anderer versuchen würde, diesen Sound hinzubekommen, würde das Ergebnis ganz anders klingen, da ein anderer Mensch dahinter steckt. Genau das bringt Quorthon auch im Black Mark Interview zum Ausdruck: der BATHORY-Fan bekommt dieses einzigartige Gefühl eben bei keiner anderen Band. Wenn jemand den typsichen BATHORY-Sound sucht, dann bekommt er diesen vermutlich nirgends besser geboten, als auf einem BATHORY-Album. Auf der anderen Seite denke ich aber, dass es da draußen sehr viele Bands gibt, die einen ganz speziellen Sound haben, der aber einfach anders ist. Und das ist gut so, denn dadurch entsteht eine vielfältige Szene.

Und genau das macht einen Teil der Faszination an BATHORY aus – ein völlig eigenständiger Sound. Das trifft sicher auch auf viele andere Bands zu, aber gerade heutzutage hat man oft das Gefühl, dass viele Acts zu sehr damit beschäftigt sind, wie jemand anderer zu klingen. Du kannst nie besser sein als das Original, denke ich. – für Quorthon steht fest, dass jede neue Generation von Bands auch auf der Suche nach einem eigenen Sound sein sollte. Wie die jungen Acts heutzutage an die Musik heran gehen, sieht Quorthon aber durchaus aus verschiedenen Blickwinkeln. Schließlich haben sich BATHORY zu ihren Anfangstagen auch an ihren Vorbildern orientiert, unter anderem an G.B.H., mit denen aber kein Mensch was anzufangen wusste. Statt dessen nannte man die Musik der Band einfach Black Metal, wovon wiederum BATHORY keine Ahnung hatten, was das denn sein soll.

Heutzutage gibt es für jede Art von Musik eine Schublade. Als BATHORY begannen, Heavy Metal zu spielen, war es sicherlich noch einfacher, innovativ zu Werke zu gehen. Dass junge Bands heutzutage überhaupt noch eine Chance haben, derart agieren zu können glaubt Quorthon nicht, und das ist traurig. Als junge Band versuchst du sicher originell zu klingen, und jeder junge Act denkt, dass er originell klingt – auch wenn es nicht der Fall ist. Aber jede Band sollte die Möglichkeit haben, wie eine originelle Band behandelt und reviewt zu werden. Allerdings gibt es da auch eine andere Sichtweise: viele Acts beginnen, einen bestimmten Stil zu spielen, weil dieser Stil eben gerade in ist. Vor zehn Jahren hatten wir dieses Black Metal Revival und plötzlich spielte die ganze Welt Black Metal, mit Corpse Paint und dem ganzen Zeug. Es ist Mode! Es war Mode! Mode wie Kleidung, usw. Nur, weil Metaller nicht eingestehen wollen, dass es Mode ist, ändert das nichts an den Fakten. Und dann ist da natürlich die Industrie, die eben plötzlich nach Alben Ausschau hält, die genau so klingen wie das, was gerade populär ist. Sie selbst mögen die Musik nicht, aber sie wissen, dass sie sich verkauft, weil die Bands auf den Covern der großen Magazine erscheinen. Ich denke das ist falsch, ich denke jeder Stil hat ein Recht, auf den Titeln der Zeitschriften zu erscheinen.

Egal, ob es um eine Modeerscheinung geht oder nicht, Einflüsse verarbeitet jeder Künstler in seiner Musik. Bei den nordischen Alben von BATHORY scheint ein Einfluss offensichtlich: MANOWAR. Die Parallelen zwischen Alben wie Into Glory Ride und Hammerheart sind allzu deutlich. Im direkten Vergleich von Songs wie Baptized in Fire and Ice und Blood of my Enemies erscheint der Einfluss geradezu übermächtig, genauso wie gewisse Basssoli auf Twilight of the Gods. Umso erstaunlicher die Fakten: Ich muss dir ehrlich sagen, ich noch nie etwas von MANOWAR gehört habe als wir Hammerheart und Twilight of the Gods geschrieben haben. Ganz ehrlich! Ich wusste von ihnen, aber ich habe die Band nie gehört. Ich bin kein Sammler, ich gehe nicht jede Woche in den CD-Laden und kaufe mir zehn Alben. Ich leg mir alle drei Jahre mal ein Album zu. Das letzte, das ich mir gekauft habe, war die George Harrison-Scheibe.

