VIRON: NWoGHM (-)

VIRON sind das, was eigentlich der gute Nährboden einer gesunden Szene darstellen sollte, auf dem die wirklich herausragenden Acts gedeihen und blühen können. Dass das anders sein soll, stimmt eher traurig und vor einer New Wave of German Heavy Metal kann ich mich unter diesen Umständen nur mit Grausen abwenden.

Zur Plus-Kritik

Man mag zur deutschen Metal-Szene stehen wie man will – Bedeutung hatte sie schon immer. Angefangen bei Bands wie den SCORPIONS und ACCEPT Ende der 70er/Anfang der Achtziger, prägten in den nächsten Jahren Truppen wie HELLOWEEN, RUNNING WILD oder BLIND GUARDIAN das Bild des wahren Metals mit und selbst in den mageren Jahren Anfang bis Mitte der Neunziger ließ sich die deutsche Szene nicht unterkriegen. Auch wenn die Brötchen kleiner gebacken wurden, wurden in unseren Breitengraden die Fahnen des echten Stahls immer hochgehalten. Als Ende der Neunziger das Interesse am traditionellen Metal wieder größer wurde, spielten recht schnell Truppen wie SACRED STEEL, PRIMAL FEAR oder GAMMA RAY ganz weit vorne mit. Die hochkarätigen Acts im deutschen Underground und außerhalb der True Metal Szene sollen dabei gar nicht näher beleuchtet werden – Bedeutung hatten sie dennoch.

Wenn im Jahr 2005, zu einer Zeit, in der der Metal-Markt derart übersättigt ist, dass einem manchmal schon der Spaß an der Sache vergehen will, eine Band aus dem Mir-Nichts-Dir-Nichts daher kommt und zur New Wave of German Heavy Metal ausruft und dabei auch noch lautstark verkündet, dass bei der Gründung eine Metal-Band à la HAMMERFALL das Ziel der Reise sein sollte, dann komm ich mir als langjähriger Supporter der Szene ehrlich gesagt ordentlich verarscht vor. Vollmundige Aussagen wie Nu Metal, italienischer Highspeed mit Kindermelodien, weiblicher Operngesang, Black Metal – obwohl alle Spielarten ihre Berechtigung haben, dürstet es vielen nach echtem Heavy Metal, welcher das Wort true auch verdient und trotzdem nicht nach einem Relikt aus der Vergangenheit klingt. Dass ausgerechnet eine deutsche Band diesem Anspruch gerecht wird, ist mehr als eine Überraschung sollte eigentlich die komplette deutsche Metal-Musikerszene mit einem Auftrittsboykott mit VIRON quittieren.

VIRON haben also nur eine Chance aus dieser Misere wieder auszubrechen und das ist ein Album, das einen schlichtweg umbläst. Da das beileibe aber nicht der Fall ist, hat die um Ex-CREMATORY-Schlagzeuger Markus Jüllich entstandene Truppe schon verloren.

Versteht mich nicht falsch: ich finde es sehr wichtig, dass Bands ein Selbstbewusstsein entwickeln und ihre Sache mit Nachhalt vertreten. Um derart hochstapelnd (oder hochstaplerisch?) auftreten zu können, sollte man dann aber auch über ausreichend Eigenständigkeit und Ideenreichtum oder zumindest über die entsprechende Durchschlagskraft verfügen und das ist bei VIRON einfach nicht der Fall.

Dabei sind VIRON objektiv doch gar nicht so schlecht. Schon der Opener Ride On geht mit ordentlicher Wucht in die Vollen und weckt durch das energiegeladene Gitarrensolo die Aufmerksamkeit. Die ersten Töne von Ex-SPELLBOUND-Sänger Alex klingen ebenfalls sehr vielversprechend, letztendlich würde ich seinen Gesang dem eines kraftlosen Joacim Cans jederzeit vorziehen – Power hat der Mann durchaus in seinem Organ. Doch schon nach kurzem wird klar: wirklich Neues haben VIRON einfach nicht zu bieten. Die Riffs sind altbekannt, die Breaks und Songstrukturen vorhersehbar, das Songwriting bietet kaum Überraschungen. Handwerklich ist das alles sehr in Ordnung, was speziell die EXXPLORER-Coverversion verdeutlicht, die sehr gut umgesetzt ist. Und dann? Dann kommt eben nix mehr. Wäre all das Drumherum um die Truppe nicht, VIRON wären genau das, was ich inzwischen gerne unter die Kategorie gutartig einordne. Stellt daneben ein Act wie LANFEAR und VIRON wirken einfach klein und nichtig.

Mag sein dass der Titel pure Provokation ist, das Intro – das im übrigen wirklich sehr witzig ist – das Augenzwinkern verdeutlicht und ich voll in die Promotion-Falle getappt bin – letztendlich ist es heutzutage doch in erster Linie wichtig, für ordentlich Gesprächsstoff zu sorgen. Umso mehr aber mein Aufruf an die Vernunft: bewertet diese Band nicht mit höheren Maßstäben, als sie es verdient hat und gebt euer Geld lieber für die wesentlich interessanteren Acts aus Deutschland aus – und davon gibt es wahrlich genügend. Ich bin mir sicher, dass VIRON bei einigen Leuten auf Gegenliebe stoßen und ich könnte die Gründe dafür auch nachvollziehen. Aber bitte bitte interessiert euch NICHT für diese Band einfach deswegen, weil in euch künstlich das Gefühl erweckt wird, dass ihr etwas Essentielles verpassen würdet, wenn ihr die Band nicht kennt oder ihr nicht mitreden könnt. Und so ärgert es mich eigentlich schon wieder, dass ich der Band mit diesem Review mehr Aufmerksamkeit zuteil werden lasse, als sie es verdient hat – und dennoch musste es einfach mal wieder raus.

VIRON sind das, was eigentlich der gute Nährboden einer gesunden Szene darstellen sollte, auf dem die wirklich herausragenden Acts gedeihen und blühen können. Dass das anders sein soll, stimmt eher traurig und vor einer New Wave of German Heavy Metal kann ich mich unter diesen Umständen nur mit Grausen abwenden.

Veröffentlichungstermin: März 2005

Spielzeit: 29:40 Min.

Line-Up:
Alexx Stahl – vocals

Thilo Tilikainen – guitars

Roger – guitars

Ingmar Inge Holzhauer – bass

Neudi – drums

Produziert von Viron
Label: Eigenproduktion

Hompage: http://www.viron1.com

Tracklist:
01. Sander (Intro)

02. Ride On

03. For Her Majesty

04. Prelusion

05. Run For Tomorrow

06. Born Out of Light

07. Doomsday