SABATON: Heroes

SABATON: Heroes
In meiner Rezension zum letzten SABATON-Album Carolus Rex habe ich die Frage gestellt, wie lange SABATON ihr Ding noch durchziehen können, bis die ersten Ermüdungserscheinungen einsetzen. Nun, zumindest für mich ist dieser Punkt so langsam erreicht. Auf ihrem siebten Album fahren SABATON weiter auf der bekannten und etablierten Schiene. Simpler, bombastischer Metal, der vor allem durch Joakim Brodén´s sehr eigenen Gesang heraussticht. Den Einsatz von Keyboards haben SABATON auf dem ersten Album, das vom neuen Line Up eingespielt wurde, deutlich zurück gefahren. Dafür haben die Lead-Gitarren gefühlt etwas mehr Raum bekommen. Prinzipiell schon mal eine begrüßenswerte Entscheidung. Der knapp dreiminütige Opener Night Witches befasst sich mit dem sowjetischen Frauen-Bomberregiment, welchem HAIL OF BULLETS bereits auf ihrem Debütalbum den Song Nachthexen widmeten. Eine kurze und effektive Up Tempo-Nummer, typisch für SABATON und ein gelungener Einstieg. No Bullets Fly ist etwas melodischer gehalten. Trotz eines unnötigen ohoho-Parts, zählt auch dieser Song zu den stärkeren auf Heroes. Leider hält der Rest des Songmaterials dieses Niveau eher selten. 
Textlich geht es natürlich wieder um Krieg. Nach dem Konzeptalbum Carolus Rex ist Heroes dieses Mal eher eine Sammlung verschiedener Texte über Kriegshelden der einen oder anderen Art. Inmate 4859 greift mal wieder das Thema Auschwitz auf. Dieses Mal geht es um Witold Pilecki, einen polnischen Soldaten, der freiwillig nach Auschwitz ging um dort den Widerstand zu organisieren und die Greueltaten im KZ zu dokumentieren. Daraus machen SABATON dann eine pompöse Schunkelnummer mit Refrain ala Kinderlied. Der Song ist für mich allerdings lange nicht so grenzwertig wie The Final Solution auf Coat Of Arms. Besser wird er dadurch allerdings auch nicht. Aber wenn es um Kriegsverherrlichung und all zu lockeren Umgang mit solchen Themen geht können SABATON immer noch einen drauf setzen. Wenn Joakim Brodén in The Ballad Of Bull Sometimes war is killing – Sometimes it´s saving lives singt möchte ich einfach nur kotzen. Krieg rettet NIEMALS Leben, sondern zerstört Leben. Natürlich gibt es einzelne Menschen oder Taten in Kriegen, die Leben gerettet haben aber ein Krieg an sich kann per Definition schon keine Leben retten. Natürlich gibt es auch andere Bands, die sich mit Krieg in Ihren Songtexten auseinander setzen aber es kommt eben auch auf die Art und Weise an. Und diese romantische Verklärung und Verherrlichung von Krieg an sich fand ich bei SABATON schon immer grenzwertig, hier kotzt sie mich aber so richtig an. Davon abgesehen ist The Ballad Of Bull auch musikalisch kein großer Wurf sondern eine generische, pathos-geschwängerte Ballade. 
Das Hauptproblem auf Heroes ist, dass man sich zu sehr auf immer die selben, simplen Riffs verlässt. Auch Joakim Brodén lässt sich schon ne Weile keine neuen Gesangslinien mehr einfallen. Und genau hier kommen wir wieder zu dem Punkt, den ich oben schon angesprochen habe. SABATON haben sich, zumindest für mich, inzwischen einfach totgelaufen. Wirklich konsistent waren die Alben der Band qualitativ eh noch nie. Neben einigen Hits stand oft auch manches an Mittelmaß. Die Hard-Fans der Band werden vermutlich auch Heroes abfeiern. Mir ist das inzwischen trotz einiger unbestritten guter Songs alles zu vorhersehbar, cheesy und kalkuliert. Es gibt so viele bessere Platten, für die man sein Geld ausgeben kann… 

Veröffentlichungstermin: 16.05.2014

Spielzeit: 37:01 Min.

Line-Up:

Joakim Brodén – vocals
Chris Rörland – guitars
Thobbe Englund – guitars
Pär Sundström – bass
Hannes van Dahl – drums

Produziert von Peter Tägtgren @ Abyss Studio
Label: Nuclear Blast

Homepage: http:// www.sabaton.net

Mehr im Netz: https:// www.facebook.com/sabaton

Tracklist:

01. Night Witches 
02. No Bullets Fly
03. Smoking Snakes 
04. Inmate 4859
05. To Hell And Back
06. The Ballad Of Bull
07. Resist And Bite
08. Soldier Of 3 Armies
09. Far From The Fame
10. Hearts Of Iron
agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.