Damals war es so, dass wir uns entschlossen haben, weg von diesen düsteren, dämonischen Themen zu gehen, weiter zum Wendepunkt der Christianisierung. Ein sehr interessantes Thema. Ich beschäftigte mich damit und ich suchte nach Musik, die sehr atmosphärisch und heavy war, mit sehr viel Feeling. Unser Drummer zu der Zeit war ein riesiger MANOWAR-Fan. MANOWAR war aber die einzige Metal-Band, die er mochte. Er spielte also diesen sehr heftigen Beat und ich sagte, dass es genau der Beat war, den ich haben wollte und ich schrieb meine Songs darum. Als ich fertig war, sagte er mir, dass sich das wie MANOWAR anhört und ich sagte, dass ich die Band nicht kenne. Wir wären damals wahrscheinlich gestorben, wenn wir daran gedacht hätten, dass uns jemand mit MANOWAR in Verbindung bringen könnte. Wir hätten vermutlich gesagt, dass wir das nicht machen können, da die Leute glauben, wir hätten die Band einfach kopieren wollen.
Den Göttern sei für diese Schicksalswendung gedankt. Die Parallelen zum Sound von MANOWAR sieht Quorthon – ganz seinem realistischen Naturelle entsprechend – ganz klar. Ja natürlich erkenne ich diese – heute. Im Gegensatz zu den Bandmitgliedern von MANOWAR, war Quorthon aber noch nie ein Musiker, der für seine große Klappe bekannt ist. Während Joey DeMaio immer wieder seine Verbundenheit zur Musik von Richard Wagner und dessen Einfluss auf die eigene Musik lauthals bekundet, wusste Quorthon dieses Gefühl aus Sicht vieler Leute viel besser einzufangen – Twilight of the Gods ist da der beste Beweis. Nun, von ein und derselben Sache kann es immer die unterschiedlichsten Interpretationen geben. Wenn auf der einen Seite der Welt ein Priester die Bibel hoch hält und seine Interpretation darstellt, kann es auf der anderen Seite einen Priester geben, der etwas vollkommen anderes erzählt. Die Leute sollen die Freiheit haben, ihre Interpretation darzustellen. MANOWAR sind viel mehr von diesen Themen wie Schlachten, Schwerter, das Töten von Menschen, beeinflusst. Für mich wirkt das eher wie diese He-Man-Kiste, ´ich bin der Stärkste, der Beste,…´ Wenn du aber der Beste bist, dann musst du das den Leuten nicht ständig erzählen. Ich denke BATHORY konzentriert sich da mehr auf die Atmosphäre. Wie lange gibt es MANOWAR schon? 21 Jahre?. Wenn du nach 21 Jahren immer noch erzählst, ´wir sind die Kings of Metal´ und ´We are Fighting the World´ und so wenig Menschen davon Kenntnis nehmen, dann ist da wohl noch einiges an Schlachten zu schlagen, haha… Wobei die Band nun aber ihren Erfolg zu haben scheint… Ich gönne es ihnen. Für viele waren MANOWAR für lange Zeit nur eine Lachnummer. Sie sind aber Menschen, die daran glauben, was sie tun. Sie verdienen den Erfolg, da sie sehr hart dafür gearbeitet haben und die Leute sehr lange nur über sie gelacht haben. Dennoch kann sich Quorthon kleine Seitenhiebe nicht verkneifen. Ich habe um 1989 zwei Alben von ihnen gehört, mehr kenne ich nicht. Ich habe Joey mal in London getroffen, er ist nicht wirklich besonders groß. Ich bin 1,93 m, ich war da ein bisschen größer, haha.

