STATUS QUO: Backbone

STATUS QUO: Backbone

Was soll man zu STATUS QUO noch groß sagen? Für ältere Rockfans definieren sie die komplette Musikgeschichte mit ihrem Kürzel QUO. Spätestens mit dem 72er „Piledriver“-Album haben sie ihren ganz eigenen Sound in die Rockhistory gehämmert, ihren typischen (weitaus mehr als) 3-Akkorde-Boggie-Rock erkennt man sofort. Gefühlt wollte die Band nach dem Tod von RICK PARFITT in Rente gehen, was auch die Abkehr von „Elektrischen“ Konzerten und die folgenden Akustikshows- und Platten bestätigten. Und nun? Kommt ein klassisches Rockalbum! FRANCIS ROSSI hat noch lange nicht genug, eher aus einer lockeren Session entstanden, hat jeder in der Band dazu beigetragen, ein echtes QUO-Album einzurocken. Nach über 130 Shows ist das aktuelle Lineup halt eine Einheit. Eindeutig haben auch die jungen Kollegen Richie Malone, der die schwierige Aufgabe offensichtlich gemeistert hat, PARFITT zu ersetzen, und Drummer Leon Cave dazu beigetragen, dass die Bandsenioren sich aufrichten und Rückrad zeigen. Schließlich nehmen QUO bei vielen (nicht nur) Altrockern einen großen Platz ein im Leben und im Plattenregal. Da gehört auch „Backbone“ hin, das mittlerweile 33. Album!

STATUS QUO präsentieren mit „Backbone“ ihr 33. Album!

Der Opener „Waiting For A Woman“ ist vielleicht am ehesten das, was man erwartet hätte. Rockt dezent, tut keinem weh, der Groove nicht zu hart, um die Hüften und Nacken der mitgealterten Fans zu schonen. Ein netter Schunkelrocker, der sich auch als Rock-Song auf ROSSIs Soloalbum „We Talk To Much“ im Duett mit der Stimme von Hannah Rickards gut gemacht hätte. Der Verdacht macht sich breit, das er aus eben jener Aufnahmesession stammt, der Sound kommt weitaus zahmer als der Rest, gerade auch bei den Leadgitarren. Als Opener definitiv deplatziert. Aus mit der Schonzeit, überraschend knallen uns QUO mit „Cut Me Some Slack“ einen knackigen Boogie-Rocker vor den Latz. Der hat mit dem Schunkel-Rock der letzten Jahre wenig zu tun, kommt mit viel 70er-QUO. Man bekommt sofort Lust, mal wieder die „Piledriver“ oder „Quo“-Platte aufzulegen. Gutgelaunte Rocker wie „Liberty Lane“ (hör ich hier ein paar „Hello“-Vibes?), der Titelsong oder „Falling off The World“ tragen den poppig-rockigen Flow der letzten rockigen Jahre. Letzterer schiebt dann aber doch einen collen 70er Boogie-Part ein.

Viele 70er QUO-Momente finden sich auf „Backbone“

„I See You’re in Some Trouble“ hätte so auch auf RICK PARFITTs Soloalbum stehen können. „Better Take Care“ hat gnadenloses Hitpotential. Trotz dem typischen QUO-Gestapfe schiebt sich eine erfrischende Portion Southern Rock ein. Hier darf auch Basser „Rhino“ Edwards seine Stimme erheben. Ein schmissiger Song, perfekt als nächste Single, perfekt für die Party bei den Liveshows. Am coolsten bleibt es aber, wenn die Herren ihre Klassiker Revue passieren lassen. Als Fan erkennt man schnell, welcher Song sich an welchem Album anlehnt. Bei „I Wanna Run Away With You“ steht man sofort breitbeinig mit der Luftgitarre am Bühnenrand, auch wenn die „Oh Yeah“-Backings arg albern kommen. Das energische „Get Out Of My Head“ hätte man so eher auch nicht mehr erwartet von den reifen Herren. Hier darf wohl Richie Malone ans Mikro, das macht Sinn, solche Songs hat RICK PARFITT geschrieben.

„Backbone“ rockt an allen Ecken

Leidenschaftlicher STATUS QUO-Fan seit frühester Kindheit hin oder her, ein solches Album hätte ich definitiv nicht erwartet! Es rockt an allen Ecken! Mal gewohnt schunkelig wie die letzten Jahre, aber auch kraftvoll Back To The Roots mit sehr vielen Anleihen an die Scheiben der 70er Jahre. Und das mit einer Energie, die man den alten Männern so nicht zugetraut hätte. Wer die Jungs damals schon auf der Bühne gesehen hat, der weiss, dass es niemals wieder eine so gute Liveband gab. Das werden sie natürlich nie mehr aufleben lassen können. Aber man kann sich gut vorstellen, wie viel Spaß die Fans auch an diesen neuen Songs live haben werden. Bis zur nächsten Tour muss man sich gedulden, aktuell waren sie ja gerade unterwegs. Bleiben nur noch die Shows am 8. September in Ludwigsburg und am 9. September in der Schweiz beim Schupfart Festival.

Eine QUO-Party für zuhause

Egal, eine ordentliche QUO-Party geht auch zuhause! Und richtig gut mit dem neuen Album „Backbone“. Jau, es erfordert schon Rückgrat, sich selbstbewusst hinzustellen und so ein cooles Scheibchen abzuliefern. Alte STATUS QUO-Fans werden ausrasten vor Begeisterung, junge Fans werden erkennen, dass die alten Männer noch richtig Popo treten können. Für Fans ganz klare Kaufpflicht!

Veröffentlichung: 06.09.2019

Lineup:
Francis Rossi – Vocals, Guitars
Richie Malone – Guitars
John Edwards – Bass, Vocals
Andy Bown – Keyboards, Guitars, Vocals
Leon Cave – Drums

Produziert von Francis Rossi und Robert Young

Label: earMUSIC

Homepage: http://www.statusquo.co.uk

Mehr im Web: https://www.facebook.com/StatusQuoOfficial

Die Tracklist von „Backbone“:

1. Waiting For A Woman
2. Cut Me Some Slack
3. Liberty Lane
4. I See You’re in Some Trouble
5. Backing Off
6. I Wanna Run Away With You
7. Backbone (Video bei youtube)
8. Better Take Care
9. Falling off The World
10. Get Out Of My Head
11. Running Out Of Time

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.