THE PICTUREBOOKS: Artificial Tears

Gefährlicher, destruktiver Indie-Alternative Rock, der das Credo "Sex Drugs and Rock ´n´ Roll" auf die Stirn tätowiert hat.

Stell sie dir vor, wie sie in ihrem Hotelzimmer liegen, die Sonnenbrille schief auf der Nase, ansonsten nichts mehr an, ein fleckiger Glastisch, bei dem vor lauter Exzesse ein Bein fehlt und weshalb er schief nach unten hängt, ein paar schwach atmende Mädchen mit zerfetzten Röcken und Oberteilen im Raum verteilt mit glasigem Blick. Die Musik von THE PICTUREBOOKS klingt genauso als wären die drei twentysomethings zu so etwas fähig. Nach totaler Exzesse, Orgie, sowohl zerstörter Bühne, Instrumente als auch Publikum und deflorierte Mädchen aus sozial schwierigen Verhältnissen geht es am nächsten Tag wieder in die nächste Stadt, um das nochmal durchzuziehen. Live fast, die young.

Verdammt, ob diese drei jungen Musiker auch in der Realität alles so vernichten, oder ob ihr zweites Album nur so sehr nach gefährlicher Rockmusik klingt, das steht hier gar nicht zur Debatte. Nur dass ihr sowas von englisch klingendes Album immer wieder mit eins-a Hooklines auftrumpft und geniale Frechheit präsentiert. THE PICTUREBOOKS klauen von vielen Indie-Rock-Bands, haben aber auch den Mumm in den Knochen mit untypischen Ideen zu experimentieren, zum Beispiel mit ein wenig Vocoder in Running Out Of Problems oder schrägen Gitarreneffekten à la RADIOHEAD in Twisted Truth / Mislead Youth. Aber meistens ist diese schräge Mischung aus THE HEAVY und THE STOOGES, aus MANDO DIAO und CLAUS GRABKE ziemlich direkt. Letztere Ähnlichkeit kommt übrigens nicht von ungefähr, da Sänger und Gitarrist Fynn der Junior von CLAUS GRABKE höchstpersönlich ist.

Das Talent für Songwriting und coole Gesangslinien ist dem Westfalen schon in die Wiege gelegt worden, und er hat zusammen mit seinen Freunden einiges zu manifestieren. Immerhin ist Artificial Tears das zweite Album innerhalb eines Jahres und dafür sind die Songs erstaunlich vielsagend. Füllmaterial gibt es so gut wie gar nicht auf diesem Zweitwerk und dank der zeitintensiven Arbeit im familieneigenen Studio entstand nicht nur originelle Musik, sondern auch eine schön altmodische, aber trotzdem transparente und stets raue Produktion. Außerdem zeigen THE PICTUREBOOKS, dass an den Instrumenten keine Greenhorns sind und Sänger Fynn hat eine überraschend abwechslungsreiche, sichere Stimme und daneben coole, aber recht emotionslose Gesangslinien. Daraus entsteht abwechslungsreiches Material wie I Put A Spell On You, Sensitive Feelings Are All Electric, Kiss Me Goodbye, Finders / Keepers und das Titelstück mit Ohrwurmgarantie, aber auch ein paar Füller wie Dance Tiger Dance. Überhaupt, in allen elf Songs mögen die Tränen vielleicht künstlich sein, aber Blut und Schweiß ist echt. Noch ein wenig mehr echte Emotionalität und um THE PICTUREBOOKS könnte ein Hype entstehen, der nicht von ungefähr kommt. Aber schon jetzt können Indies und Alternative-Rock-Freunde mit Hang zum Destruktiven recht bedenkenlos zugreifen.

Veröffentlichungstermin: 1. April 2010

Spielzeit: 40:23 Min.

Line-Up:
Fynn Grabke – Gesang, Gitarre
Tim Bohlmann – Bass
Phillip Mirtschink – Schlagzeug

Label: Noisolution

Homepage: http://www.thepicturebooks

MySpace: http://www.myspace.com/picturebooksthe

Tracklist:
1. I Put A Spell On You
2. Twisted Truth / Mislead Youth
3. I´m Drawing Hears On Your Jeans
4. Running Out Of Problems (You Can Have Some Of Mine)
5. Sensitive Feelings Are All Electric
6. Dance Tiger Dance
7. Kiss Me Goodbye
8. Finders / Keepers
9. Artificial Tears
10. Personality Grown On A Tree
11. The Phone Won´t Ring For You Tonight

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