Es gibt viele positive Adjektive, die sich mit dem Sound von BATHORY in Verbindung bringen lassen. Eines davon ist der Begriff zeitlos. Wie sieht Quorthon nach vielen Jahren im Musikbusiness sein Lebenswerk? Was sollen die Leute in 50 Jahren denken, wenn sie den Bandnamen BATHORY hören? Ich wünsche mir, dass die Menschen nach einem neuen Album fragen. Denn ich würde am liebsten für immer weiter machen, auch wenn ich weiß, dass es irgendwann nicht mehr möglich sein wird. Ich erinnere mich da an einen Satz von – ich denke es war Paul McCartney. Er sagte in 50 Jahren werden die Leute über die BEATLES reden, wie sie es jetzt über Bach tun. Auf eine gewisse Weise ist es so, dass wenn eine Band größer wird und einiges an Zeit vergeht, man sie auf ein Podest stellt und eine Legende um sie herum aufbaut. Mit der Zeit wird alles irgendwie bedeutender. In den 80ern waren wir sicherlich populär, aber die Alben wurden nicht als etwas besonderes angesehen. Aber in den 90ern wurden sie plötzlich legendär. Viele dieser Alben wurden aber in einer Garage aufgenommen….

Ein überraschendes Statemtent Quorthons im Black Mark Interview fällt im Zusammenhang mit der Einordnung von Twilight of the Gods in die Bandgeschichte. Quorthon verneint, dass es sich hierbei um eines der Nordic-Alben handelt – womit er die Alben Hammerheart, Blood on Ice und die nun erscheinenden beiden Nordland-Alben verbindet. Für viele Fans kaum nachvollziehbar. Nun, das ist eine rein persönliche Angelegenheit. Hammerheart ist wegen der Thematik ein sehr nordisches Album. Twilight ist mehr von Menschen inspiriert und war auf diese Weise nicht wirklich nordisch, sondern eher philosophisch angehaucht. Natürlich klingt es wie ein nordisches, episches Metal-Album, aber da ich weiß, wie das Album geschrieben wurde, ist es das für mich nicht. Es steht jedoch jedem zu, es so zu bezeichnen.

Nicht zuletzt aufgrund der für BATHORY-Verhältnisse auffallend sauberen Produktion kann man Twilight of the Gods als das reine Album bezeichnen. Dennoch sind darauf einige sehr extreme Gesangsparts zu finden und auf Nordland I begegnen einem derartige Ausreißer erneut. Eine besondere Bedeutung im engen Sinne gibt es dafür nicht. Wenn ein neues BATHORY-Album erscheint, hat es manchmal den Anschein, als würden sich die Leute mehr auf die Vocals konzentrieren, als auf die Musik oder die Lyrics. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute nicht an dem interessiert sind, was du machst, sondern wie dein Gesang klingt. Du isst doch auch nicht jeden Tag Pizza oder Hamburger. Wir wechseln unsere Kleidung und sehen heute vollkommen anders aus als vor zehn Jahren. Manchmal möchtest du einfach etwas anderes machen, da du ja auch deine Musikalität erkunden möchtest. Ich versuche einfach herauszufinden, was am besten zu den Texten und der Atmosphäre passt. Sehr oft wird aber an der Musik von BATHORY kritisiert, dass Quorthon nicht wirklich ein guter Sänger ist. Eine oft zu findende Kluft zwischen technischem Anspruch und stimmlichen Ausdruck, versucht Quorthon zu überbrücken. Nun, ich versuche das etwas zu vermischen. Manchmal, wenn ich klare Vocals benutze, mache ich das, um eine Message rüber zu bringen. Wenn du einen bestimmten Gesangsstiel aber zu häufig benutzt, konzentrieren sich die Leute mehr auf die Energie deines Gesangs und nicht darauf, was du sagst. Und dieses Mal haben wir zwei Stunden Material für zwei Alben, die zur gleichen Zeit aufgenommen wurden – Nordland I und Nordland II. Manchmal, wenn du im Studio bist, langweilt es dich einfach, wenn du ständig auf die gleiche Art und Weise singst.

