XCLAYM: Premium Asskicking Speedrock

XCLAYM: Premium Asskicking Speedrock

Premium Asskicking Speedrock! Der Name ist Programm könnte man meinen, wenn man sich einmal das Drumherum genauer betrachtet. Da tummeln sich Möchtegern Badass-Synonyme der Bandmitglieder (Billy Cocaine oder Fallout George), genauso wie sich auf dem Albumcover alle typischen Merkmale eines echten Klischee-Rockers befinden – Totenkopf check, Motoren check, Tattoos check und ganz wichtig Genussmittel (in diesem Falle eine Zigarre). Okay, dann weiter zum nächsten Arbeitsschritt: der Musik!

Die CD der Ingolstädter XCLAYM startet schmissig und viel versprechend. Ein Snareschlag und schon bohrt sich ein WahWah-Lead in die Gehörgänge, welches eine ordentliche Portion gute Laune versprüht. Dazu gesellen sich noch die kratzigen Stimmbänder vom Sänger und fertig ist ein Song, der perfekt im Auto zur gewissenlosen Überschreitung der lokalen Geschwindigkeitsbegrenzungen verleitet. Noch straighter geht es in Attention weiter, das mit seinen unüberhörbaren Hardcore-Einfluss zu punkten weiß. Der Song wird in bester Lemmy-Manier mit den Lyrics Welcome to the Show, we play Rock´n´Roll eröffnet und funktioniert somit wahrscheinlich bestens bei Liveshows als Opener. Aber XCLAYM können auch poppiger, wie Rock´n´Roll Radio beweist, dass stellenweise durch seinen einprägsamen Chorus gepaart mit catchy Leadstellen an die Mannen um Mike Ness von SOCIAL DISTORTION  erinnert. Zur Spitze wird die Mainstreamkompatibilität allerdings dann von Save Me getrieben. Hier darf sich der Frontmann mit einer etwas zu schwachbrüstigen Gastsängerin im zu häufig praktiziertem Verse-Chorus-Verse Spielchen messen.

Doch gelegentlich verlässt man auch einmal den Pfad der eingeschlagenen positiven Emotionen und versucht, nachdenkliche, melancholischere Songs (Lonesome Days) zu schreiben. Das dies nur etwas an den Lyrics ändert, jedoch kaum am festgefahrenen Drei-Chord-Riffing, war so zu erwarten, lässt aber jedenfalls Spielraum für Verbesserungen. Wenn wir einmal bei Kritikpunkten sind, muss definitiv auch die übertriebene Einfachheit der Texte angeprangert werden. Beispiel gefällig? Reime wie Wanna hear my favourite Band, drink a lot of beer, I want you to be here  verleiten häufig zum Fremdschämen. Des öfteren hat man auch den Eindruck, dass das Vokabular recht einseitig und beschränkt ist. Kein Text kommt quasi ohne 10facher Wiederholung der Hookline aus, und immer wieder trifft der Hörer auf die typischen Wörter Rock´n´Roll und Beer, um nur einige zu nennen. Dies führt dazu, dass man bereits ab der Albumhäfte den Eindruck hat, alles schon einmal gehört zu haben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Qualität des Songmaterials zum Ende hin abbaut. So findet sich viel Füllmaterial auf den letzten Metern, beispielsweise die vor sich hin plätschernden No Go oder Ride The Bullet . Und auch das teils an REFUSED erinnernde Hangover-Lied One, Two kann nicht überzeugen. Obwohl es sich durch seine sparsamere Instrumentation und die eingesetzten Soundspielerein vom Rest abhebt, zerstören die sich ständig wiederholenden und nervenaufreibende Schreie einiges an Potential des Songs.

XCLAYM machen auf ihrem Debüt einiges richtig. Besonders das erste halbe Dutzend Tracks weiß mit seinem herrlich unkomplizierten Rock kurzfristig gut zu unterhalten. Die Songs gehen ins Ohr, die Leadstellen machen Spaß und der Sänger fügt eine ordentliche Portion Rotzigkeit hinzu. Doch diese Unkompliziertheit zieht auch immer nach sich, dass man sich nach einigen Durchgängen überhört am Material. Genau dieser Spagat zwischen Eingängigkeit und Abwechslung gelingt der Band leider nicht auf voller Linie. Freunde von TURBONEGRO oder den BACKYARD BABIES dürfen trotzdem ein Ohr riskieren und sich im veröffentlichten Video  zu I Don´t Care ein ersten Eindruck verschaffen.

Veröffentlichungstermin: 21.10.2011

Spielzeit: 30:41 Min.

Line-Up:
Billy Cocaine – Vocals, Guitar
Sverige van der Storm – Guitar
Fallout George – Bass
Jim The Weasel Wødz – Drums

Label: Fastball Music

Homepage: http://www.facebook.com/xclaym

Tracklist:
01. What I Want
02. Attention
03. Rock´n´Roll Radio
04. Lonesome Days
05. Save Me
06. Ink And Blood
07. No Go
08. Drunk´n´Horny
09. One, Two
10. Spring
11. Ride The Bullet
12. I Don´t Care