VALBORG: Romantik

VALBORGs Gleichung düster-romantische TYPE O NEGATIVE-Keyboards mit morbider CELTIC FROST-Atmosphäre zu vermengen will nicht ganz aufgehen.

VALBORG sind ein Phänomen, immer anders, immer unberechenbar, aber immer vertraut. Und doch, die vergangenen Alben, von Glorification Of Pain bis hin zu Nekrodepression, waren ein Gebräu aus krautigen Soundscapes, primitivem CELTIC FROST-Tribut, morbider Atmosphäre und progressiven Einsprengseln. Romantik läutet nun, obwohl es eindeutig in die Diskografie der Band passt, eine neue Ära ein. Nicht nur, dass VALBORG von dem Bandeigenen Label ZEITGEISTER MUSIC weggehen und bei TEMPLE OF TORTUROUS untergekommen sind, der Titel Romantik passt auf krude Art und Weise durchaus zur Musik.

VALBORG werden von ihrer neuen Plattenfirma als Funeral Power Doom Metal bezeichnet, wobei die Power leider auf der Strecke bleibt. Romantik suhlt sich in Riffs in Zeitlupe, schleppt sich mittels langsamer Rhythmen durch seine sechs Songs, es heulen und brüllen die Protagonisten, es gibt feierlich-dunkle Gesänge zu hören. Am auffälligsten ist aber, dass VALBORG ihr neues Album mit Keyboards füllen, nein, überfüllen – und zwar so, dass Romantik nach einer großen Hommage an October Rust von TYPE O NEGATIVE klingt, allerdings nicht nach den popigen Hits, sondern den doomig-schleppenden Epen. VALBORGs neues Werk ist also weniger aggressiv und brachial, aber auch weniger psychedelisch. Viel mehr fokussiert sich das Bonner Trio auf Atmosphäre und düstere Melodien.

Das nutzt sich jedoch leider recht schnell ab. VALBORG haben zwar mit Romantik das am meisten in sich geschlossene Album ihrer Karriere parat, da die sechs Stücke allesamt eine gemeinsame Richtung haben. Leider erstickt das die Abwechslung im Keim, die sonst für VALBORG so typisch ist. Das heißt, dass sich die Songs nur wenig voneinander unterscheiden, auch kleiner Details im Songwriting zum Trotz. Blitz aus Sodom und Sulphur Vitriol Angel sind davon abgesehen ein wenig zugänglicher als der Rest. Kryptische Arroganz hebt sich durch seine enorme Finsternis im Mittelteil außerdem vom Rest des Albums ab. Dennoch ist da zu viel Gleichförmigkeit: Spielerisch – durch die stets schleppenden Beats, monotonen Riffs und die sehr ähnlichen Synthesizer -, aber auch songschreiberisch.

Wie üblich sind VALBORG sehr originell und stehen stilistisch weit außerhalb der Konkurrenz im düsteren Metal-Bereich. Zum ersten Mal können VALBORG aber nicht völlig überzeugen: Es fehlt die Intensität, die Abwechslung, die Spannung. Ein paar wilde, derbe Nummern dazwischen und Romantik wäre vielleicht wieder ein Hit geworden. So bleibt ein Album, das trotz der neuen Ausrichtung nicht mit dem Rest des Schaffens von VALBORG mithalten kann.

Veröffentlichungstermin: 19. Mai 2015

Spielzeit: 39:52 Min.

Line-Up:
Jan Buckard – Bass, Synthesizer, Vocals
Christian Kolf – Guitar, Vocals
Florian Toyka – Drums

Label: Temple Of Torturous

Homepage: http://www.valborg.de/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/valborgband

Tracklist:
1. Vampyr
2. Blitz aus Sodom
3. Comtesse
4. Sulphur Vitriol Angel
5. Kryptische Arroganz
6. The Haunted Womb