Auch wenn die nordischen Alben BATHORYs von ihrer Grundstimmung her eine Einheit bilden, ist doch auffällig, dass jedes einzelne einen eigenen Charakter besitzt. Nun, jedes Album hat seinen speziellen Sound, denn es sind die Hinterlassenschaften dessen, wie du zu diesem Zeitpunkt geklungen hast. Und das ist großartig! Ich habe die Alben nicht, aber ich bin sicher, dass wenn ich sie mir anhören würde, ich mich erinnern würde, wie es damals war, die Gefühle, usw. Anders wird es sich aber bei den beiden Nordland-Alben verhalten. Das gesamte Material wurde zur selben Zeit geschrieben, zur selben Zeit aufgenommen, zur selben Zeit abgemischt. Es ist dieselbe Produktion und es ist eigentlich ein Album mit einer A und einer B-Seite. Die Entscheidung für zwei Alben fiel einfach, da es für eines allein zu viel Material gewesen werden. Ansonsten ist es exakt derselbe Stil, derselbe Sound, dieselbe Story, dasselbe Cover,…

Authentizität ist ein weiteres Schlagwort, das gerne fällt, wenn man über die dichte Wikingeratmopshäre der nordischen Alben spricht. Es stellt sich die Frage nach Quorthons Einstellung, wie sehr die Musik von BATHORY die Gefühle der Menschen der Zeit transportiert, über die er in seinen Texten erzählt. Überhaupt nicht, da wir keine Ahnung davon haben, wie diese Zeiten waren – sie haben keine geschriebenen Dokumente hinterlassen, sie hatten keine Aufnahmegeräte, keine Polaroid-Kameras,… 50% dessen, was damals erschaffen wurde, wurde durch das Christentum zerstört. Wir müssen also Bücher lesen, die von Archäologen und Historikern geschrieben wurden. Bücher sind aber nur Interpretationen, wie die Reviews einer CD. Es ist also nicht wichtig wie authentisch du glaubst, dass du bist oder wie sehr das die Leute glauben, die deine Musik hören, denn es weiß eh niemand. Das Wichtige ist einfach, dass wir den Job so gut wie möglich machen. Es ist als wenn alle McDonalds-Filialen geschlossen hätten, und wir versuchen würden, einen Hamburger zu machen, der ähnlich schmeckt und wenn du deine Augen zumachst, du dir vorstellen könntest, dass es einer von McDonalds ist. Dennoch bleibt das starke Gefühl bei den Fans, beim Hören der Musik den Menschen aus diesen vergangenen Zeiten sehr nahe zu sein. Woher rührt dieses Gefühl? Entsteht es durch das, was wir in der Schule gelernt, was wir in Büchern gelesen oder in Filmen gesehen haben? Oder ist da doch ein tiefes Gefühl in uns allen, das und den Menschen damals so nahe bringt? Ich denke, dass jeder, der beim Hören der Musik dieses Gefühl hat, in sich selbst ein sehr starke künstlerische Veranlagung hat und man braucht eine gute Vorstellungskraft und ein lebendiges Herz dafür, um sich in seinem Kopf Bilder auszumalen, die man nicht sehen kann. Gerade bei Nordland gibt es viele Soundeffekte, mit denen wir eine Atmosphäre erschaffen wollten. Z.B. bei Foreverdark Woods wollen wir, dass die Leute quasi den Geruch des Waldes in der Nase haben und das Holz spüren können, verstehst du? Oder du liest über icecold waves – du weißt nicht, ob die Wellen eiskalt sind, sie könnten aus Hawaii oder Paradise Island stammen, Wellen sind nur Wellen. Aber wenn das die Leute auf einem BATHORY-Album hören, dann stellen sie sich eben eiskaltes Wasser vor. Die Interpretationen der Leute sind fantastisch! Du verwirklichst etwas auf den Alben und die Leute genießen das, es ist wie eine interaktive Beziehung. Und vor allem schafft es die Musik, Empfindungen zu beeinflussen. Mit BATHORY im Walkman kann man auch im Winter nicht frieren. Man steht da und denkt sich Jaaa! Gebt mir mehr Wind, gebt mir mehr Kälte!! Ich will den Sturm!! Hahaha. Nun wenn du dir die Zeit vorstellst – man hatte keine Autos, keine Häuser, keine Heizung, kein Video,… Die Umwelt muss für die Menschen etwas sehr mächtiges gewesen sein, denn sie mussten darin und mit ihr leben. Stell dir nur vor, wie 25 Männer mit einem Wikingerschiff nach Amerika reisen – heute hüpfen wir einfach in ein Flugzeug und sind in 7 Stunden dort… Ein tiefer Respekt vor den Menschen der damaligen Zeit ist also in Quorthons Musik stets präsent. Man muss natürlich anerkennen, wie diese Leute damals gelebt haben, aber sie wussten ja letztendlich nicht, dass sie in der Wikingerzeit leben, haha. Das gilt genauso auch für das römische Imperium, die chinesischen Dynastien, usw. Sie wussten nicht, in was für einer Zeit sie gelebt haben. Ein Zitat eines Wissenschaftlers im Fernsehen scheint Quorthon sehr beeidnruckt zu haben: Er sagte ´wir können sagen, dass alles, was der Mensch je erfinden kann, bereits erfunden wurde.´ Wir wissen, dass das nicht richtig ist, aber wir denken, wir wären so gebildet! Die Menschen sind nur Menschen, einfach Kreaturen. Aber wir sind nicht so gebildet oder erleuchtet, angesichts dessen, was wir erreicht haben. Wir können zum Mond fliegen, aber beschweren uns immer noch über die Demokratie. Aber was wäre die Alternative? Diktatur? Ich denke wir müssen in unserer eigenen kleinen Welt leben. Wir müssen unsere Steuern zahlen, jeder muss seiner Arbeit nachgehen. Aber wenn es jeden Tag nur einen Moment gibt, in dem du dich zurücklehnen kannst und ein Buch lesen oder eine Platte hören und deine eigene Welt kreieren kannst, dann ist das sehr viel wert. Manche Leute nehmen Drogen, ich bevorzuge ein Spaziergang im Wald…

