TERRAPLANE: Into the unknown

Wer auch nur einen Hauch Hippie in sich hat, der kommt an TERRAPLANE kaum vorbei. Auch wer seine Portion Stoner-Rock gern richtig schön … äh … stoned mag, sollte mal reinhören.

Dass es im Ostharz mehr gibt als Schierker Feuerstein und Hexentanz auf dem Brocken, das zeigt die Band TERRAPLANE aus der wirklich wunderschönen Stadt Werningerode. Dabei scheinen die Mamis schon so manche Walpurgisnacht auf dem Brocken durchgetanzt zu haben, denn ganz ohne kräuterkundige Einflüsse wären dreiviertel der Jungs sicher zu jung, um so authentischen Psychedelic-Rock zu zelebrieren.

Anfangs geht die Reise noch recht druckvoll instrumental Richtung Stoner Rock. Der vom Titel Orange salvation erhoffte echte Orange-Sound fehlt zwar, aber einen ordentlich alten kratzigen 70iger Fuzz-Sound bietet man trotzdem. Beim groovenden Once I was you oder dem bluesigen Black mystery mag man kurz mal an MONSTER MAGNET denken, die Harzer Buben klingen aber nicht so aufgebohrt retro wie diese Megaseller – sie sind halt einfach nur zu spät geboren, ein klassischer Fall von Born too late also!

Die Vocals von Christian Oelke kommen irgendwie recht müde und benebelt rüber und fügen sich dadurch perfekt in den Grundsound ein, wie auch musikalisch wird bewusst auf die oft aufgesetzt wirkende Coolness des Stoner Rock verzichtet, und trotz der eindeutigen Parallelen behält man immer die psychedelische Grundstimmung. Wenn sie diesem Sound freien Lauf lassen, gefallen sie mir am besten. Beim Moonflower Blues Pt.II hat man schnell großlockige Flower-Power-Mädels vor Augen, die mit Blumen im wallenden Haar in Zeitlupe über bunteste Wiesen tänzeln, wahlweise sieht man auch rauschebärtige Hippies mit Breitcordhosen und selbst gestricktem Pulli mit gigantischen Tüten und ebenso großem Grinsen im Gesicht. Der Höhepunkt von Into the unknown ist aber der Titelsong, der sich als über 15-minütige Abfahrt in bunte Sphären präsentiert. Wie eine vernebelte endlose Jamsession braucht man hier nicht mal Räucherstäbchen, um von dem Song in einen schillernden Sog gezogen zu werden. Mit sehr viel DOORS-Anleihen erreicht der Song fast etwas die Intensität solcher Psychedelic-Monster wie PINK FLOYDs Carefull with that axe Eugene – klasse!

Wer auch nur einen Hauch Hippie in sich hat, der kommt an TERRAPLANE kaum vorbei. Auch wer seine Portion Stoner-Rock gern richtig schön … äh … stoned mag, sollte mal reinhören.

Übrigens gibt es die bereits im letzten Sommer in Eigenregie veröffentlichte Into the unknown jetzt als Neuauflage remastered von Joachim Eroc Ehrig, Drummer der Krautrocklegende GROBSCHNITT. Draufgelegt hat die Band noch reichlich Bonusmaterial, unter anderem in Form älterer, nicht mehr erhältlicher Songs. Die neue Auflage gibt es auch als Doppel-Vinyl, bestellen kann man Into the unknown beim Label oder direkt bei der Band.

Veröffentlichungstermin: 26.02.2007

Spielzeit: 46:29 Min.

Line-Up:
Christian Oelke – Vocals
Christian Peters – Guitars, Sitar, Orgel
Florian Furtner – Bass
Edward Bernatek – Drums

Label: Nasoni Records

Homepage: http://www.terraplane.de.vu

Email: generated-x@gmx.de

Tracklist:
1. Fair warning
2. Orange salvation
3. Once I was you
4. Moonflower Blues Pt.II
5. Mantra
6. Lower
7. Black mystery
8. Into the unknown