TYRANT WRATH: Torture Deathcult

Letztendlich ein gelungenes Black Metal-Debüt, dass man sich gut anhören kann, dem aber doch das Besondere oder Einzigartige fehlt. 

Als ich die Scheibe Torture Deathcult von TYRANT WRATH das erste Mal gesehen habe, dachte ich zunächst, dass es sich um eine Grindcore-Band handeln würde, da ich auf dem Cover vor lauter Blut praktisch nichts mehr erkennen konnte. Was ich dennoch erkennen konnte, sind Folterwerkzeuge wie Sägen, Messer, Ketten und andere Dinge, die ich nicht auf bzw. in meiner Haut spüren möchte, und höchstwahrscheinlich die Überreste eines menschlichen Wesens. Ganz sicher bin ich mir da aber – wie gesagt – vor lauter Blut nicht.

Egal. Kommen wir zunächst einmal zu der Band. Die Schweden von TYRANT WRATH beschreiben sich selbst als eine Musiktruppe, die Raw and wild Black Metal mit antichristlichen Texten und abwechslungsreichen Gitarrenriffs produziert. Außerdem ist Torture Deathcult das Debütalbum des Duos, das für diese Scheibe einen Gastmusiker fürs Schlagzeug suchen musste und mit J. Olofsson auch erfolgreich fündig wurde.

Nun zu dem wichtigsten Aspekt, nämlich der Musik. Das erste Lied der Platte namens Hollow beginnt mit einem Intro, das alles hat, was auch in einen guten (oder wenigen guten) Horrorfilm gehört: Raben-bzw. Krähengeschrei (so genau kann ich das nicht unterscheiden – ich bin schließlich keine Biologin bzw. Zoologin oder Vogelkundlerin), düstere Hintergrundmusik und eine verzerrte Männerstimme. Aber dann geht es sofort so richtig los. Der Sänger Adde H screamt ohne Vorwarnung los und beweist somit von Anfang an, dass er Wucht in seiner Stimme hat, während der Gitarrist und Bassist Kim C und der Gastmusiker-Kollege J. Olofsson mit großer Kraft loslegen. Das Lied hat gegen Mitte und Ende auch ruhigere (die Betonung liegt auf ruhigere, da die Jungs ihre immense Kraft trotzdem nicht verlieren) und ausgefeiltere Stellen, die für Abwechslung sorgen. Außerdem endet das Lied ohne Vorwarnung auf einen Schlag. Damit schließt sich der beim Intro entstandene Kreis der musikalischen Überraschungen ohne Vorwarnung. Dieses plötzliche Ende der Lieder scheint den Jungs aus dem hohen Norden übrigens zu gefallen, da dies in so ziemlich jedem folgenden Songs der Fall ist. Wahrscheinlich mögen sie einfach keine langwierigen und schmerzhaften Abgänge.

Der fünfte Song mit dem vielversprechenden Namen Hellfuck macht seinem Namen alle Ehre, da er extrem schnell und brutal anfängt. Der Sänger screamt, was das Zeug hält, der Schlagzeuger verprügelt sein Instrument gnadenlos und der Gitarrist und Bassist gibt alles, wobei die Abwechslung auch hier nicht zu kurz kommt. Es gibt ebenfalls ruhigere Stellen, die das Tempo, vielleicht sogar etwas zu stark, zügeln. Das Lied endet jedoch so rasch, praktisch mitten im Wort bzw. Riff, dass ich erst einmal den Eindruck hatte, dass meine CD einen Fehler hat. Ich gehe jedoch im Nachhinein davon aus, dass das so gewollt ist. TYRANT WRATH bleiben ihrem Stil auch bis zum Ende des Albums treu. Das Screamen ist  –  abgesehen von  kurzem Clear Singing im sechstens Lied Till Intet –  durchgehend laut und voller Kraft. Die Drums und die Riffs der Gitarre und des Basses sind durchgehend energiegeladen und trotzdem variierend und gut durchdacht. Trotzdem gibt es immer wieder neue Überraschungen, wie zum Beispiel das relativ lange und ruhige (dieses Mal ist es wirklich ruhig) Gitarren-Outro des Titelsongs Torture Deathcult, der an siebter Stelle steht, das schon genannte Clear Singing und der letzte Song mit dem selbstbewussten Titel I, Above, der gut 10 Minuten dauert und somit mit Abstand das längste Lied ist, das ebenfalls einen wunderbaren, wenn auch raschen Abschluss darstellt.

Letztendlich ein gelungenes Black Metal-Debüt, dass man sich gut anhören kann, dem aber doch das Besondere oder Einzigartige fehlt. 

Veröffentlichungstermin: 21.10.2011

Spielzeit: 44:07 Min.

Line-Up:
Kim C – Bass und Gitarre 
Adde H – Vocals  
J. Olofsson – Drums (Studio-Gastmusiker)

Label: Battlegod Productions

Homepage: http://www.tyrantwrath.n.nu

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/tyrantwrath

Tracklist:
1. Hollow
2. Deaths Lair
3. This Dark Past
4. The Ravens Are Rising
5. Hellfuck
6. Till Intet
7. Torture Deathcult
8. Revelation Of Life
9. I, Above