…ein weiterer Beweis dafür, dass Quorthon mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht, ein Mensch, der die Dinge sehr realistisch sieht. Ein weiterer Grund, warum Quorthon gewisse Dinge um seine Person entmystifizieren wollte? In den ersten 12-13 Jahren von BATHORY, schrieben mir die Leute Briefe, in denen sie sagten du bist mein Gott! Ein Mädchen schickte mir einen Plastiksack mit Erde darin. Ich fragte sie was zur Hölle ist das? Und sie schrieb mir zurück, ich war auf dem Friedhof und habe auf einem Grab masturbiert. Die Erde soll dir bei deinen magischen Ritualen helfen. Wenn die Leute dein Image auf diese Art benutzen, dann interpretieren sie dich einfach falsch. Es gibt da wirklich fanatische Irre. Sie wollen ihren „black satanic cocksucking god“ und Dinge wie auf dem ersten Album hören. Und wenn ich mich von solchen Dingen distanziere, dann denken die Leute vielleicht darüber nach. Es ist also sehr wichtig für mich eine Kommunikation mit den Leuten aufzubauen, die unsere Platten kaufen.

Sehr realistisch bewertet Quorthon in diesem Zusammenhang auch seine eigene Jugend, als alles mit BATHORY begann: Als wir jung waren, gab es bei uns eigentlich nur den Kerrang, in dem man immer von Leuten wie Ozzy Osbourne und Led Zeppelin lesen konnte. Und das waren die Helden meiner Generation. Ich denke es braucht eine lange Zeit, bis man selbst erkennt, dass man ein Shit Kid ist, und wir waren echte Shit Kids! Wir wollten nicht wie IRON MAIDEN und all unsere Faves klingen, wir wollten anders sein. Wir hatten unsere eigene Platte und unsere eigene Musik und vor allem auch Fans. Und es waren so viele unterschiedliche Fans. Die einen schickten uns Bilder von ihren Freundinnen, die anderen tote Katzen. Es waren wirklich wilde Zeiten. Die 80er waren alles andere als golden, aber es war unsere Musik! Auf diese Art über eine Phase der Bandgeschichte zu reden, die von vielen als heilig empfunden wird, kann sich nicht jede Band erlauben. Die Empörung der Fans wäre enorm. Ein Resultat der Entwicklung von BATHORY über die Jahre hinweg? Ich denke die Leute würden auf alles hören, was ich sage, ganz anders als auf eine Person, die erst vier Jahre in einer Band spielt. Aber es ist egal, wer etwas sagt, man sollte dennoch zuhören! Jemand hat vielleicht erst letztes Jahr eine Band gegründet und hat dennoch sehr viele interessante Dinge zu erzählen. Aber es gibt etwas, das man nicht kaufen oder vorgaukeln kann – und das ist Erfahrung. Dass es BATHORY seit 20 Jahren gibt, bedeutet nicht, dass wir bessere Musiker sind, sondern dass die Kultur, in der wir aufgewachsen sind eine andere war als die, in der die Bands heute aufwachsen. Wir hatten mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als Bands aus Amerika, Groß Britannien oder Deutschland. Es gab keine Örtlichkeit, wo wir hätten spielen können, es gab keine Metal-Magazine und wir konnten nicht von Modeerscheinungen beeinflusst werden. Und es gab keinen Metal im Radio. Die einzigen Magazine, mit denen wir redeten waren Fanzines, die unsere Kumpels machten. Wir hatten eine Chance uns selbst zu entwickeln und natürlich ist es so, dass wenn wir über die 80er reden, wir über die Geschichte von BATHORY reden. Wenn ich z.B. schlecht über Under the Sign rede, dann ist das, weil es ein furchtbares Album ist. Die Leute fragen mich, wie kannst du so über das Album reden? Ich sage nur ´komm schon, ich habe eine eigene Meinung!´

Im Gegensatz zu damals ist Schweden heutzutage ein sehr wichtiges Land auf der Metal-Landkarte. BATHORY scheint aber kein Teil der schwedischen Szene zu sein. Ich weiß, dass sich jeder über BATHORY bewusst ist, aber es redet niemand über BATHORY. BATHORY ist wie das schwarze Schaf der Familie. Es gibt die Band schon sehr lange, aber wir klingen nicht schwedisch. Wir sind nicht Teil der Industrie hier. Im Fernsehen hört man dann, dass der schwedische Metal 1992 von ENTOMBED ins Leben gerufen wurde. Ich frag mich dann immer ups, und was haben wir gemacht? Es beweist einfach, dass viele Leute in der Metalindustrie hier keine Ahnung haben. Und auch zu den jungen Bands pflegt Quorthon keinen Kontakt. Ich geselle mich nicht zu anderen Gruppen, ich mag das nicht. Ich versuche mich von der Industrie fern zu halten. Ich lese keine Presse, ich kaufe keine Alben, ich gehe zu keinen Shows. Wenn ich mehr Teil der Industrie wäre, würde mich das bewusst oder unbewusst zu sehr beeinflussen und das würde BATHORY verändern.

In vielen Bereichen scheint Quorthon ein Eigenbrödler zu sein. Mit Filmen beispielsweise kann der Schwede kaum was anfangen. Er hat seine Probleme damit. Kein Wunder also, dass er mit dem Titel Almost Famous nichts anzufangen weiß. In dem Film geht es um einen jungen Nachwuchsschreiber in den 70ern, der durch kleine Betrügereien vom Rolling Stone Magazine den Auftrag bekommt, mit einer Band auf Tour zu gehen und die Titelstory über diese zu schreiben. Die Band bezeichnet in dem Film den jungen Journalisten stets als der Feind. Liest man sich die Interviews mit Quorthon durch, so könnte man zu der Erkenntnis gelangen, dass diese Einstellung seiner nicht unähnlich ist. Oh, ich weiß nicht wie das bei anderen Bands ist, aber ich hatte immer das Gefühl, dass du nur ca. 1% der Journalisten verstehen, was du gesagt hast. 99% verstehen überhaupt nichts – die Reviews und die Headlines….manchmal fragt man sich, warum die Typen das überhaupt machen. Musik sollte die Leute direkt erreichen. Ja, in gewisser Weise sind die Medien ein Feind, aber ein Feind, der mich nicht kümmert. Kein Feind, den man bekämpfen müsste, sondern einer, der mir einfach egal ist.

Auf der anderen Seite hört man Quorthon von seinem Label immer sehr gut reden. Auch nicht gerade eine übliche Einstellung. Viele junge Bands springen von einem Label zum anderen und schimpfen immer über die Firmen – es ist immer der Fehler des Labels, dass sie kein Majoract sind und keine Alben verkaufen. Aber das Interesse jeder Plattenfirma ist es doch, Alben zu verkaufen, es ist also eine sehr seltsame Logik. Diese Bands, sollten sich selbst einfach mal fragen, ob sie vielleicht selbst das Problem sind. Vielleicht ist man einfach nicht interessant genug.

Von BATHORY gab es einmal ein großartiges Video zum Song One rode to Asa Bay. Doch mit einer Wiederveröffentlichung in Form einer DVD, eines Multimedia-Tracks oder eines Downloads ist nicht zu rechnen. Das Material für dieses Video existiert nicht. Was man sieht ist nicht mal ein Video, sondern eine Rohkopie, die in 5 Minuten erstellt wurde. Es ist noch nicht mal synchronisiert. Als wir dieses Video aufgenommen haben, haben wir fast 40.000 DM (die Währung hat Quorthon genannt) dafür ausgegeben und fast 100 Leute haben beim Video mitgemacht. Wir hatten massig Material auf Band. Aber der Typ, der das Editing übernehmen sollte, verschwand mit den Tapes. Was wir noch hatten waren ein paar Sachen dessen, was wir für das Video gedreht hatten, aber es war absolut kein Video. Was an der großartigen Atmosphäre des Clips aber nichts ändert. Es hätte noch besser sein können. Ich konnte es nicht sehen, aber ich bin sicher, dass es wirklich klasse geworden wäre. Aber letzten Endes gab es damals kein Forum für diese Art von Videos. Es gab den Headbangers Ball um zwei Uhr nachts. Und eigentlich sollte man kein Video drehen, das zwölf Minuten lang ist, es sollte drei Minuten lang sein. Man zeigt so was nicht. Es gab nur zwei Kopien dieses Videos, ansonsten sind nur Kopien im Umlauf, die vom Fernsehen aufgenommen wurden. Aber es ist doch wieder irgendwie typisch für BATHORY, dass ein Video eben zwölf Minuten lang geht… Natürlich. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mal ein Interview mit einem großen Radiosender gemacht habe und sie fragten mich, welchen Song sie spielen sollen. Ich sagte nehmt doch ´Twilight of the Gods´! Sie spielten

Twilight of the Gods – der Song geht ja 17 Minuten. Die Sendung ging so

ca. 30 Minuten, sie bestand also quasi aus Twilight of the Gods

und danach sagten sie Gute Nacht, haha.

Einst nahmen BATHORY eine Coverversion von MOTÖRHEADs Ace of Spades auf, die Antwort nach einer möglichen zukünftigen Coverversion wird aber auf ewig auf Diktierband verschollen bleiben. Die Antwort, ob Quorthon Hammerheart als Coversong bezeichnen würde, ist dann allerdings überraschend: Nun, eigentlich war es ein Joke! Ein wahrlich großartiger Joke, allerdings. Nun, als wir Twilight of the Gods aufgenommen haben, war die Produktion im Gegensatz zu dem was wir in den 80ern gemacht haben sehr komplex – von unseren ersten Alben sehr weit entfernt. Wir wollten noch einen Abschlussgag und plötzlich schrieben uns die Leute, dass sie diesen Song auf ihrer Beerdigung hören wollen. Peinlich für mich natürlich. Auch ich hab den Witz an der Sache nie erkannt. Das ist ja auch okay. Für mich ist es ein Witz, wenn der Song für jemand anderen eine andere Bedeutung hat, ist das vollkommen in Ordnung. Außerdem passt das Stück perfekt zur Atmosphäre des Albums. Ja, da ich zu der Zeit auch sehr von solch klassischer Musik beeinflusst

war.

Fierce
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